Wie mit Smartphones tolle Fotos gelingen
11 wertvolle Fototricks für fotografische Einsteiger

Die beste Kamera ist jene, die man stets mit sich führt und das ist in den meisten Fällen das Smartphone. Es ist das Kommunikationsmittel unserer Zeit – Bilder sind es, mit denen wir mit Freunden kommunizieren und die als Notizbuch fungieren. Die Fotofunktionen werden immer besser wie allein die aktuelle Berichterstattung vom Mobile World Congress – Branchentreff für Handy-, Smartphone- und Tablet-Hersteller – in Barcelona zeigt. Doch für tolle Fotos ist mehr notwendig – das Smartphone liefert nur die Basis. Die nachstehenden 11 Tricks erhöhen die Wahrscheinlichkeit für fotografische Volltreffer mit Smartphones.

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Fotografieren statt Knippsen, Bildkunst statt Schnappschuss, lautet die Devise. Und das geht auch mit dem Smartphone.

1. Es braucht keine App

Gibt man in Googles Play Store „Photo“ ein, werden hunderte Apps angezeigt – keine davon benötigt selbst der ambitionierteste Handyfotograf. Aus mehreren Gründen:

  • Filter werden vorgegeben, das sorgt für Einheitsbrei
  • Die Bedienung ist durch den Touchscreen unpräzise
  • Viele Funktionen („Hundenase“, „Katzenohren“ usw.) sind nur Spielerei
  • Es gibt kaum Apps, welche alle Funktionen zusammenfassen
  • Alle wichtigen Foto-Einstellungen lassen sich über die native Kamera-App vornehmen

Nicht falsch verstehen. Es gibt durchaus sinnvolle Apps für Fotografen. Doch die haben nichts mit dem eigentlichen Foto oder der Bildbearbeitung zu tun, sondern dem Drumherum von Belichtungszeitberechnung bis zu Standortbestimmungen.

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Selbst günstige Kompakt-Notebooks sind eine ergonomischere, fototauglichere Betrachungs- und Bearbeitungsplattform als jedes Handy.

2. Es braucht einen Computer

Heutige Smartphones überzeugen mit ihrer Fotofunktion. Aber auch wenn ihre Displays immer größer werden, so sind diese immer noch nicht ausreichend, um die Bildqualität beurteilen zu können. Auch die Bildbearbeitung über das Smartphone ist eine Herausforderung – da bleibt der Spaß gern auf der Strecke. Als Alternative braucht es keinen teuren Rechner. Jeder simple Laptop reicht vollkommen aus. Denn er hat drei Dinge:

  1. Ein augenfreundlich großes Display
  2. Eine Maus, mit der man viel präziser arbeiten kann
  3. Einen absolut ausreichenden mitinstallierten Bildbetrachter

Und der Computer hat noch etwas (neben der bildbearbeitungs-tauglicheren Leistung) und zwar eine große Festplatte, auf der man alle Fotos lokal speichern kann. Prinzipiell braucht es dann nur noch eines zum vollständigen Glück. Ein Tool, das eine große Bearbeitungs-Palette abdeckt – zusammengefasst in einem Programm, quelloffen (somit kostenlos) und einer breiten Community versehen. Der GIMP. Der ähnlich fähige, aber kostenlose Bruder von Photoshop.

3. Blitz aus!

Wir kommen zu „handfesteren“ Tipps. Und da sollte man in der Regel als erstes den Blitz ausschalten und auch auslassen. Das Handy-integrierte LED sorgt meist nur für eines: schreckliche Bilder in komischen Farbtönen, die alles, was mehr als einen halben Meter entfernt ist, in der Dunkelheit verschwinden lassen. Wer mal auf einem Konzert die Handyblitze gesehen hat, darf sicher sein, auf diesen Fotos war außer den Hinterköpfen der nächsten Reihe nichts zu sehen. Doch: Keine Regel ohne Ausnahme. Indem man sich vor den Blitz einen kleinen Diffusor aus hauchdünnem Papier klebt, kann man weiches Licht für einzelne Portraits produzieren.

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Weil Smartphone-Zooms nicht optisch funktionieren, machen sie den Bildauschnitt zwar größer, aber viel grobkörniger.

4. Kein Zoom!

Mit dem Auseinanderwischen zweier Finger lässt sich auf dem Handydisplay schnell heranzoomen. Auch diese Funktion sollte man vergessen. Denn in den allermeisten Geräten (Ausnahmen wie das Galaxy-Note-8 nicht inbegriffen) steckt kein „echter“ Zoom, bei dem Linsen verschoben werden. Stattdessen wird die Vergrößerung digital errechnet. Das sieht grundsätzlich schlecht aus.

5. Auf Taste setzen

Smartphones lösen das Foto standardmäßig aus, indem man auf einen virtuellen Display-Button drückt. Und obwohl sich dabei nichts bewegt, sorgt das paradoxerweise dafür, dass das Verwacklungsrisiko steigt, weil der „Knopf“ selten direkt funktioniert. Hier hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung des Geräts. Denn viele bieten die Möglichkeit, die Auslösefunktion auf einen physischen Button (etwa den Lautstärkeregler) zu legen. Sollte das nicht gehen, funktioniert auch der Weg über dedizierte Apps.

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Auch das Handy kann ohne Zusatzbeleuchtung auskommen, wenn man es nur ruhig genug hält und etwas nachbearbeitet.

6. Licht, Licht!

Einmal mehr ist die kompakte Bauweise von Smartphones ein Problem. Denn es bleibt einfach kein Platz für einen lichtstarken Sensor und ein großes Objektiv. Zwar stimmt es, dass die Pixelzahlen steigen. Leider macht das die Bilder nur schärfer, nicht heller. Sehr gut erklärt das ein alter, aber physisch brandaktueller Text der Uni Münster. Kurzgesagt: Die Außenabmessungen des Kamerasensors sind limitiert. Je mehr Pixel darauf passen sollen, desto kleiner müssen diese sein. Doch je kleiner sie sind, desto weniger lichtempfindlich sind sie und umso mehr Bildrauschen produzieren sie bei schlechten Lichtverhältnissen.

Für den praktischen Einsatz bedeutet das, Licht zu machen. Ob Tages- oder Kunstlicht ist prinzipiell egal. Selbst eine Schreibtischlampe kann, wenn man sie richtig einsetzt, (beinahe) alles tun, was auch ein Blitz hinbekommt.

7. Keine Spiel-Funktionen

Schwarzweiß zu fotografieren, ist bei Handys Standard. Auch Tilt-Shift-Funktionen sind teilweise mit an Bord. Doch auch diese sollte man nicht benutzen. Beim S/W ist das leicht erklärt: Die Software des Handys rechnet dann einfach nur auf Schwarzweiß um. Mit oben gezeigtem GIMP hat man jedoch die Möglichkeit, die Farben, aus denen jedes Foto besteht, einzeln in ihrer schwarzweiß-Stärke einzustellen. Aus einem blauen Himmel wird so (durch Reduktion des Blau-Anteils) beispielsweise ein beeindruckendes Tiefschwarz statt Hellgrau.

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Handy-Schwarzweiß entsättigt einfach nur (links). Am PC kann man jedoch die einzelnen Farben kräftiger oder sanfter ausfallen lassen.

8. Immer erst am Computer sortieren

Zugegeben, auch Kamerabesitzer machen es oft nicht so. Aber als Fotoanfänger mit Smartphone sollte man es gleich richtig lernen. Auf dem kleinen Display lassen sich nur grobe Aufnahmefehler wirklich auf einen Blick erkennen. Und außerdem stellen Smartphones die Farben mitunter nicht so natürlich dar, wie es ein großer Computerbildschirm tun würde. Aus dem Grund sollte man nach einem Shooting erst mal in aller Ruhe die Fotos auf den Computer ziehen. Damit schützt man sich auch vor Bilddatenverlust. Wer recht professionell vorgehen möchte, kann vorher auch den Monitor farbkalibrieren. Das dauert zwar etwas, lohnt sich aber immens. Und dann sortiert man folgendermaßen:

  1. Generell technisch schlechte Bilder (unscharf etc.)
  2. Bilder, von denen eine schönere Variante vorhanden ist (Kind lacht / lacht nicht)

Dabei sollte man nicht allzu eilfertig auf die Entfernen-Taste drücken. Denn gewisse Fehler lassen sich auch nachträglich korrigieren. Dazu gehören:

  • Leichte Unschärfen
  • Über-/Unterbelichtung
  • Farbverschiebungen
  • Ungewollte Elemente (Personen im Hintergrund)

Im Zweifelsfall sollte man auch immer prüfen, ob man das Bild nicht noch dadurch retten kann, indem man sich aufs Wesentliche fokussiert und die störenden Elemente einfach am PC wegschneidet.

9. In der Ruhe liegt die Schärfe

Kameras sind im Vergleich zu Smartphones deutlich schwerer. Das hat aber einen Vorteil: Dadurch lassen sie sich wesentlich ruhiger in der Hand halten und so auch bei längeren Belichtungszeiten noch scharfe Fotos schießen. Handys indes sind Leichtbau pur. Im Zweifelsfall überträgt sich jedes natürliche Handzittern darauf und verwackelt das Bild. Manche, aber nicht alle Smartphones besitzen dagegen einen optischen Bildstabilisator.

Doch wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte insbesondere unter nicht optimalen Lichtbedingungen versuchen, nach Möglichkeit gar nicht freihändig zu schießen. Eine Möglichkeit zum Anlehnen gibt es praktisch immer. Und wo nicht, hilft ein Smartphone-Stativ – bei statischen Bildern (Landschaft, Gruppenfotos…) am besten mit dem Auslösetimer des Handys. Wegen des Preises zwar happig, aber für ruhige Fotos (und Videos) unschlagbar sind natürlich kleine Smartphone-Steadycams.

10. SD-Größe ausreizen

Die meisten heutigen Smartphones haben entweder sehr große integrierte Speicher oder unterstützen noch größere SD-Karten. Das sollte man nutzen. Dazu zuerst informieren, wie viel das eigene Gerät überhaupt unterstützt (die meisten Android-Geräte supporten bis zu 64GB).

Als nächsten Schritt sollte man wieder tief in das Menü seines Fotoprogramms tauchen und nach der Funktion „Bildqualität“ suchen. Diese bitte auf das mögliche Maximum einstellen. Das füllt zwar den Speicher viel schneller, aber dafür eben auch mit der gesamten Bildqualität, die das Gerät zu liefern vermag.

11. Hintergrund im Auge!

Das Display verleitet Anfänger dazu, ihrem Hauptmotiv zu viel Beachtung zu schenken. Mit etwas Pech ist dann der Hintergrund schief. Deshalb immer vor dem Auslösen einen Blick auf im Hintergrund vorhandene, feste senk- oder waagerechte Objekte (Hauswände, Fenster, Horizont…) werfen und über den Displayrand oder die integrierte Gitterlinien-Funktion ausrichten.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2018

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