Streifspuren in der Nacht

NASA / ESA / Jesse Carpenter / Bill Moede Bildgalerie betrachten "Eine gigantische künstliche „Sternschnuppe“: Über den Pazifik verglüht das Transport-Raumschiff „Jules Verne“ planmäßig beim Eintritt in die Erdatmosphäre."
NASA / ESA / Jesse Carpenter /

“Tamensi movetur!” soll Galileo Galilei vor dem Inquisitionsgericht gemurmelt haben – „Und sie bewegt sich doch!“ Er meinte die Erde – die Kirche damals war da ganz anderer Meinung. Nach deren Weltbild stand die Erde im Mittelpunkt, Sterne und Planeten drehten sich um sie. Jeder, der den nächtlichen Sternenhimmel fotografieren will, kann das bestätigen: Die Sterne bewegen sich. Natürlich hatte Galilei recht, die Sterne stehen still, die Erde dreht sich. Auf dem Bild kann es aber ganz leicht anders aussehen.

Der Sternenhimmel funkelt natürlich nachts am schönsten, wenn es klar und schön dunkel ist. Die Kamera gehört auf das Stativ und die Belichtungszeit muss entsprechend verlängert werden. Das Ergebnis ist ein Nachthimmel voller Stern-Streifen. Technisch und dokumentarisch gesehen zwar absolut korrekt, aber nicht unbedingt das Motiv, das man sich ins Wohnzimmer hängen möchte. Ein paar Tricks helfen, auch ohne sündhaft teure technische Lösung brauchbare Bilder vom nächtlichen Sternenhimmel zu machen.

Am einfachsten sind trotzdem sogenannte Strichspur-Aufnahmen. Man kann mit einem spannenden Motiv im Vordergrund beeindruckende Bilder zaubern, die man sich auch gerne ins Wohnzimmer hängt. Die Kamera steht dabei fest auf einem Stativ montiert, da sich die Erde dreht und die Sterne somit am Himmel wandern, erscheinen sie als Striche. Dabei wird ein möglichst lichtstarkes Objektiv gewählt, die Blende weit geöffnet (kleine Blendenzahl) und dann im Bulb-Modus (B) die Zeit mit Hilfe des Fernauslösers gesteuert. Die Belichtungszeit kann bei etwa einer Minute beginnen und dann bis zu mehrere Stunden dauern. Dann muss allerdings die Blende wieder ein Stück weit geschlossen werden. Die Zeit richtet sich danach, wie lange die Strichspuren werden sollen. Eine andere Möglichkeit ist es, mehrere Aufnahmen später mit einer Panorama-Software zu einem großen Bild zusammenzusetzen.

Mit Strichaufnahmen lassen sich auch Sternschnuppen einfangen. Eine einzelne Sternschnuppe zu fotografieren, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Man kann sich aber behelfen, indem man lange belichtet und dann eine quer zu den anderen Spuren der Sterne verlaufende Spur einer verglühenden Sternschnuppe auf dem Bild hat.

Wer die Sterne punktförmig abbilden will, kann sich mit einer sehr hohen ISO-Zahl zumindest einigermaßen behelfen. Abhängig von der Brennweite des verwendeten Objektives sind Sterne bis knapp 20 Sekunden (Teleaufnahme) oder bis zu 40 Sekunden (Weitwinkel) als Punkte zu sehen. Als zusätzlicher Faktor kommt noch die Deklination des Sterns hinzu. Diese gibt an, wie hoch der Stern am Firmament steht. Je näher er am Himmelspol ist, umso länger kann er belichtet werden, ohne zu verwischen.

Professionelle Astro-Fotografen umgehen das Problem, indem sie ihre Kameras auf entsprechende Nachführeinrichtungen montieren. Diese drehen die Kamera exakt entgegen der Erddrehung, so dass stundenlang der gleiche Fleck am Himmel belichtet werden kann.

Aber wann geht man Sterne fotografieren? Am besten bei Neumond. Je dunkler der Himmel, umso besser heben sich die Sterne ab. Am wichtigsten ist allerdings die Umgebung. Und die sollte möglichst weit weg von irgendwelcher Bebauung oder Straße sein. Wenn minuten- oder stundenlang belichtet wird, muss es absolut dunkel sein. Ein Auto, dessen Scheinwerferlicht auch nur einmal ins Objektiv fällt, macht jede Aufnahme zunichte. Wer mit der Taschenlampe umher rennt, verursacht sehr viel Streulicht. Das muss unbedingt vermieden werden.

Wenn der Fotograf irgendwann die Autotüre aufmacht, um sich hinzusetzen und dabei geht die Innenbeleuchtung an, hat er ebenfalls verloren. Zumindest, wenn das Auto nicht meilenweit weg von der Kamera geparkt wurde. Gegen Langeweile hilft ein Fernglas. Damit lassen sich viele Himmelsobjekte entdecken, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2010

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