Tageslichtfotografie - Lichtfarbe/Lichttemperatur/Farbtemperatur und Weißabgleich

© Fotograf: Christian Krause, Seemanns Hoffnung, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Christian Krause, Seemanns Hoffnung, Blende-Fotowettbewerb
Fotografen sind prinzipiell bestrebt, Motive so aufzunehmen, dass diese dem natürlichen Seheindruck entsprechen. Aus diesem Grund ist die Berücksichtigung der Lichtfarbe – auch als Lichttemperatur beziehungsweise Farbtemperatur bezeichnet – so wichtig. Im Tagesverlauf verändert sich die Lichtfarbe. Diese Tatsache nehmen wir nur bedingt mit bloßem Auge wahr, was damit zusammenhängen dürfte, dass die Veränderungen fließend sind. Die Lichtfarbe steht aber nicht nur in Abhängigkeit zum Tagesverlauf, sondern wird auch durch die Bewölkung beeinflusst. So fällt die Lichtfarbe bei einem wolkenlosen und strahlend blauen Himmel anders aus, als wenn dieser mit dichten Wolken durchzogen ist.

Die Lichtfarbe wird in Kelvin gemessen. Die internationale Norm für mittleres Sonnenlicht beträgt 5.500 Kelvin – es ist der Ton eines Sonnentages bei klarem Himmel am Vor- oder Nachmittag. Der Fotograf kann auf die Lichtfarbe über den Weißabgleich Einfluss nehmen. Kameras bieten den automatischen Weißabgleich an, der für die meisten fotografischen Aufnahmesituationen bestens funktioniert. Darüber hinaus bieten Kameras eine Reihe von Voreinstellungen für verschiedene Lichtsituationen wie Sonne, Wolken bis hin zu künstlichen Lichtquellen. Es gibt aber auch Kameramodelle, bei denen der Fotograf sogar die Möglichkeit hat, konkrete Kelvinwerte einstellen zu können. Zahlreiche Fotografen bevorzugen den individuellen Weißabgleich anhand einer Referenzaufnahme. Hier ist zu beachten, dass mit jeder neuen Beleuchtungssituation neu justiert werden muss. Der manuelle Weißabgleich zählt zu der anspruchsvollsten Lösung. Ohne Hilfsmittel, wie Graukarte oder Vorsatzfilter, geht es hier allerdings nicht, die für die Erstellung einer Referenzaufnahme notwendig sind. Ist eine nahezu 100-prozentige Farbgenauigkeit gewünscht, so ist man mit einer Referenzfarbkarte am besten beraten.

Für all jene, die sich bislang noch nicht mit dem Weißabgleich und seiner Wirkungsweise auseinandergesetzt haben, ist es sicherlich empfehlenswert, ein und dasselbe Motiv bei unterschiedlichen Einstellungen abzulichten. Einige Kameras bieten sogar die Option, dass beim einmaligen Betätigen des Auslösers das Motiv bei unterschiedlichen Weißabgleicheinstellungen abgelichtet wird. Auch, wenn Fotografen prinzipiell bestrebt sind, Motive so aufzunehmen, wie sie dem natürlichen Seheindruck entsprechen, so kann eine Verfremdung durch Veränderung der Farbtemperatur durchaus reizvoll sein.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2013

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