Teleobjektive - Wo ist das Motiv?

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© Blende, Ulf Lorenzen, Was guckst Du?

Teleobjektive gibt es mit Brennweiten ab 150 mm bis über 600 mm, die dann als Superteleobjektive bezeichnet werden. Je größer die Brennweite von Teleobjektiven ist, mit denen sich nicht nur Entfernungen überbrücken lassen, sondern sehr enge Bildwinkel gewählt werden können, desto schwieriger ist die Fokussierung. Kleinste Bewegungen von Motiv und Kamera reichen aus, dass sich das bildbestimmende Objekt nicht mehr dort befindet, wo man es haben möchte, oder es befindet sich sogar außerhalb des Sucherfelds. Erschwerend auf die Fokussierung wirkt sich auch aus, dass Strukturen mit zunehmender Vergrößerung für das AF-Modul immer schlechter zu erkennen sind. Hier sind all jene Fotografen in Vorteil, die über einen leistungsfähigen AF und eine möglichst intelligente AF-Automatik verfügen.

Wird mit einem Teleobjektiv fotografiert, so heißt es als Fotograf, einen Mindestabstand zum Motiv einhalten zu müssen, um es vollständig abzubilden. Je nachdem, was für ein Teleobjektiv zum Einsatz kommt, muss der Abstand zum Motiv bei einem normalen Teleobjektiv bei über einem Meter und bei Superteleobjektiven sogar zwischen vier und sieben Metern liegen.

Je länger die Brennweite des Teleobjektivs ist, desto kleiner ist der sichtbare Schärfentiefenbereich. Der gestalterische Vorteil liegt ganz klar auf der Hand, denn dadurch kann der Hintergrund in Unschärfe versinken, wodurch er nicht mehr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Hat man jedoch zwei Bildelemente auf die es ankommt, so müssen diese nah beieinanderliegen, sollen sie beide scharf abgelichtet werden. Gestalterisch überaus interessant ist jedoch auch die Darstellung von unterschiedlich weit entfernten Bildelementen, die proportional nicht all zu unterschiedlich abgebildet werden. Die Aufnahmen wirken sehr plakativ durch ihre zweidimensionale Anmutung. Bei der Bildbetrachtung ist man der Auffassung, dass die Bildelemente recht nah zueinander stehen – in Wirklichkeit waren sie mehrere Meter weit auseinander.

Mit Teleobjektiven, und das sollte man bei der Bildgestaltung immer berücksichtigen, werden Motive getrennt, also losgelöst, von ihrer Umgebung abgelichtet. Das Motiv steht sozusagen allein im Raum, man kann es keiner Situation zuordnen. Das hat zur Folge, dass vielfach ein distanzierter, bisweilen unrealistischer Eindruck beim Betrachter zurückbleibt. Die große Kunst besteht mitunter darin, dies zu vermeiden.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2013

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