Tierfotografie - Für den Moment gerüstet

© Fotograf: Stefan Lehnen, Flying fish, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Stefan Lehnen, Flying fish, Blende-Fotowettbewerb
Tiere im Zoo sind eine Sache, Tiere in freier Wildbahn eine ganz andere. Wer Tiere draußen fotografiert, braucht einiges an Ausrüstung und vor allem: Geduld, ja viel Geduld. Die besten Tieraufnahmen sind nicht im Vorbeigehen entstanden, sondern weil ein Fotograf lange auf den richtigen Augenblick gewartet hat. Manchmal sind das Stunden, manchmal Tage oder Wochen. Wer also loszieht, um Tiere zu fotografieren, sollte vor allem ausreichend Zeit einplanen und die richtige Ausrüstung dabei haben. Prädestiniert für die Tierfotografie sind Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras mit Teleoptik oder auch die sogenannten Bridgekameras. Kompaktkameras mit einem dreifachem Zoom beispielsweise oder auch Smartphones werden keine Aufnahmen liefern, die Sie zufriedenstellen. In der Tierfotografie kommt es also neben der Geduld und zum richtigen Zeitpunkt an Ort und Stelle zu sein auch auf die Fotoausrüstung an.

Die meisten Wildtiere haben recht große Fluchtdistanzen. Sobald diese unterschritten werden, suchen die Tiere das Weite, gehen wieder auf sichere Distanz. Es ist also besser, an einem Ort zu warten, bis die Tiere in Reichweite kommen, als ihnen hinterherzugehen. Wer beispielsweise Rehe fotografieren möchte, kann es sich ja in der Dämmerung auf einem Hochsitz gemütlich machen.

Langes Warten bedeutet aber auch: Die Kamera wird dabei nicht leichter. Zumal in der Regel das größte Teleobjektiv gerade groß genug ist. Wer da nicht stundenlang die Kamera halten oder sie irgendwo unbequem auflegen möchte, nimmt ein Einbeinstativ mit. Ist die Fotolocation erst nach einem längeren Fußmarsch zu erreichen, sollte beim Kauf aufs Gewicht geachtet werden.

Mit einem lichtstarken Teleobjektiv kann es dann losgehen. Die Kamera sollte auf Zeitautomatik gestellt werden, der Fotograf wählt also die Blende vor, dazu ermittelt die Automatik die passende Zeit. Spot-Belichtungsmessung hilft, dass nicht der Hintergrund richtig, das Tier dafür falsch belichtet wird. Wie immer ist die niedrigste vertretbare ISO-Zahl gerade richtig. Weil die besseren Naturaufnahmen am Morgen oder Abend entstehen, kann das wenige Tageslicht zum einen mit einem lichtstarken Objektiv, zum anderen eben mit der ISO-Einstellung der Kamera kompensiert werden, indem die Empfindlichkeit erhöht wird.

Wenn in freier Wildbahn fotografiert wird, ist Zeit ein entscheidender Faktor, und zwar nicht nur beim Warten auf das perfekte Motiv, sondern auch beim Fotografieren selbst. Wer nicht den entscheidenden Augenblick verpassen möchte, nutzt die größtmögliche Bildfolge im Serienbild-Modus. Das gilt generell bei Aufnahmen von Tieren, auch im Zoo. Nichts ist ärgerlicher, als wenn der Vogel den Fisch fallen lässt und der Fotograf gerade nicht auf den Auslöser drückt.

Das wäre dann nur noch dadurch zu überbieten, wenn im entscheidenden Moment die Speicherkarte voll ist. Sportfotografen im Fußballstadion haben früher den Film gewechselt, wenn noch ein gutes Stück frei war, um im entscheidenden Moment nicht mit vollem Film dazustehen. Und dieses Prinzip gilt natürlich auch heute noch. Deshalb: Die Speicherkarte nicht bis zu den letzten fünf Bildern voll fotografieren, sondern rechtzeitig wechseln. Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2014

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