Tierfotografie - Marienkäfer flieg oder lieber doch nicht

© Fotograf: Katrin Otter, Glücksbringer, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Katrin Otter, Glücksbringer, Blende-Fotowettbewerb
Waren es im vergangenen Jahr Schnecken, die Fotografiebegeisterte für sich entdeckten, so scheinen es in diesem Jahr die Marienkäfer zu sein. Das verwundert nicht, denn allein durch ihre Farbgebung – rotschwarz und ein wenig weiß – sind sie überaus reizvoll. Ja, und dann noch durch den farblichen Kontrast in Kombination mit Pflanzengrün sind richtig tolle Aufnahmen garantiert, die wahre Hingucker sind. Tolle Bilder entstehen auch dann, wenn nur der Marienkäfer farblich abgelichtet wird und der Rest des Motivs in Schwarzweiß (Color Key) – eventuell bietet Ihre Kamera ja diese Funktion. Und im Gegensatz zu anderen vielen Insekten haben Marienkäfer für den Fotografen den großen Vorteil, dass sie in ihren Bewegungen deutlich langsamer und zudem in allen Gärten und Grünanlagen anzutreffen sind.

© Fotograf: Annett Schmitz, Auf und Davon, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Annett Schmitz, Auf und Davon, Blende-Fotowettbewerb
Als Aufnahmegeräte sind Kompaktkameras mit Makrofunktion oder Kameras mit Wechseloptik, und zwar mit einem Makroobjektiv ausgestattet, die optimale Wahl. Am besten geeignet sind Makroobjektive, die Aufnahmen im Größenverhältnis von 1 : 1, also in Originalgröße, erlauben. Ein Stativ ist Pflicht – Makroobjektive erfordern kurze Aufnahmedistanzen und bei nicht optimalen Lichtverhältnissen kommen längere Verschlusszeiten zum Einsatz, die nicht mehr aus der Hand gehalten werden können. Ratsam – aber nicht immer zwingend erforderlich – ist auch der Einsatz von kleinen Reflektoren in Silber oder weiß, um Schatten aufzuhellen.

Die größte Herausforderung für Sie als Fotograf besteht in der richtigen Scharfstellung. Die Schärfe sollte natürlich auf dem Marienkäfer liegen. Das ist oft einfacher gesagt als getan, denn selbst bei hohen Blendenwerten ist die Schärfentiefe sehr begrenzt. Auch, wenn Autofokussysteme grundsätzlich sehr gute Ergebnisse liefern, so bevorzugen wir in der Makrofotografie die manuelle

© Fotograf: Torsten Krebs, Marienkäfer-Pause, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Torsten Krebs, Marienkäfer-Pause, Blende-Fotowettbewerb
Scharfstellung. Die AF-Funktion lässt sich übrigens optimieren, indem Sie nur einen Schärfepunkt nutzen. Bewegt sich Ihr Motiv, so müssen Sie dann den Schärfepunkt entsprechend ändern. Sind Sie im Besitz einer Kamera, die die Auswahl mehrerer benachbarter Schärfepunkte erlaubt, so ist diese Funktion zum Ablichten von Marienkäfern prädestiniert. Die Serienbildfunktion Ihrer Kamera erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit auf mindestens eine gelungene Aufnahme. Nach den ersten Aufnahmen sollte man diese in jedem Fall überprüfen und gegebenenfalls die Bildkomposition ändern. Scheuen Sie auch nicht das Experiment, denn auch, wenn wir uns gerade in der Makrofotografie immer dafür aussprechen, dass der Hintergrund in Unschärfe versinken soll, so kann eine andere Blendenwahl von beispielsweise f/10 diesen klarer hervorheben, was Ihrem Hauptmotiv, dem Marienkäfer, eventuell gut tut.

© Fotograf: Christina Dürrenfeld, Lady in Red..., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Christina Dürrenfeld, Lady in Red…, Blende-Fotowettbewerb
Gerade wenn Sie in der Makrofotografie noch nicht so geübt sind, erwarten Sie nicht gleich perfekte Bilder. In der Fotografie heißt es oftmals, sich Schritt für Schritt an den Erfolg heranzutasten – Sie haben auch nicht von heute auf morgen Laufen gelernt. Oftmals sind es Nuancen, die entscheiden – für diese muss man aber auch erst ein Gespür bekommen, und das braucht seine Zeit. Erst wenn man übrigens selbst der Makrofotografie nachgeht, weiß man die Aufnahmen derjenigen zu schätzen, die sie schon vor einem für sich entdeckt haben. Und abschließend noch ein kleiner Tipp: Beobachten Sie vor dem Fotografieren den Marienkäfer – dann sind für Sie Situationen vorhersehbarer und Sie können entsprechend fotografisch besser darauf reagieren.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2014

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