Tierfotografie: Vögel vor der Linse

© Fotograf: Alexander Dedek, Flugstudie Stare, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Alexander Dedek, Flugstudie Stare, Blende-Fotowettbewerb
Tiere sind nicht nur überaus fotogene Geschöpfe, sondern sie werden leidenschaftlich gern fotografisch festgehalten. Was ist es, was uns an Tieren so fasziniert? Ist es die Vielfalt, sind es unsere Assoziationen oder aber Emotionen. Wahrscheinlich eine Mischung in Kombination mit möglichen Sehnsüchten, wie das Fliegen bei Vögeln. Diese stehen übrigens bei der fotografischen Beliebtheitsskala ganz weit oben und das, obwohl es so verdammt schwer ist, sie formatfüllend abzulichten. Vögel sind mitunter sehr scheu, verdammt schnell und man muss als Fotograf auch noch Distanzen überwinden. Die Ausrüstung entscheidet ebenso über die Bildwirkung, wie im richtigen Moment den Auslöser zu betätigen. Die digitale Fotografie hat – neben der Faszination für diese Geschöpfe – sicherlich mit zum Boom der Vogelfotografie beigetragen. Heute ist es mit keinen Zusatzkosten verbunden, wenn nicht jeder Schuss ein Volltreffer ist. Hinzu kommen die Kamerafeatures wie die Serienbildfunktion, die oftmals ein Garant für wenigstens eine gelungene Aufnahme ist. Aktuelle Kameras mit ihrem Highspeed werden Fotografen zusätzlich unterstützen, denn die Voraussetzungen dieser Aufnahmegeräte sind wie geschaffen für das Ablichten von Vögeln.

© Fotograf: Hans-Jörg Hellwig, Prachtkerl, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hans-Jörg Hellwig, Prachtkerl, Blende-Fotowettbewerb
Wer sich der Vogelfotografie hingibt, für den ist eine Spiegelreflex- beziehungsweise kompakte Systemkamera mit Teleoptik Pflicht. Mit Einschränkungen ist auch eine Superzoom- beziehungsweise Bridgekamera mit 20-fach Zoom und mehr geeignet. Ob man sich für ein leichtes oder sogenanntes schweres Teleobjektiv entscheidet, hängt zum einen vom Kamerasensor (Cropfaktor), aber auch von der zu überbrückenden Distanz bis hin zur Größe des Vogels ab. Brennweiten von 300 bis 500 mm gelten als optimal, wenn Vögel in der freien Natur fotografiert werden. Sollen Vögel im heimischen Garten, wo meist nicht so große Distanzen überbrückt werden müssen, abgelichtet werden, so reicht möglicherweise schon eine Brennweite von 200 bis 300 mm. Um die Reichweite zu erhöhen, können auch Telekonverter zum Einsatz kommen. Lichtstark sollten die Objektive in jedem Fall sein – am falschen Ende zu sparen, zahlt sich nicht aus und es ist mehr als ärgerlich, wenn die Lichtstärke des Objektivs eher einer Dunkelkammer gleicht. Sehr hilfreich ist ein Stativ. Es entlastet nicht nur die Arme und Hände des Fotografens, sondern hilft Verwacklungen zu vermeiden, und dass die Kamera nicht verkantet wird. Wichtig ist darauf zu achten, dass Stativ und Kamera eine Einheit bilden. Die Traglast sollte man also im Blick haben – eine zu schwere Kamera kann ein Stativ durchaus einmal in die Knie zwingen, was zur Beschädigung der Kamera führen kann. Wichtig ist natürlich auch, dass das Stativ sicheren Halt hat – Füße und Bodenbeschaffenheit sollten passen.

Mit der Ausrüstung ist es – wie immer in der Fotografie – natürlich allein nicht getan. Weitere Zutaten sind Beobachtungsgabe, Geduld und entsprechende Tarnung. Wird in der freien Natur fotografiert, so sollte die eigene Bekleidung erdfarben sein – damit fällt man nicht auf. Viele Fotografen, die länger im Gelände verweilen, nutzen zudem ein Tarnzelt und tarnen zudem auch noch ihre Ausrüstung.

© Fotograf: Max Bachmann, Meisenfrühstück, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Max Bachmann, Meisenfrühstück, Blende-Fotowettbewerb
Welche Einstellungen man an seiner Kamera vornimmt, hängt von den Aktionen der Vögel ab. Möchte man Vögel im Flug beispielsweise ablichten, so sollte man sich darüber bewusst sein, dass mindestens 10 Prozent das Timing darüber entscheidet, ob die Aufnahme gelingt. Der Autofokus sollte in den Modus „Nachführen“ geschaltet, ein einzelner Schärfenpunkt festgelegt und die Verschlusszeit bei 1/500 oder noch kürzer eingestellt sein. Möchte man hingegen den Wasservogel, wie zum Beispiel den Eisvogel, bei der Jagd nach Futter, wenn er sich ins Wasser stürzt fotografieren, so sollte man sich für die Blendenautomatik, eine Verschlusszeit von 1/2.000 oder noch kürzer und in jedem Fall für die Serienbildfunktion entscheiden. Damit der Bildausschnitt identisch ist, gehört die Kamera auf ein Stativ. Hat es einem aber das Rotkelchen oder die Meise im heimischen Garten angetan, so hat man das Glück, dass die Vögel in der Regel an einen gewöhnt sind und an Scheu vor einem etwas verloren haben. Zudem kann man sich als Fotograf die Futterplätze zunutze machen. Immer wieder sehr beliebt sind Zugvögel bei ihren Formationsflügen. Damit man nicht nur schwarze Punkte später auf den Bildern zu sehen bekommt, ist ein schweres Teleobjektiv Pflicht. Die Zugvögel sollten sich natürlich vom Hintergrund abheben – ein wolkenverhangener grau in grauer Tag bringt keine imposanten Aufnahmen hervor.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2013

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