Ungewöhnliche Perspektive - Ab in die Hocke oder auf den Bauch …

Ungewöhnliche Perspektive - Ab in die Hocke oder auf den Bauch …
Fotografen selbst stellen oftmals hervorragende Fotomotive dar, was unter anderem daran liegt, dass sie ungewöhnliche fotografische Positionen einnehmen. Sie sind sich sozusagen für nichts zu schade, um Motive zu entdecken und möglichst wirkungsvoll fotografisch in Szene zu setzen. Und es lohnt sich für jeden, der das fotografische Spiel liebt, in die Hocke zu gehen oder sich gar auf den Bauch zu legen. Da gibt es nicht nur Neues zu entdecken, sondern es wird durch ungewöhnliche Perspektive wesentlich interessanter und effektvoller abgelichtet.

Werden Sie sozusagen zum Frosch, ohne einer zu sein, küssen Sie ihr Fotomotiv wach und so zum Fotoprinzen. Und wer sich als Fotograf nicht zum Affen machen möchte – auch wenn es sich lohnt – oder unter schmerzenden Knien leidet, der setzt sich auf einen Stuhl, hat seine Kamera auf einem niedrigen Stativ angebracht und, sofern das Aufnahmegerät nicht über ein schwenkbares Display verfügt, mit einem Tablet zur Bildkontrolle verbunden. Oder man gönnt sich einen Winkelsucher. Man kann natürlich mit ausgestreckten Armen fotografieren und sozusagen blind den Auslöser betätigen. Der Zufall führt dann Regie, nicht jede Aufnahme wird da zwar zum Volltreffer, ein Versuch ist es allemal wert.

Wir alle kennen Gullivers Reisen, in der er erst das Land der Zwerge entdeckt und dann im Land der Riesen landet. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und lichten Sie durch Untersicht/Froschperspektive ganz normale Gegenstände riesenhaft ab. Sofern Sie mit einer Kamera mit Wechseloptik fotografieren und über ein Weitwinkelobjektiv verfügen, so setzen Sie dies ein, um Alltagsgegenstände dramatischer/skurriler durch den Verzerrungseffekt und stürzende Linien wirken zu lassen. Für Einsteiger in diese Art der Fotografie empfiehlt es sich, zunächst größere Motive im Freien anzupeilen und die Perspektive von unten zu erkunden. Sind die Lichtverhältnisse optimal, so kann mit der Kameraautomatik P ohne Blitz gearbeitet werden. Wenn die Objekte aus kürzester Distanz fotografisch festgehalten werden sollen, so ist der Nahaufnahmemodus zu empfehlen. Wichtig ist, auf den Abstand zum Motiv und auf die Schärfe zu achten. Der Autofokus sollte da liegen, wo die Schärfe gewünscht ist. Bei Nahaufnahmen ist es in der Regel günstiger, ihn etwas weiter nach vorne zu verlegen. Weniger ratsam ist, das Motiv mit dem zentralen Autofokusfeld anzusteuern und den Bildausschnitt nachträglich zu verschieben. Das führt oftmals zu unscharfen Aufnahmen. Wichtig ist, auf die Schärfentiefe zu achten. Hat man beispielsweise eine einzelne Blume, wie ein Maiglöckchen, die als Hauptmotiv wirken soll, so sollte der Hintergrund unscharf sein. Bei geöffneter Blende, man spricht auch von selektiver Schärfe – verringert sich die Schärfentiefe im Bild und es wird nur das scharf abgebildet, was mit dem Autofokus angepeilt wurde.

In der Fotografie heißt es ja vielfach, sich an den Erfolg heranzutasten. Dazu gehört auch, mit den Features, die die Kamera bereithält, zu spielen beziehungsweise zu experimentieren. Das Gute an der Fotografie ist, dass es zwar Regeln gibt, an die man sich aber nicht unbedingt halten muss.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2012

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