Unterwasserfotografie - Eine Welt voller Reizen

© Fotograf: Daniel Schöne, Quallen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Daniel Schöne, Quallen, Blende-Fotowettbewerb
Unterwasserfotografien haben etwas Magisches, sie ziehen uns in den Bann mit ihrer Schönheit. Gute Unterwasserfotografien sind keine Selbstverständlichkeit, denn mit zunehmender Wassertiefe wird das Sonnenlicht stark abgeschwächt. Hinzu kommen Schwebeteilchen, die die Sicht behindern und natürlich auch Auswirkungen auf die Bildqualität haben. Wer in die Unterwasserfotografie einsteigt, der ist womöglich von seiner ersten Bildausbeute enttäuscht. Wie so oft in der Fotografie heißt es auch unter Wasser, sich an den Erfolg heranzutasten – selbst dann, wenn man an Land zahlreiche Genres quasi wie im Schlaf beherrscht. Unter Wasser ist vieles anders als an Land und darauf muss man sich beim Fotografieren einstellen.

Grundvoraussetzung für gute Unterwasserfotos ist, diese Welt als Taucher zu beherrschen. Die Bewegungsabläufe sollten automatisiert sein. Dazu gehört der Flossenschlag ebenso wie die Tarierung, also die Fähigkeit unter Wasser zu schweben, oder beispielsweise der Trimm, also die Stabilität und Lage als Taucher mit samt Ausrüstung. Hat man seinen Tauchschein gerade bestanden oder war man längere Zeit nicht unter Wasser, so sollte man noch einige Tauchgänge unternehmen, bevor man sich auf die Fotopirsch begibt. Wichtig im eigenen Interesse ist, bei aller Faszination für diese Welt, sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. Als Taucher hat man zudem die große Verantwortung, zum Erhalt der Unterwasserwelt beizutragen, in die man eindringt. Dazu gehört, diese für ein Fotomotiv nicht zu gefährden und beispielsweise durch den Flossenschlag Korallen zu beschädigen.

© Fotograf: Carsten Schröder, Schönheit der Meere, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Carsten Schröder, Schönheit der Meere, Blende-Fotowettbewerb
Die Unterwasserwelt ist so vielfältig wie an Land. Welche Kamera zum Einsatz kommt, ist zum einen von den Breiten abhängig, in denen unter Wasser fotografiert wird, aber auch von der Tiefe, in die abgetaucht wird. Geht es nicht zu tief oder ist man als Schnorchler unterwegs, so können Outdoor- und Kompaktkameras (mit entsprechendem Unterwassergehäuse) durchaus gute Unterwasserbilder liefern. Man muss sich darüber bewusst sein, dass das Licht unter Wasser mit jedem Tauchmeter rapide abnimmt. Dies hat zur Folge, dass die Kamera die ISO-Zahl entsprechend erhöht. Dies führt gerade bei kleinen Kamerasensoren, mit denen der überwiegende Teil der Outdoor- und Kompaktkameras ausgestattet ist, zu einer Erhöhung des Bildrauschens. Zudem sind die Kameras mit Automatikprogrammen ausgestattet, in die man nicht eingreifen kann, was aber unter Wasser bessere Bilder zur Folge hätte. Der Anschluss eines separaten Blitzgerätes ist nur in den seltensten Fällen möglich, da die Unterwassergehäuse für die Kompaktkameras damit in der Regel nicht ausgestattet sind.

Einen wesentlich größeren fotografischen Spielraum garantieren die kompakten Systemkameras – für immer mehr Modelle werden inzwischen Unterwassergehäuse angeboten. Je nach Modell bieten diese Kameras unterschiedlichste Einstellmöglichkeiten bis hin zur vollständigen manuellen Einflussnahme, was für gute Unterwasserfotos wichtig ist. Der Vorteil der Kleinheit an Land kann möglicherweise zum Nachteil unter Wasser werden. Die Einstellrädchen sind recht nah beieinander und dies hat unter Wasser zur Folge, dass die Handhabung mit Tauchhandschuhen nicht die Einfachste ist.

© Fotograf: michael Petermann, Der Schwarm, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: michael Petermann, Der Schwarm, Blende-Fotowettbewerb
Spiegelreflexkameras, erst recht jene mit einem Vollformatsensor, sind prädestiniert für die Unterwasserfotografie. Der große Sensor reduziert das Bildrauschen – dies garantiert auch sehr ansprechende Detailvergrößerungen. Dadurch, dass die Kameras größer sind als die kompakten Systemkameras, lassen sie sich wesentlich einfacher mit Tauchhandschuhen bedienen.

Bei der Anschaffung eines Unterwassergehäuses ist darauf zu achten, bis zu welcher Tiefe damit abgetaucht werden kann. Die einfachen und preiswerten Modelle sind meist geeignet für Tauchtiefen bis etwa 10 Meter. Geht es tiefer und kommen diese Unterwassergehäuse zum Einsatz, so läuft man Gefahr, dass Wasser eindringt und die Kamera Schaden erleidet. Im Handel erhältlich sind auch Unterwassergehäuse aus einer hochfesten und flexiblen Folie – entspricht einer besseren Plastiktüte -, die mit einem einfachen Klemmverschluss abgedichtet wird. Diese Unterwassergehäuse haben den Nachteil, dass mit zunehmendem Wasserdruck – geht einher mit der Tauchtiefe – das Gehäuse so stark komprimiert wird, dass die Bedienelemente des Fotoapparats blockiert werden. Für höherwertige Fotoausrüstungen, wie Spiegelreflexkameras mit aufgesetztem Elektronenblitzgerät, gibt es sehr ausgefeilte Unterwassergehäuse, mit denen theoretisch bis zu 80 Meter abgetaucht werden kann. Diese Unterwassergehäuse sind nur in den seltensten Fällen im normalen Fotoeinzelhandel erhältlich und müssen meist über Spezialversender oder auf Messen bestellt werden.

© Fotograf: Frank Fleißner, Neugierig, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Frank Fleißner, Neugierig???, Blende-Fotowettbewerb
Wie wir eingangs schon ausführten, ist in der Fotografie unter Wasser so manches anders. Wasser hat gegenüber Luft eine höhere Brechzahl (1,33) und eine niedrigere als die Frontscheibe des Unterwassergehäuses aus Glas (1,45–2,14) oder Polycarbonat (1,585). Dies führt dazu, dass alle Objekte hinter planarem Glas oder Kunststoffscheiben etwas größer abgebildet werden und näher erscheinen, als sie es in Wirklichkeit sind. Diese scheinbare Brennweitenverlängerung unter Wasser kann durch speziell für das verwendete Objektiv berechnete „Domeports“ (auch „Domeglas“) verhindert werden. Damit man in Erfahrung bringt, welche Kombination die zielführende ist, empfiehlt es sich, mit verschiedenen Objektiven und Ports zu experimentieren. Immer mehr Tauchschulen bieten übrigens die Möglichkeit, Kameras und Gehäuse ausleihen und somit testen zu können.

Sehr beliebt in der Unterwasserfotografie ist der Einsatz von Weitwinkel- und Fisheyeobjektiven – beide garantieren einen großen Blickwinkel. Da sie meist eine sehr kurze Naheinstellgrenze haben, lassen sich auch problemlos Domeports einsetzen. Im Gegensatz zur Landfotografie fallen übrigens die typischen Fisheye-Eigenschaften unter Wasser nicht so ins Gewicht. Sollen kleine Objekte unter Wasser abgebildet werden, so muss man sich für ein Makroobjektiv entscheiden. Die Blende sollte wegen der Schärfe klein gewählt werden. Dies macht den Einsatz eines Blitzgerätes natürlich zu einem Muss. Eine große Herausforderung stellt die Einstellung der Schärfe dar, die mit Autofokus nahezu nicht zu bewältigen ist.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2013

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