Wärmekameras - Ich sehe was, was du nicht siehst …

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Bullard

Sie helfen bei der Suche nach Vermissten und nach Opfern von Gewaltverbrechen. Sie orten feindliche Truppenbewegungen bei völliger Dunkelheit und dienen zu weniger spektakulären Aufgaben, wie beispielsweise dem Prüfen der Wärmeisolation von Häusern. Die Rede ist von sogenannten Wärmekameras und der dahinter steckenden Thermographie.

Das Unsichtbare sichtbar machen - das ist eine der wesentlichen Aufgaben der Thermographie, der Bildaufzeichnung mit Hilfe von Wärmekameras. Eine der gebräuchlichsten Anwendungen dieser High-Tech-Geräte ist die Bauphysik. Mit Hilfe auf Infrarot basierenden Aufnahmeverfahren können wichtige Informationen für die Qualitätskontrolle bei Neubauten, aber auch für die Sanierung von Gebäuden und ihre Instandhaltung, gesammelt werden. Ebenso beim Brandschutz haben sich Wärmekameras, beispielsweise zur Ermittlung des Brandherdes bewährt.

Falsche Farben - richtig gesehen
Wärmekameras messen mit speziellen Detektoren die Oberflächentemperatur von Objekten und wandeln diese Informationen mit Hilfe komplexer Software in ein Falschfarbenbild um. Diese Bilder wiederum können Spezialisten auf vielfältige Weise interpretieren. So lassen sich beispielsweise auch unter der Oberfläche liegende Strukturen eines Gebäudes erkennen. Bei Altbauten kann damit unter anderem festgestellt werden, welche Materialien für die Konstruktion eines Gebäudes verwendet wurden. Die unterschiedliche Temperatur kann etwa darauf hinweisen, dass sich unter einer verputzten Fassade eine Fachwerkkonstruktion verbirgt. Inzwischen sind Wärmekameras auch unverzichtbares Werkzeug für Denkmalschützer zur zerstörungsfreien Analyse der Bausubstanz historischer Gebäude. In Industrieanwendungen können sie an Objekten feststellen, ob durch Überhitzung Brandgefahr besteht und gleichzeitig auch orten, wo die Überhitzung stattgefunden hat. Ein weiteres Beispiel ist die Feststellung eines Lecks in Fernwärmeleitungen oder die Überprüfung von Klimaanlagen und Heizungsinstallationen. Der Einsatz von Wärmekameras kann auch gesundheitlichen Aspekten dienen. Mit Hilfe der Thermographie können feuchte Stellen ermittelt werden, die beispielsweise durch falsche Belüftungs- oder Klimasysteme entstanden sind, schlimmstenfalls zu schädlicher Schimmelbildung und dadurch ausgelösten Allergien führen können.

Der Einsatz von Wärmekameras beschränkt sich also nicht nur auf industrielle oder gewerbliche Bauten und die Analyse von Arbeitsplätzen, sie liefern auch wichtige Informationen über die private Wohnsituation. Dazu gehören Aussagen über Wärmeverlust, Feuchtigkeit oder Luftdurchlässigkeit.

Energiesparverordnung und Energieausweis
Wer heute eine Immobilie verkaufen oder vermieten will, benötigt einen Energieausweis. Bei Neubauten oder sanierten Gebäuden ist er Teil der gesetzlich vorgeschriebenen Wärmebedarfsberechnung. Der Energieausweis soll den Bewohnern oder Eigentümern Einblick in den Energiebedarf eines Gebäudes ermöglichen und über die zu erwartenden Heizkosten Aufschluss geben. Der Energieausweis ist Teil der neuen Energiesparverordnung, in der die frühere Wärmeschutzverordnung und die Heizungsanlagenverordnung vor sechs Jahren in der Energiesparverordnung zusammengefasst wurden. Sie ist wichtiger Teil des deutschen Baurechts geworden. Sie löste den Trend zu sogenannten Niedrigenergiehäusern aus. Hier helfen Wärmekameras auch dabei, die Baumaterialien auf ihre Wärmedämmung zu überprüfen und ihre Effektivität festzustellen. Modernes Wohnen heißt eben auch energiebewusst leben. Mit Wärmekameras lässt sich präzise die Energieabstrahlung von Gebäuden ermitteln und auf Basis der Erkenntnisse optimieren und damit die Heizkosten senken. Wärmekameras gehören heute als Instrumente der Qualitätsprüfung bei Bauabnahmen zum Alltag.

Brandschutz und Brandbekämpfung
Wärmebildkameras helfen der Feuerwehr Brände zu bekämpfen und Leben zu retten. Mit ihnen können die Feuerwehrleute die Suche nach dem Brandherd beschleunigen, aber auch die Brandwache reduzieren. Sie können im Brandfall schon außerhalb des Gebäudes den Brandherd feststellen. Neben der präzisen Lokalisierung des Brandherdes kann auch die Löschwirkung genau beobachtet und eingeschätzt werden. Wärmekameras helfen den Feuerwehrleuten dabei, Personen zu finden, ohne im dichten Rauch nach ihnen tasten zu müssen. Aber auch mögliche Fluchtwege für die Bergung lassen sich mit solchen Geräten schneller finden. Ihr Einsatz hilft auch bei der Bekämpfung von Waldbränden. So können Wärmebildkameras Glutnester ausmachen, die dann von der Feuerwehr gezielt bekämpft werden.

Einfacher ans Ziel
Früher war die Erstellung und Auswertung von Wärmebildern ein aufwändiger Prozess und die Bedienung der komplizierten Geräte erforderte Spezialisten. Auch heute sind Wärmekameras Teil komplexer Aufnahme- und Analysesysteme bestehend aus Detektor, Optik und Software. Doch ist ihre Bedienung sehr viel einfacher geworden. Auch der Zeitaufwand für ein aussagekräftiges Falschfarbenbild konnte bei den heutigen Wärmekameras gegenüber früheren Systemen, die noch mit rotierenden Spiegeln und stickstoffgekühlten Detektoren arbeiteten, drastisch verringert werden. War damals der Einsatz solcher Geräte wissenschaftlichen Instituten und Forschungsstätten vorbehalten, so wird heute für Wärmeaufnahmen nicht unbedingt ein Spezialist benötigt.

Wärmestrahlung ist wegen der großen Wellenlänge nicht sichtbar. Sie wird von speziellen Sensoren erfasst und digital sichtbar gemacht. Die meisten Kameras nutzen dazu den infraroten Bereich des Lichts. Moderne Geräte können Temperaturunterschiede von nur 0,05 erkennen und auf ihren Monitoren sichtbar machen. Spezialgeräte für die Feuerwehr verfügen über große, integrierte Monitore, die auch von mehreren Personen eingesehen werden können. Spezialkameras für die Brandbekämpfung bieten außerdem eine kabellose Videoübertragung, so dass die Bilder auch von außerhalb sofort von Spezialisten analysiert und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet und gesteuert werden können. Trotz ihrer hohen Effektivität kommen Wärmebildkameras mit einer verhältnismäßig geringen Auflösung aus. Sie liegt bei Topgeräten bei nur etwa 75.000 Pixel.
 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2008

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