Warum Fotografieren mehr ist als Abbilder zu schaffen

Fotografien und der Prozess als solches stehen für besondere Glücksmomente, die die „Blende 2017“-Teilnehmerin Maria Kroner treffend so formuliert hat: „Den Augenblick und das Gefühl einer Situation mit einem Bild festzuhalten und damit die Möglichkeit zu haben, auch später den Moment erneut zu fühlen, ist für mich das Schönste an der Fotografie!“. Fotografieren bedeutet also nicht nur Abbilder zu schaffen, sondern auch seine Emotionen in den Aufnahmen zu verankern. Dazu muss man sich auf sein Motiv, wie Maria Kroner, einlassen und es entdecken wollen. Nur dann gelingt einem so ein sehenswerter Wettbewerbsbeitrag mit „Zuflucht“ wie ihn Frau Kroner zu „Blende 2017“ eingereicht hat.

Aus der Fotopraxis für die Fotopraxis von Maria Kroner

Entstanden ist das Bild im Rahmen eines Fotoworkshops bei der Falknerin und Tierfotografin Tanja Brandt in Undeloh im Juli dieses Jahres. Ein ganzes Wochenende stand Tanja Brandt mit Rat und Tat zur Seite und verriet den Teilnehmern Tricks und Kniffe bei der Tierfotografie. Diese kamen dann sogleich zur Anwendung. Tanja hatte 3 Eulen, darunter auch den kleinen Rauhfußkauz Leonnard Hofstädter (kurz Lenni) und ihren Malinois Ingo mit dabei. So wurden die Tiere in der schönen Lüneburger Heide in Szene gesetzt und von den Teilnehmern fotografiert. So entstand auch das Bild “Zuflucht”. In Mitten von Matsch und Sumpf war dieser schöne bemooste Bereich gelegen, der nahezu nach dem kleinen Lenni rief. Lenni war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Wochen alt und begann gerade mit seinen ersten Flugversuchen. Von daher blieb er dort, wo man ihn hinsetzte. Die ‘Mama’ (Tanja) war immer in der Nähe, sodass er auch zu jedem Zeitpunkt völlig entspannt war. Lenni ist so ein süßer kleiner Kerl, der so zutraulich ist und wirklich jeden in seinen Bann zieht.

Bei der Aufnahme dieses Bildes war es enorm wichtig, sich mindestens auf Augenhöhe zu dem kleinen Lenni zu begeben. Dass man dafür im Modder lag, war dabei völlig irrelevant. Das Ergebnis zählte. Und es machte so viel Spaß! Je nachdem, was man mit seinem Bild ausdrücken wollte, war auf so Vieles zu achten: Bildkomposition, Blickrichtung oder aber die eigene Position zu Lenni, aber auch die Wahl des Objektives und der ‘richtige’ Einsatz dessen.

Neben den Einstellungen von Blende, Verschlusszeit, ISO und, und, und waren also noch so einige Dinge zu beachten. Von dieser Situation habe ich daher schon einige Bilder gemacht. Lenni blieb glücklicherweise einfach brav sitzen und wartete, bis auch der Letzte alles im Kasten hatte. Und obwohl alle Teilnehmer das gleiche Motiv hatten, entstanden keine gleichen Bilder. Jeder setzte Lenni mit Hilfe seiner eigenen technischen und auch gestalterischen Möglichkeiten anders in Szene.

Genutzt habe ich für diese Aufnahme mein Teleobjektiv in Kombination mit meiner Vollformatkamera von Nikon. Mit einer Brennweite von 200mm gelingt so eine Freistellung des Objektes, die ich als sehr schön empfinde. Ziel war dabei für mich, dass nur die Augen gestochen scharf sind. Die Umgebung sollte dabei verschwommen sein. Ich wollte damit dass für mich Wesentliche betonen.

Das Bild strahlt für mich Ruhe aus. Lenni sitzt entspannt unter seinem ihn schützenden Pilz sitzt und genießt einfach das Dasein. Das Bild ist einfach, ohne viel Schnickschnack, ohne Hektik, die den Alltag so oft bestimmt. Es ist einfach Natur – auch wenn man weiß, dass man ein derartiges Bild in der Natur nicht finden wird.

Ich freue mich sehr über dieses Bild und dass es auch anderen gefällt, ist noch viel schöner. Es ziert eine der Wände in meinem zu Hause und lässt mich oft an die schönen Tage in der Natur, mit den wunderbaren Tieren von Tanja Brandt, denken. Den Augenblick und das Gefühl einer Situation mit einem Bild festzuhalten und damit die Möglichkeit zu haben, auch später den Moment erneut zu fühlen, ist für mich das Schönste an der Fotografie!

Wir danken Frau Kroner für ihre Unterstützung bei der Texterstellung. Sie veranschaulicht für uns authentisch was die Fotografie auszeichnet.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 01 / 2018

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