Was bringen lichtstarke Objektive?

Es lohnt sich tiefer in die Tasche zu greifen, der Mehrwert ist garantiert

© Fotograf: Jürgen Grupp, Langholztransport, Blende-Fotowettbewerb
Jürgen Grupp, Langholztransport, Blende-Fotowettbewerb

Kameras, wie sie seit einigen Jahren erhältlich sind, warten mit beeindruckenden Sensorempfindlichkeiten und Bewegungsstabilisatoren – die möglichen Handunruhen entgegensteuern – auf, die die Frage aufkommen lassen, welcher Mehrwert die Anschaffung von lichtstarken Objektiven mit sich bringt. Auf der Hand würde auf den ersten Blick liegen, dass die beiden genannten Kamerafeatures gegen den Erwerb von lichtstarken Objektiven sprechen. Weit gefehlt, denn zum einen geht die Erhöhung der Sensorempfindlichkeit ab einem gewissen Punkt zu Lasten der Bildqualität – auch wenn das Bildrauschen bei aktuellen Kameramodellen deutlich reduziert werden konnte. Zum anderen erhöhen lichtstarke Objektive die kreativen Möglichkeiten wie das Fotografieren mit einem kleinen Blendenwert – also einer großen Blendenöffnung – wodurch die Schärfentiefe geringer wird. Durch den Einsatz von lichtstarken Objektiven kann die Verschlusszeit bei gleicher Sensorempfindlichkeit kürzer gewählt werden, als mit einem weniger lichtstarken Objektiv.

Wo spielen lichtstarke Objektive insbesondere ihre Stärke aus?

© Fotograf: Larissa Thien, Schwimmsport, Blende-Fotowettbewerb
Larissa Thien, Schwimmsport, Blende-Fotowettbewerb

Ist das Licht reduziert, darf man nicht oder möchte man nicht mit dem Blitz fotografieren oder sind extrem schnelle Verschlusszeiten gewünscht, dann spielen lichtstarke Objektive ihre Stärke aus. Das ist zum Beispiel in der Available Light Fotografie der Fall, bei der die besonderen Stimmungen in den Aufnahmen daraus resultieren, dass mit dem vorhandenen Licht fotografiert wird. Geht es wie in der Sport- und Tierfotografie darum, Bewegungen einzufrieren, dann sind schnelle Verschlusszeiten notwendig und die ermöglichen lichtstarke Objektive. Wird in Räumen wie in Museen – sofern zugelassen – fotografiert und soll in diesen der Blitz nicht zum Einsatz kommen, dann punktet man mit lichtstarken Objektiven, weil man noch mit händelbaren Verschlusszeiten arbeiten kann und die ISO-Empfindlichkeit nicht hochsetzen muss.

Selektive Schärfe, wie sie mit lichtstarken Objektiven möglich ist, wird häufig in der Porträtfotografie oder auch bei Nahaufnahmen verwendet, um beispielsweise Gesichter oder Objekte von ihrem Umfeld zu trennen. Der Unschärfeverlauf bei hoher Blendenöffnung wirkt umso gleichmäßiger, je exakter die von den Blendenlamellen geformte Öffnung der Kreisform entspricht. Ein Hinweis auf die Qualität gibt hier auch die Anzahl der Lamellen. Je mehr Lamellen, desto kreisähnlicher die Blendenöffnung. Wird mit großen Blendenöffnungen fotografiert, reduziert sich die Ausdehnung der Schärfentiefe. Das kann der Fotograf nutzen, um beispielsweise nur sein Hauptmotiv scharf abzubilden und das Umfeld in einer sanften Unschärfe verschwinden zu lassen. Dieser als angenehm empfundene Unschärfeverlauf wird mit dem aus der japanischen Sprache stammenden Begriff Bokeh bezeichnet.

Große Blenden ermöglichen beim Einsatz von lichtstarken Objektiven die Verwendung kürzerer Verschlusszeiten, etwa um Schärfeverluste durch Verwackeln oder Bewegung zu vermeiden. Auch in Zeiten der Bildstabilisation sind Unschärfe durch Verwackeln oder eine zu schnelle Bewegung des Motivs die Hauptgründe für unscharfe Bilder. Ein weiterer Vorzug weit öffnender Blenden ist eine Erhöhung der Blitzreichweiten. Es kann also ein kleinerer, weniger leistungsstarker Blitz verwendet werden.

Die Theorie

© Fotograf: Ingrid Lutz, Augenblicke, Blende-Fotowettbewerb
Ingrid Lutz, Augenblicke, Blende-Fotowettbewerb

Die hohe Lichtstärke eines Objektivs kann also entscheidend die Einsatzmöglichkeiten und die kreativen Gestaltungseffekte erweitern. Als Lichtstärke wird bei Objektiven die maximale Öffnung von Objektiven als Verhältnis zur Brennweite angegeben. Als hohe Lichtstärken gelten Werte von 1:0,9 bis 1:2,8. Je größer die Blendenzahl, je kleiner die Blendenöffnung. Blende 22 kennzeichnet also eine kleine Blendenöffnung, Blende 1,4 bezeichnet eine sehr große.

Meist bieten Objektive mit normalen Brennweiten zwischen 35 und 80 mm die höchsten Lichtstärken. Sie bewegen sich allgemein zwischen 1:1,2 und 1:2, während Teleobjektive im Bereich bis zu 200 mm Lichtstärken zwischen 1:1,8 und 1:,2,8 liefern. Supertele-Objektive mit Brennweiten ab 500 mm gelten schon ab einer Lichtstärke von 1:4 bis 1:5,6 als besonders lichtstark.

Wovon hängt die technische Bildqualität ab?

© Fotograf: Lotte Baumgarten, Hidden view, Blende-Fotowettbewerb
Lotte Baumgarten, Hidden view, Blende-Fotowettbewerb

Die technische Qualität digitaler Fotos hängt von vielen Faktoren ab. Die drei wichtigsten dabei sind Objektiv, Sensor und Prozessor. Die Schwächen jeder einzelnen dieser Komponenten können die Leistung aller anderen relativieren. Umgekehrt, lassen sich durch ihre Stärken manche Schwächen kompensieren. Nur, wenn alle drei Komponenten Höchstleistungen liefern, ist eine optimale technische Bildqualität möglich. Die Bildqualität ist stets das Ergebnis einer langen Verarbeitungskette. Ein optimales Ergebnis setzt aber immer ein Optimum der Leistung aller Komponenten voraus.

So kann beispielsweise ein leistungsstarker Prozessor die Empfindlichkeit und das Rauschverhalten verbessern oder auch Abbildungsfehler, wie Verzeichnung, Vignettierung oder Aberrationen, bis zu einem gewissen Grad ausgleichen – am Ende bleibt dies aber ein Kompromiss. Denn je besser das Ausgangsmaterial, umso effektiver können auch solche Optimierungsprozesse greifen.

Höhere Sensorempfindlichkeiten können zwar teilweise Nachteile einer geringen Lichtstärke beim Fotografieren mit wenig Licht ausgleichen, allerdings nur mit einem Kompromiss hinsichtlich der Bildqualität und einem Verzicht auf die Gestaltungsmöglichkeiten mit selektiver Schärfe.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 03 / 2018

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