Wildlifefotografie bei Eis und Schnee

Jede Jahreszeit hat ihre Reize in der Wildlifefotografie doch besonders stimmungsgeladene und alles andere als alltägliche Tieraufnahmen sind in der kalten Jahreszeit bei Eis und Schnee garantiert. Die Kälte ist für den Betrachter spürbar, wodurch die Geschichte hinter der Aufnahme an Intensität gewinnt. Für den Fotografen heißt es, sich warm einzupacken und dabei auf die Bewegungsfreiheit zu achten, die man für die Fotografie braucht. Wildlifefotografie setzt Geduld voraus und das bedeutet auch die entsprechende Zeit aufzubringen. Das können mehrere Stunden sein und gegebenfalls muss man an den Folgetagen erneut losziehen, weil einem der gewünschte Volltreffer noch nicht gelungen ist. Eine große Portion Glück ist mit der Wildlifefotografie auch verbunden, wie der eingereichte „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag „Kräfte messen“ von Maren Arndt zeigt. Die Bildaufteilung von Büffeln und Kojote ist perfekt – darauf hatte Maren Arndt nur bedingt durch die Wahl des bestmöglichen Kamerastandpunktes Einfluss. Entstanden ist ihre Aufnahme im Yellowstone National Park (USA).

© Fotograf: Maren Arndt, Kräfte messen, Blende-Fotowettbewerb
Maren Arndt, Kräfte messen, Blende-Fotowettbewerb

Geht man wie die „Blende 2017“-Teilnehmerin Maren Arndt der Wildlifefotografie nach, dann braucht es auch entsprechendes Fotoequipment, gilt es doch Distanzen zwischen sich und den Tieren zu überbrücken. Für die Wildlifefotografie geeignete Aufnahmegeräte sind mit Teleoptik ausgestattete kompakte System- und Systemkameras sowie Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich. Im Vorteil sind alle Tierfotografen, die über ein aktuelles Kameramodell verfügen. Mit 4K – oder inzwischen 6K – und noch schnelleren Serienbildfunktionen steigt die Wahrscheinlichkeit, den entscheidenden Moment einzufangen. Manche sprechen durch diese technologischen Neuerungen gar von der Revolution der Momentfotografie. Für die neuen Kameramodelle sprechen zudem die deutlich verbesserten Bildqualitäten. Quantensprünge sind hier auszumachen, die besonders dann augenfällig werden, wenn man den Vergleich sucht.

Um Tiere in freier Wildbahn in akzeptabler Größe aufs Bild zu bekommen und die charakteristischen Merkmale herauszuarbeiten, braucht es wie gesagt starke Zoom- oder aber Teleobjektive. Je nach Größe der Tiere und dem Abstand zu ihnen können 200 mm-Objektive ein guter Anfang sein. Idealer sind jedoch 400 mm-Objektive. Für noch entfernte kleinere Motive sind auch 500 mm- oder 600 mm-Objektive interessant. Mit zunehmender Brennweite nimmt das Objektivgewicht zu – ein Stativ entlastet die Arme und ist neben eventueller Bewegungsstabilisatoren ein Garant für verwacklungsfreie Aufnahmen. Neben der Brennweite ist auch die Lichtstärke eines Objektivs von Bedeutung. Objektive mit einer höheren Lichtstärke sind meist etwas kostspieliger, dafür schaffen sie Reserven, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen, wie im Wald oder in der Dämmerung, zu exzellenten Bildergebnissen zu gelangen.

Kameras zeichnen sich durch einwandfrei funktionierende Programmautomatiken aus. Gerade bei Aufnahmen im verschneiten Gelände besteht jedoch die Gefahr der Überbelichtung, weil die Lichtreflexion durch den Schnee viel stärker ist. Wenn jedoch das Motiv ein relativ dunkles Objekt, wie beispielsweise einen Büffel, dann ist Unterbelichtung wahrscheinlicher als Überbelichtung. Die Helligkeit des Schnees beeinflusst das Messergebnis des Belichtungsmessers, das Tier wird zu dunkel und weist zu wenig Zeichnung auf. Um in solchen Fällen eine Unterbelichtung zu vermeiden, sollte bei der Belichtungsmessung das Tier anvisiert werden. Die sicherste Methode aber ist, mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungskombinationen zu machen.

Schneeflocken, wie in der „Blende 2017“-Wettbewerbsaufnahme zu sehen, bringen eine ganz besondere Atmosphäre hervor, die sich der Fotograf zu Nutze machen sollte. Ein dunkler Bildhintergrund erhöht die Kontrastwirkung der Schneeflocken, ein Effekt, den man durch leichte Unterbelichtung verstärken kann. Wählt man eine Verschlusszeit von 1/30 Sekunde oder länger, so wirken die Schneeflocken größer. Wenn der Schnee in Regen übergeht, gewinnt man sogar den Eindruck, als würden weiße Fäden das Bild durchziehen. Mit der Wahl der Belichtungszeit entstehen also diverse Bildgestaltungsmöglichkeiten. Bei starkem Schneefall ist bekanntlich nicht zu viel Licht vorhanden. Der Schwarzweißeffekt kommt dann in den Aufnahmen verstärkt zum Tragen.

Ein Skylight-Filter ist übrigens ein praktisches Hilfsmittel zur Korrektur der Belichtung bei Winteraufnahmen. Es ist beinahe farblos, hält aber das unsichtbare ultraviolette Licht zurück, das durch die Luftmoleküle in der Atmosphäre gestreut wird. Das Dämpfen der ultravioletten Strahlung hilft, Überbelichtungen zu vermeiden, lässt den Himmel auf vorteilhafte Weise dunkler erscheinen und verhindert außerdem, dass der Schnee bei Farbaufnahmen unnatürlich blau wirkt – ein Effekt, der auf die Reflexion des Lichts durch die Schneekristalle zurückzuführen ist. Auf die Lichtrichtung, sofern man die Möglichkeit hat, ist auch zu achten. Schräg einfallendes Licht bietet den Vorteil, Tonwertunterschiede zu erzielen. Viele kleine Spitzlichter und Halbschatten bringen Farbe und Oberflächenstruktur des Felles voll zur Geltung.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 12 / 2017

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden