Wo Motive still halten - Friedhöfe

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Moritz Maler

Friedhöfe sind oft Inseln der Natur inmitten einer Stadt. Sie geben meist viel von der Stadtgeschichte preis und viele Menschen suchen sie auf, um die Hinterbliebenen zu würdigen, um zu trauern, aber auch um die unendlich vielen Fotomotive mit der Kamera einzufangen.

Ein Friedhof ist ein Ort der Ruhe und der Besinnung. Wer also auf einen Friedhof geht um zu fotografieren, sollte sich dessen bewusst sein. Für die oft überaus fotogenen jüdischen Friedhöfe gelten überdies besondere Regeln. So sind diese ab Freitagmittag und am Samstag (Sabbat) geschlossen. Männer müssen eine Kopfbedeckung tragen, die nicht gerade die Schirmmütze vom letzten Brauereifest sein sollte.

Der Fotograf sollte sich schon vor dem Gang über den Friedhof überlegen, was er alles an Ausrüstung brauchen könnte. Ein leichtes Teleobjektiv beispielsweise, um Details aufzunehmen, oder ein Weitwinkelobjektiv, um die Stimmungen zwischen den Reihen mit Grabsteinen aufs Bild zu bannen. Gerade bei tiefstehender Sonne am Morgen oder Abend entstehen mystische Lichtstimmungen zwischen den langen Schatten der Grabsteine und den funkelnden Blättern der Vegetation.

Viele große alte Friedhöfe besitzen künstlerisch gestaltete Grabstätten, Monumente, manchmal auch Gruften. Diese bieten eine Vielzahl fotogener Ansichten, Motive und Ausschnitte. Allerdings - auch das Betreten von mit Marmor ausgelegten Grabstätten ist tabu und nur den Angehörigen vorbehalten. Bei Gräbern mit Bepflanzung oder Erdboden verbietet sich das ohnehin von selbst. Ein Mindestmaß an Zurückhaltung steht jedem Fotografen gut zu Gesicht, auch, wenn Menschen auf Friedhöfen fotografiert werden. Oftmals sind auf Friedhöfen Fotografen mit Modellen anzutreffen. Diese sollten nicht zu ausgefallen oder aufreizend sein, denn auch, wenn man dass fotografisch Besondere auf dem Friedhof sucht, so dürfen Totenruhe und Trauernde nicht gestört werden.

Die Grabsteine selbst sind eine Herausforderung für den Fotografen. Ein dunkler, glänzender Stein kann die Belichtungsmessung der Kamera entsprechend irritieren. Eine kleine Belichtungsreihe ist deshalb angebracht, möchte der Fotograf sicher sein, ein passend belichtetes Foto mit nach Hause zu nehmen. Auf Spiegelungen ist zu achten. Diese lassen sich mit einem Polarisationsfilter verhindern. Ansonsten gilt natürlich die altbekannte Regel: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Mit einem Schritt zur Seite kann der Fotograf zumindest aus der Spiegelung verschwinden. Auf dem Friedhof geht es meist gemächlich zu, der Betrachter hat alle Zeit der Welt, einen optimalen Standpunkt zu finden.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2009

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