Was ist ein Polfilter / Polarisationsfilter

Welche Polfilter gibt es und wie funktioniert ein Polfilter

Zaubern mit dem Polfilter

Polfilter - Eisbär
Polfilter – Eisbär

Seit rund 25 Jahren gibt es die Digitalfotografie und immer wieder wird die Frage heiß diskutiert, ob mit ihr der Einsatz von Foto-Filtern überhaupt noch notwendig ist. Allgemeingültig kann die Frage nicht beantwortet werden, denn es kommt auf den Filtertyp an, der zum Einsatz kommt. Das Polfilter – auch als Polarisationsfilter bezeichnet – gehört mit zu den Filtern, die in der Digitalfotografie unverzichtbar sind. Grund dafür ist, dass sich die Wirkungsweise, wenn überhaupt, nur sehr reduziert, mittels Bildbearbeitung nachahmen lässt. Wer sich wundert und möglicherweise einen Fehler vermutet: Die Schreibweise mit „das Filter“ ist in der Fotografie richtig.

Wie funktioniert ein Polfilter

Blauer Himmel wirkt mit einem Polfilter viel kräftiger. Auch lässt sich damit Dunst beseitigen.
Blauer Himmel wirkt mit einem Polfilter viel kräftiger. Auch lässt sich damit Dunst beseitigen.

Polfilter dienen dazu, Reflexionen sowie Dunst zu reduzieren und dadurch eine höhere Farbsättigung zu erzielen. Polfilter finden dementsprechend ihren Einsatz sowohl in der Farb- als auch Schwarzweißfotografie. Bevorzugt kommt das zirkulare Polfilter zum Einsatz, das einen feststehenden sowie einen verdrehbaren Teil hat. Die Stellung zueinander bestimmt, welche und wie stark die Reflexion reduziert wird. Polarisationsfilter schlucken Licht und zwar in der Regel zwischen 1,5 bis 2,0 LW. Es gibt jedoch auch Ausführungen, bei denen der Lichtverlust lediglich bei einer Blendenstufe liegt. Abhängig von der Filterqualität reduziert sich die Bildauflösung um 3 % bis 10 %.

Unterschieden werden zwei Arten von Polfiltern

Es gibt zwei Arten von Polarisationsfiltern, „lineare“ und „zirkulare“, wobei letztgenannter sich durchgesetzt hat. Der Hauptunterschied ist, dass beim zirkularen Polarisationsfilter keine Schwingungsrichtung des Lichts bevorzugt wird, was überaus wichtige Auswirkungen in der Praxis hat. Kameras können ggf. falsche Belichtungswerte liefern, wenn lineare Polarisationsfilter verwendet werden, mitunter arbeitet der Autofokus auch nicht mehr korrekt. In der Fotografie haben sich deshalb vor allem die zirkularen Filter durchgesetzt.

Unterschiede ergeben sich bei den Polfiltern vor allem in der Vergütung des Filterglases. Je hochwertiger die Vergütung, umso besser die optische Qualität. Es empfiehlt sich, vor gute Objektive auch immer einen mindestens genauso guten Filter zu schrauben, sonst geht die optische Qualität des Objektivs völlig verloren.

Für Weitwinkelobjektive gibt es spezielle Filter in schmalen Fassungen, die keine Abschattungen an den Bildrändern verursachen. Filter nach Bauart „Käsemann“ sind so aufgebaut, dass sie auch extremen Umwelteinflüssen, wie Hitze und Feuchtigkeit, widerstehen. In der Praxis zeigt sich übrigens auch, dass sich das Polarisationsfilter mit aufgesetzter Streulichtblende (Sonnenblende) schwierig bedienen lässt.

Polfilter im praktischen Einsatz – Zaubern mit Polfilter

Bei starker Sonne oder in großer Höhe lässt der Polfilter (rechts) die Farben satter erscheinen.
Bei starker Sonne oder in großer Höhe lässt der Polfilter (rechts) die Farben satter erscheinen.

Grüne Blätter wirken bläulich-flau, die Wolken heben sich kaum vom blauen Himmel ab, die Wasseroberfläche ist nahezu undurchdringlich und die andere Straßenseite spiegelt sich ständig in der großen Fensterfront: Drei klassische Einsatzgebiete für das Polfilter, das diese Probleme zuverlässig lösen kann.

Wenn Licht reflektiert wird, ändert es seine Polarisation, die Schwingungen des Lichts sind – je nach Art des angestrahlten Materials – verändert, manchmal auch chaotisch verändert. Ein Polarisationsfilter schluckt diese abgelenkten Lichtwellen, in dem es nur eine bestimmte Polarisation durchlässt: Das Bild wird klarer, Kontraste und Kanten treten deutlicher hervor.

Mit diesen Eigenschaften schafft es das Polfilter ganz an die Spitze der meistbenutzten Filter. Denn auch, wenn mit einem Bildbearbeitungsprogramm viel retuschiert werden kann, Spiegelungen beseitigen lassen sich damit nachträglich nicht. Die müssen schon bei der Aufnahme eliminiert werden. Gleiches gilt für den Dunst bei Landschaftsaufnahmen, ein Polfilter ist – neben einem Grauverlaufsfilter, mit dem sich der Himmel abdunkeln lässt – das bevorzugte Filter für Landschaftsfotografen.

Mit einem Polarisationsfilter (rechts) treten weiße Wolken vor blauem Himmel deutlicher hervor.
Mit einem Polarisationsfilter (rechts) treten weiße Wolken vor blauem Himmel deutlicher hervor.

Wird ein Polarisationsfilter in der Landschaftsfotografie eingesetzt, wird das Bild nicht nur klarer und die Farben knackiger, weil der bläuliche Dunst verschwindet, damit lässt sich auch das Himmelsblau abdunkeln, aus dem dann weiße Wolken herausstechen. Am besten funktioniert dies, wenn die Sonne seitlich zur Aufnahmerichtung steht. Auch Spiegelungen in Glasscheiben lassen sich damit herausfiltern. Die Kamera sollte dabei nicht senkrecht zur Scheibe zeigen, sondern in einem Winkel von etwa 30 bis 40 Grad, dann arbeitet der Filter am besten.

Gleiches gilt auch für die Spiegelungen der Wasseroberfläche. Schräge Aufnahmen, beispielsweise auf einen Bachgrund, gelingen eigentlich nur mit Polfilter, da sich sonst meist Himmel oder Uferbewuchs im Wasser spiegeln. Allerdings kann man auch mit Polfiltern nicht zaubern: Reflexionen auf metallischen Oberflächen lassen sich damit nicht beseitigen. Was für Autolack allerdings nicht gilt, schließlich spiegelt da nicht das blanke Metall.

Eine Besonderheit gibt es beim Fotografieren von Regenbogen. Sie lassen sich mit einem Polarisationsfilter, wenn dieses korrekt angewandt wird, aus einem Himmel entfernen. Wird das Filter dagegen um 90 Grad zu seiner maximal wirkenden Einstellung verdreht, kann der Regenbogen dadurch sogar verstärkt werden – allerdings abhängig vom Einfallswinkel des Lichts.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2018

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