Zaubern mit dem Polfilter

Moritz Maler, Polfilter Bildgalerie betrachten

Moritz Maler

Grüne Blätter wirken bläulich-flau, die Wolken heben sich kaum vom blauen Himmel ab, die Wasseroberfläche ist nahezu undurchdringlich und die andere Straßenseite spiegelt sich ständig in der großen Fensterfront: Drei klassische Einsatzgebiete für ein Polarisationsfilter, kurz Polfilter genannt, das diese Probleme zuverlässig lösen kann.

Wenn Licht reflektiert wird, ändert es seine Polarisation, die Schwingungen des Lichts sind - je nach Art des angestrahlten Materials - verändert, manchmal auch chaotisch verändert. Ein Polarisationsfilter schluckt diese abgelenkten Lichtwellen, in dem es nur eine bestimmte Polarisation durchlässt: Das Bild wird klarer, Kontraste und Kanten treten deutlicher hervor.

Mit diesen Eigenschaften schafft es das Polfilter ganz an die Spitze der meistbenutzten Filter. Denn auch, wenn mit einem Bildbearbeitungsprogramm viel retuschiert werden kann, Spiegelungen beseitigen lassen sich damit nachträglich nicht. Die müssen schon bei der Aufnahme eliminiert werden. Gleiches gilt für den Dunst bei Landschaftsaufnahmen, ein Polfilter ist - neben einem Grauverlaufsfilter, mit dem sich der Himmel abdunkeln lässt - das bevorzugte Filter für Landschaftsfotografen.

Wird ein Polarisationsfilter in der Landschaftsfotografie eingesetzt, wird das Bild nicht nur klarer und die Farben knackiger, weil der bläuliche Dunst verschwindet, damit lässt sich auch das Himmelsblau abdunkeln, aus dem dann weiße Wolken herausstechen. Am besten funktioniert dies, wenn die Sonne seitlich zur Aufnahmerichtung steht. Auch Spiegelungen in Glasscheiben lassen sich damit herausfiltern. Die Kamera sollte dabei nicht senkrecht zur Scheibe zeigen, sondern in einem Winkel von etwa 30 bis 40 Grad, dann arbeitet der Filter am besten.

Gleiches gilt auch für die Spiegelungen der Wasseroberfläche. Schräge Aufnahmen, beispielsweise auf einen Bachgrund, gelingen eigentlich nur mit Polfilter, da sich sonst meist Himmel oder Uferbewuchs im Wasser spiegeln. Allerdings kann man auch mit Polfiltern nicht zaubern: Reflexionen auf metallischen Oberflächen lassen sich damit nicht beseitigen. Was für Autolack allerdings nicht gilt, schließlich spiegelt da nicht das blanke Metall.

Eine Besonderheit gibt es beim Fotografieren von Regenbogen. Sie lassen sich mit einem Polarisationsfilter, wenn dieses korrekt angewandt wird, aus einem Himmel entfernen. Wird das Filter dagegen um 90 Grad zu seiner maximal wirkenden Einstellung verdreht, kann der Regenbogen dadurch sogar verstärkt werden - allerdings abhängig vom Einfallswinkel des Lichts.

Es gibt zwei Arten von Polarisationsfiltern, „lineare“ und „zirkulare“. Der Hauptunterschied ist, dass beim zirkularen Polarisationsfilter keine Schwingungsrichtung des Lichts bevorzugt wird, was überaus wichtige Auswirkungen in der Praxis hat. Vor allem moderne Kameras können falsche Belichtungswerte liefern, wenn lineare Polarisationsfilter verwendet werden, mitunter arbeitet der Autofokus auch nicht mehr korrekt. In der Fotografie haben sich deshalb vor allem die zirkularen Filter durchgesetzt.

Unterschiede ergeben sich bei den Polfiltern vor allem in der Vergütung des Filterglases. Je hochwertiger die Vergütung, umso besser die optische Qualität. Es empfiehlt sich, vor gute Objektive auch immer einen mindestens genauso guten Filter zu schrauben, sonst geht die optische Qualität des Objektivs völlig verloren. Für Weitwinkelobjektive gibt es spezielle Filter in schmalen Fassungen, die keine Abschattungen an den Bildrändern verursachen. Filter nach Bauart „Käsemann“ sind so aufgebaut, dass sie auch extremen Umwelteinflüssen, wie Hitze und Feuchtigkeit, widerstehen.
 

Fotografieren in der Praxis 02 / 2010

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