Dem Detail auf der Spur - Der Abbildungsmaßstab

Details in farbigem Licht Bildgalerie betrachten Blende ,“Details in farbigem Licht”
Klaus Rumpf

Sich den kleinen Objekten des Lebens photographisch zu nähern, bringt Details hervor, die wir selbst mit wachsamem Auge nicht wahrnehmen würden. Gerade die Natur hat Beeindruckendes zu bieten, was wir uns erst mit Hilfe der Photographie erschließen können. Denken wir nur an das Facettenauge der Insekten oder an ihre Flügel, an den Aufbau einer Blüte bis hin zum Spinnennetz. Aber auch alltägliche Objekte wie der Reißverschluss oder eine Schraube können durch die Nahaufnahme erst interessant werden, weil Details enthüllt werden, die dem bloßen Auge sonst entgehen.

Unter Nahaufnahme wird in der Photographie eine Aufnahme verstanden, deren Maßstab zwischen zehnfacher Verkleinerung und zehnfacher Vergrößerung des Objekts liegt. Um eine überzeugende Detailaufnahme auf Film oder Chip zu bannen, muß man näher an das Objekt herangehen, als es die Einstellgrenzen der üblichen Kameras erlauben. Der Abbildungsmaßstab errechnet sich aus dem Verhältnis der Abbildungsgröße auf dem Film/Chip zur natürlichen Objektgröße. So bedeutet der Abbildungsmaßstab 1:1, dass das Objekt in natürlicher Größe auf dem Film/Chip erscheint. 1:10 bedeutet dagegen, daß das Objekt 10-fach verkleinert dargestellt wird. 5:1 gibt an, daß das Objekt auf dem Film/Chip 5-fach vergrößert wiedergegeben wird. Steht also bei der Angabe eines Abbildungsmaßstabes eine größere Zahl als 1 an erster Stelle, wird das Objekt vergrößert abgebildet, steht eine Zahl, die größer ist als 1 an zweiter Stelle, wird es verkleinert dargestellt.

Die Photobranche hält unterschiedliche Arten von Nahaufnahme-Zubehör für den Anwender bereit. Dazu zählen das Makroobjektiv - das ohne Zusatzgeräte Aufnahmen von unendlich bis zum Abbildungsmaßstab 1:1 ermöglicht - ebenso wie Vorsatzlinsen, die einfach vor das Normalobjektiv geschraubt werden oder Zwischenringe und Balgengeräte, die zwischen Kamera und Objektiv sitzen. Alle Möglichkeiten beruhen auf einem Grundgesetz der Optik: durch die Verringerung des Abstandes zwischen Objektiv und Objekt - Objektweite, Objektabstand - wird auf den Film beziehungsweise Chip ein größeres Abbild des Objekts projiziert. Mit Ausnahme der Vorsatzlinsen, die es für jeden Kameratyp gibt, können alle anderen Nahaufnahmegeräte nur in Kombination mit einer analogen oder digitalen Spiegelreflexkamera mit Wechseloptik eingesetzt werden.

Wegen der wechselnden Lichtbedingungen stellen Nahaufnahmen in der Natur für den Photographen eine große Herausforderung dar. Aber nicht nur damit hat sich der Photograph herumzuschlagen, sondern bei Kleinstlebewesen kommt auch noch deren Bewegung hinzu, unscharfe Bilder sind eventuell das Resultat, wenn keine Vorkehrungen getroffen wurden. Zu diesen gehören ein absolut standfestes Stativ, ein Drahtauslöser und eine kurze Belichtungszeit. Manchmal kann es angebracht sein, den Selbstauslöser und die Spiegelarretierung zu nutzen. In schwierigen Situationen hilft der Blitz Bewegungen einzufrieren.

Der einfallsreiche und geübte Photograph wird eventuelle Schwierigkeiten, die sich in der Abbildung von Details ergeben, überwinden und gegebenenfalls aus der Not eine Tugend machen. So ist beispielsweise die geringe Schärfentiefe bei Nahaufnahmen das geeignete Mittel zur Isolierung einer Blüte vor ihrem Hintergrund.
 

Fotografieren in der Praxis 06 / 2006

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