Action Cams - Kaufratgeber für kleine Sportkameras

Wer die Action Cam am Lenker montiert, muss mit etwas mehr Erschütterungen rechnen. Einige Action Cams liefern inzwischen einen elektronischen Bildstabilisator, der grobe Erschütterungen minimiert.
Wer die Action Cam am Lenker montiert, muss mit etwas mehr Erschütterungen rechnen. Einige Action Cams liefern inzwischen einen elektronischen Bildstabilisator, der grobe Erschütterungen minimiert.
Action Cams sind robust, überall einsetzbar und vor allem: Sie sind derzeit absolut „in“. Der Trend ist von den Surfern zu Extremsportlern übergesprungen und inzwischen längst im Breitensport angekommen. Doch selbst bei Reportageprofis gehören sie zum festen Equipment. Damit ist auch schon klar: Die Action Cam für jedermann gibt es nicht – die Bauformen und Eigenschaften unterscheiden sich so stark, dass man genauer hinschauen und vorher zumindest grundlegend definieren sollte, auf was es bei den eigenen Action-Aufnahmen ankommt.

Auf der photokina 2014, die vom 16. bis 21. September in Köln ihre Tore öffnet, hat man als Besucher die einmalige Chance in der photokina Action Zone Action Cams auf dem Sky-Shooter, beim Aqua Zorbing oder Bullriding testen zu können.

Weitwinkel

Action Cams haben ein möglichst großes Weitwinkel, was in erster Linie dafür sorgen soll, dass die Erschütterungen weniger auffallen. Doch immer mehr Action Cams kommen inzwischen mit Bildstabilisatoren. Wunder erwarten darf von diesen nicht, denn die beim Sport üblichen starken Erschütterungen können Bildstabilisatoren nicht gänzlich ausgleichen. Und an die Wirkung optischer Bildstabilisatoren, wie sie bei klassischen Camcorder üblich sind, kommen die verwendeten elektronisch arbeitenden Bildstabilisatoren der Action-Cams nicht heran. Dennoch: Eine sinnvolle Zusatzoption sind sie – auch, wenn sie stets den Weitwinkelbereich einschränken. Üblich ist, ohne Bildstabilisator, ein Blickwinkel von um 120 Grad, die besten Modelle, so hat es VIDEOAKTIV ermittelt, liefern knappe 140 Grad.

Bildqualität und Auflösung

Nahezu alle Action Cams zeichnen MPEG-4-Dateien auf und komprimieren die Videos mittels H.264-Codec. Dieses Format wird inzwischen von jedem Schnittprogramm verarbeitet – auch, wenn Auflösung und Bildwiederholrate unterschiedlich sind.

Als Standard kann man Full-HD mit 1.920 × 1.080 Pixeln definieren – auch, wenn es inzwischen Action Cams mit vierfacher Auflösung, sprich 4K, gibt. Deutlich schwerer wird es bei der Bildwiederholrate: Günstigere Modelle setzen auf 30 Vollbildern (Progressive) und orientieren sich damit am amerikanischen NTSC-Standard. Doch gerade bei schnellen Sportarten heißt der Tipp: Mehr Bilder sind besser. Das wären dann, um beim NTSC-Format zu bleiben, 60 Vollbilder. Wer das Material mit anderen Aufnahmen mischt, sollte besser im hierzulande üblichen PAL-Format bleiben und darauf achten, dass die Kamera auch mit 50 Vollbildern arbeitet.

Günstige Action-Cams bieten übrigens parallel zu Full-HD mit 30 Vollbildern kleinere HD-Auflösungen (1.280 × 720 Pixel) oftmals mit höheren Bildwiederholraten (50p/60p). Hier lohnt sich ein Versuch, ob der Verzicht auf Auflösung zugunsten der höheren Bildwiederholrate nicht sinnvoll ist. Wobei unter Tageslichtbedingungen sehr viele Kameras ein annehmbares Bild speichern. Doch je weniger Umgebungslicht vorhanden ist, desto mehr trennt sich die Spreu vom Weizen: Soll der Sensor bei weniger Licht noch etwas mitbekommen, muss er mit einer höheren Spannung versorgt werden, die aber für ein höheres Bildrauschen sorgt. Starkes Bildrauschen sorgt aber bei der Bildkomprimierung durch den Codec für weitere Verluste. Wer wirklich viel Wert legt, auch noch bei Schwachlicht ordentliche Bilder aufzunehmen, der sollte unter diesen Bedingungen selbst testen – oder auf einschlägige Testberichte, wie zum Beispiel in der Fachzeitschrift VIDEOAKTIV, zurückgreifen.

Ton

Wenn viel Action im Bild ist, dann bedeutet das häufig viel (Fahrt-)Wind und somit Windgeräusche. Doch die Action Cams stecken ja doch meist in Schutzgehäusen, die auch wasserdicht sind – und wo kein Wasser reinkommen soll, hat es auch der Schall entsprechend schwerer. Kurz zusammengefasst: Vielen Sportlern kommt es nicht so sehr auf den Ton an, da dieser eh meist unbrauchbar ist. Doch so viel ist klar: Wer eine Action Cam hat wird diese nicht nur beim Sport, sondern auch drum herum einsetzen. Denn zum Beispiel zu einem Surfvideo gehört schließlich auch das Aufriggen dazu, und hier wirken Einstellungen mit Originalton meist viel lebendiger. Für solche Videosequenzen lohnt sich der Einsatz eines externen Mikrofons – zumal immer mehr Action Cams mit Mikrofoneingang auf den Markt kommen.

Bedienung

Action-Cam-Filme sehen besonders klasse aus, wenn gleichzeitig mehrere Cams im Einsatz sind und sich die Sportler gegenseitig im Visier haben.
Action-Cam-Filme sehen besonders klasse aus, wenn gleichzeitig mehrere Cams im Einsatz sind und sich die Sportler gegenseitig im Visier haben.
Gerade in Sachen Bedienbarkeit hat sich bei den Action Cams im letzten Jahr deutlich etwas getan: Die meisten Neuerscheinungen haben inzwischen einen integrierten Monitor oder bieten diesen zumindest optional an. Das macht die Grundeinstellung der kleinen Kameras wesentlich einfacher.

Auf einen Kontrollmonitor angewiesen sind Filmer bei Reportagen oder Taucher. Beide machen keine Langzeitaufnahmen, sondern sind auf der Suche nach einzelnen passenden Einstellungen. Doch gerade Taucher bemängeln die meist geringe Größe und Schärfe der Monitore. Auf den keinen Displays lässt sich nur schwer beurteilen, ob die Einstellung in Ordnung ist. Oder wenn im Winter dann, wie zum Beispiel im Schnee, noch helles Umgebungslicht dazu kommt, ist meist gar nichts mehr zu erkennen.

Surfer, Mountainbiker oder Skateboarder müssen sich dagegen auf den Weg und nicht auf das Bild konzentrieren. Doch auch hier muss man bei der Montage den Bildausschnitt wählen. Deshalb bieten die meisten Hersteller die Kontrolle der Aufnahmeposition via WLAN-Verbindung. Diese zugehörigen Apps werden für die WLAN-tauglichen Action Cams von allen Herstellern sowohl für iOS als auch für Android kostenfrei angeboten. Allerdings ist nicht nur die einmalige Einrichtung des WLANs etwas komplizierter – es benötigt jedes Mal etwas Zeit, bis die Verbindung zwischen Action Cam und Smartphone steht, denn dieses muss erst eingeschaltet und entsperrt und die App aufgerufen werden. Die Unterschiede bei der WLAN-Vorschau sind erheblich: Eine Verzögerung von einigen Bildern ist normal, doch bei manchen Action Cams ist die Verzögerung der App-Vorschau gleich mehrere Sekunden lang, was selbst für die Einstellung des Blickwinkels schwierig, beim direkten Filmen sogar schlicht unbrauchbar ist.

Deutlich leichter bedienen lassen sich Action Cams mit einer Fernbedienung, die aber bei weitem nicht immer dabei sind. Sie geben über farbige Lichtsignale oder sogar über ein Status-Display Rückmeldung, in welchem Modus sich die Kamera befindet. Der Hintergrund: So kann man die Kamera auch ohne Sichtkontakt in den Aufnahmemodus versetzen und hat Sicherheit, dass diese auch wirklich läuft.

Zubehör

Action Cams auf dem Mountainbike sind derzeit extrem beliebt - interessant sind nicht nur die Kameras, sondern auch die verschiedenen Halterungen, denn das Zubehörprogramm der Hersteller ist reich gefüllt.
Action Cams auf dem Mountainbike sind derzeit extrem beliebt – interessant sind nicht nur die Kameras, sondern auch die verschiedenen Halterungen, denn das Zubehörprogramm der Hersteller ist reich gefüllt.
Es gibt eine nahezu unüberschaubare Fülle an Halterungen für verschiedene Sportbetätigungen: rutschfest, mit Gurten, für Helme, glatte Flächen, den Fahrradlenker und Halterungen für die subjektive Hundekamera. Die Anpassung auf die unterschiedlichen Freizeitaktivitäten scheint schier unerschöpflich. Wer eine Action Cam kauft, bekommt von den Herstellern oft schon speziell auf gewisse Sportarten angepasste Angebote. Da ist dann eben eine Lenkerhalterung fürs Moutainbiken oder Motorrad dabei oder aber Klebepads für glatte und gerundete Flächen. Das ist auch sinnvoll, denn die scheinbar gleichen Cliphalterungen sind nicht immer kompatibel, da sie in Details anders konstruiert oder kleinere Gewindebohrungen haben. Das ist auch der Grund, warum das „normale“ ¼ Zoll Stativgewinde immer noch sinnvoll und wieder bei den Action Cams auf dem Vormarsch ist. Wer für seinen Sport spezielle Halterungen benötigt, findet, dank der Vielfalt, in jedem Fall eine passende Halterung. Wichtig ist es allerdings, vor dem eigentlichen Einsatz die Halterungen intensiv mit dem eigenen Equipment auszuprobieren und für ausreichend Ersatzteile zu sorgen: Gerade die Cliphalterungen können mal kaputt gehen und die Basisplatten sowie Klebepads sind in jedem Fall Verschleißartikel.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2014

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