Actionsfotografie - Hexen und andere Fluggäste

© Fotograf: Anneleen Elter, Keine Hexe - Mein Bruder!, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Anneleen Elter, Keine Hexe – Mein Bruder!, Blende-Fotowettbewerb
Einen Menschen in der Luft schweben lassen? Und dazu ganz entspannt und auch noch mit Hausmitteln wie einem Besen machbar? Geht! Und das ist auch kein Ding der Unmöglichkeit, man braucht dazu nur das richtige Handwerkszeug. Ein Trampolin zum Beispiel und natürlich eine Kamera.

Hollywood mag mit digitalen Animationen Kunstwerke erschaffen, der Fotograf sich in der Bildbearbeitung mit Pfaden, Ebenen und Schattenwurf verkünsteln, aber manchmal ist es doch ganz einfach auch ohne Bildbearbeitung, Personen fliegen zu lassen. Wie bekommt man jemanden auf einen Besen und dann ganz locker schwebend in die Luft? Mit einem Trampolin, wie es in vielen Vorgärten steht. Da muss der Protagonist nicht einmal waghalsig hohe Sprünge machen, es reicht, wenn der Fotograf am Boden bleibt. Setzt er dann bei freier Sicht auch noch ein Weitwinkelobjektiv ein und geht dafür noch ein, zwei Schritte näher ans Trampolin, fehlt nicht mehr viel zum Freiflug im Bild.

Wenn es um schnelle Bewegungen geht, dann sind kurze Belichtungszeiten gefragt. Das heißt, die Blende weit öffnen (kleine Blendenzahl), aber nicht ganz (weil sonst die Bildqualität leidet), und dafür im Gegenzug die Zeit verkürzen. Moderne Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras können durchaus bis 1/4.000 Sekunde kurze Belichtungszeiten umsetzen, manche noch kürzer. Es kann außerdem nötig sein, auf manuellen Fokus umzuschalten, je nachdem, wie schnell Kamera und Objektiv fokussieren können.

Ein Problem haben allerdings viele Bilder, die gegen den Himmel aufgenommen werden: den Helligkeitsunterschied zwischen Hauptmotiv und Hintergrund. Ein Himmel ist schon ziemlich hell, ein Mensch beispielsweise im Vordergrund dagegen recht dunkel. Wenn der Mensch richtig belichtet wird, ist meist der Himmel viel zu hell. Ist der Himmel korrekt belichtet, wird der Mensch zu dunkel. Dieses Problem schafft ein Blitzgerät aus der Welt.

Dabei geht es nur darum, einen Aufhellblitz einzusetzen, also nicht auf Blende 16 abblenden und dann mit kürzester Zeit bei maximaler Blitzleistung den Hintergrund in eine Nachtlandschaft zu verwandeln. Der Blitz sollte als zusätzliche Lichtquelle dosiert eingesetzt werden. Es ist wichtig, die Blitzleistung entsprechend zu reduzieren. Leider ändert sich mit dem Einsatz eines Blitzgeräts die kürzeste mögliche Verschlusszeit der Kamera. Der Fotograf ist an die Blitzsynchronzeit gebunden.

Wenn die Zeit wieder länger wird, dann muss irgendwie weniger Licht aufs Bild. Das heißt: Die Blende muss entsprechend geschlossen werden, im ersten Schritt sollte aber die ISO-Empfindlichkeit der Kamera auf einen Minimalwert eingestellt werden. Wird so die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft, reduziert, heißt das gleichzeitig, dass die Blitzleistung erhöht werden muss. Mit einem Studioblitz ist das kein Problem, mit einem Systemblitz kann das schon zum Problem werden. Die elegante Lösung heißt in diesem Fall Objektiv mit Zentralverschluss, das Synchronzeiten von 1/1.600 Sekunden und kürzer erlaubt. Allerdings ist das auch die mit Abstand teuerste Lösung. Ansonsten bleibt nur der Kompromiss, die vielen Parameter Hintergrund, Blende, Zeit, Empfindlichkeit und Blitzleistung unter einen Hut zu bekommen.

Objekte in Bewegung bieten sich geradezu für Serienbilder an. Viele Kameras bieten verschiedene Geschwindigkeiten für den Serienbild-Modus. Gerade nicht so geübte Fotografen sollten die schnellste Option wählen und dafür lieber eine Speicherkarte mehr einstecken. Ist ein Blitz im Einsatz, machen Serienbilder dagegen keinen Sinn, denn der Blitz kann meist nicht so schnell nachladen.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2014

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