Ästhetische Aktfotografie - Warum gute Aktfotografie nichts Anrüchiges an sich hat

Grundlagen der ästhetischen Aktphotographie

Weniger ist in der Aktfotografie oftmals mehr

Aktfotografie
Lights, Frank Hausdörfer
Shooting in München. Die Lichter im Spiegel dienen hier als stilistisches Mittel. Die Schärfe wurde auf den Spiegel gelegt, dadurch wird die Tiefe des Bildes verstärkt und durch die Unschärfe im Vordergrund, die “nackten Tatsachen” sehr dezent in Szene gesetzt, zudem dient das Deckbett als weiter “Schutz”. Es bedurfte in diesem Fall mehrer Versuche, um das Bild so zu gestalten, wie es am Ende ist. Die Arbeit mit einem Spiegel ist oft schwerer als es letztendlich aussieht. Die Rückenansicht schützt die Identität des Modells und bietet genügend Raum für Phantasie.

Für Fotografen, die der Aktfotografie nachgehen, ist es oftmals herausfordernd, dass sie sich nicht in der Erotikecke wiederfinden. Doch wer die Bildsprache der Aktfotografie versteht, der wird sich klar davon abheben. Jenseits aller Klischees ist gute Aktfotografie nämlich ästhetisch und erotisch zugleich, niemals aber anrüchig. Sehenswerte Aktfotografien erfordern nicht nur eine Bildidee, sei sie klassisch oder experimentell, sondern ganz viel Einfühlungsvermögen gegenüber der abgebildeten Person. Als Fotograf sollte man schon vor der Fotosession wissen, was für Bilder man machen möchte. Das gilt sowohl für Innen- als auch für Außenaufnahmen.

Sehenswerte Aktfotos zeigen mehr als nur nackte Haut

Gute Aktfotografie beinhaltet, sich in gewisser Art und Weise in die Person vor der Linse zu verlieben und die Schönheit Schritt für Schritt für sich zu erobern. Aktfotografie bezieht mit ein, sich gegenseitig zu öffnen, denn nur dann gelingen Aufnahmen die mehr sind als Abbilder. Nur wenn die Chemie zwischen Fotograf und Modell stimmt, dann sind die Voraussetzungen für sehenswerte Aktaufnahmen gegeben. Liegt keine gegenseitige Begeisterung vor, dann kann man das Shooting getrost abbrechen, denn die Wahrscheinlichkeit sinkt nahezu gegen Null, zu tollen Aufnahmen zu gelangen.

Struktureller Akt
Struktureller Akt, Michael Offen

Ein Erklärungsversuch warum Frauen die bevorzugten Fotomotive sind

Männer bevorzugen in der Aktfotografie das weibliche Geschlecht weil die Begeisterung hier in der Regel höher ausfällt als für das eigene. Dies ist wahrscheinlich in gewisser Weise auch nicht verwunderlich, denn es gibt anderes zu entdecken als das, was man alltäglich an sich selbst zu sehen bekommt. Doch dieser Erklärungsversuch gerät in Schieflage wenn man feststellt, dass auch Frauen das weibliche Geschlecht in der Aktfotografie vorziehen. Eventuell liegt der Grund in der Historie begründet, als die Fotografie nahezu nur Männern vorbehalten war. Oder aber der weibliche Körper ist mit seinen Kurven und Rundungen einfach attraktiver und man kann mit den Reizen des verborgenen besser spielen und so die Phantasie des Betrachters in Gang setzen – übrigens ein wichtiger Punkt in der ästhetischen Aktfotografie.

Weniger ist oftmals mehr

Akt-Shooting klassischer Akt
Streiflichter …, Akt-Shooting klassischer Akt, Hermann Mohr

Fotografieren bedeutet vielfach, mehr als nur Abbilder des Gesehenen zu schaffen. Insbesondere in der Aktfotografie sollte man diese Regel beherzigen. Dazu gehört auch, nicht alles preiszugeben, was man als Fotograf wahrnimmt. Die hohe Kunst der Aktfotografie ist es, so wenig wie nur möglich zu zeigen und damit die Phantasie des Betrachters in Gang zu setzen. Hier kommt es auch auf das geschickte Spiel von Licht und Schatten an, denn durch letztgenanntes kann vieles verborgen werden.

Vorbereitung ist die halbe Miete für gelungene Akt-Shootings

Die geplanten Posen und Aufnahmen sollte man vor dem Fotoshooting mit seinem Modell besprechen. Das gilt übrigens auch dann, wenn nahestehende Personen vor der Kamera posieren. Wichtig ist, niemals Grenzen zu überschreiten. Das Ambiente mit seinen Requisiten sollte auf den Stil und die Art der Aufnahmen abgestimmt sein und schon vor der Fotosession stehen. Genauso verhält es sich mit der Fotoausrüstung, die funktionsbereit sein sollte, wenn das Modell den Aufnahmeort betritt.

klassischer Akt in schwarz-weiß
in your eyes (klassischer Akt in schwarz-weiß, Model Dorka, Ungarn), Frank Piassek

Gute Kommunikation ist das A und O

Für bestechende Aktaufnahmen ist eine gute Kommunikation zwischen Fotograf und Modell unerlässlich. Um dies zu erreichen, ist es ratsam, auch während des Fotoshootings immer wieder Testaufnahmen zu machen, die man dann gemeinsam mit dem Modell am Kamera- oder PC-Monitor bespricht. Spontaneität verhilft zu unverkrampften Aufnahmen.

Was ist an Fotoausrüstung ratsam

Hochwertige Kompaktkameras mit der Option der manuellen Einflussnahme sind für die Aktfotografie ebenso geeignet wie kompakte System- und Spiegelreflexkameras, also Aufnahmegeräte, die den Objektivwechsel zulassen. Für die Wahl der Objektive gibt es keine festen Regeln, wohl aber immer wieder gut gemeinte Ratschläge wie “Anstand erfordert Abstand“, das heißt mittlere Teleobjektive. Anstand ist jedoch nicht eine Frage der Brennweite, sondern der inneren Haltung. Natürlich sollte man dem Anfängermodell nicht bei der ersten Aufnahme mit einem extremen Weitwinkelobjektiv “zu Leibe rücken”, doch ansonsten gibt es keine Bedenken gegen den Einsatz kurzer Brennweiten in der Aktphotographie. Jeanloup Sieff, um nur ein Beispiel zu nennen, hat wunderbare Aktaufnahmen mit extremen Weitwinkelobjektiven gemacht, die Erotik und Würde ausstrahlen.

Aktfotografie
Akt2, Frank Borde

Die Fokussierung auf die nackte Haut kann weniger leistungsfähige Autofokussysteme aufgrund des geringen Kontrasts irreführen. Dann ist die manuelle Scharfeinstellung nach Sicht erforderlich. Sehr wichtig ist die visuelle Überprüfung der Schärfentiefe. Aufnahmen bei natürlichem Licht können in Innenräumen zu langen Verschlusszeiten führen. Ein stabiles Dreibeinstativ mit Kugelkopf und ein Fernauslöser schaffen Abhilfe. Verfügt man über ein recht aktuelles Kameramodell, so bieten die vielfach die Option, über das Smartphone/Tablet ausgelöst zu werden. Eine gute Alternative zum Fernauslöser. Bei sehr langen Verschlusszeiten kann aber trotzdem eine Art “Bewegungsunschärfe” schon allein durch das Atmen des Modells oder die Anspannung bei einer Pose entstehen.

Die richtige Lichtsetzung – ob nun bei Innen- oder Außenaufnahmen -, ist in den meisten Fällen der Schlüssel zum Bilderfolg weshalb man in entsprechendes Lichtequipment investieren sollte. Von Baustrahlern, die zwar deutlich preiswerter sind als Studiolichtanlagen, ist Abstand zu nehmen, denn insbesondere die Hitzeentwicklung ist enorm und damit tut man weder dem Modell noch sich als Fotograf ein Gefallen.

Fotoseminare für die ersten Erfahrungen

Als Anfänger der Aktfotografie empfiehlt sich der Besuch eines Fotoworkshops/Fotoseminars mit diesem Schwerpunkt. Hier lernt man nicht nur wertvolle Fotokniffe sondern auch, worauf es menschlich in der Aktfotografie ankommt.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen. In Kürze startet mit „Blende 2018“ die neue Wettbewerbsrunde.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 04 / 2018

1 Kommentare

Spontaneität und sorgfältige Planung passen zusammen wie Feuer und Wasser. Mit dieser Empfehlung wird es nichts werden.

Archytas

von Archytas
13. April 2018, 23:21:59 Uhr

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