Der Akt im richtigen Licht - Ausleuchtung

Gute Aktphotographie, die ästhetisch und erotisch zugleich ist, erfordert nicht nur das passende Modell, eine brillante Bildidee, sondern auch eine entsprechende Örtlichkeit - das Studio bietet sich geradezu an, denn es hat den großen Vorteil, daß das Modell optimal ausgeleuchtet werden kann - im Freien ist dies nur mit enormem Aufwand möglich. Ein weiterer Pluspunkt für das Studio ist, daß sich das Modell wesentlich gelöster entfalten kann und sicherlich mit weniger Scheu vor der Kamera posiert. Je mehr Lampen im Studio zum Einsatz kommen, umso schwieriger ist es, diese aufeinander abzustimmen. Jede weitere Lampe führt beispielsweise zu zusätzlichen überschneidenden Schatten oder Spitzlichtern meist an den falschen Stellen. Hinzu kommt, daß bei einem Positionswechsel von nur einer Lampe sich die Wirkung der anderen auch ändert. Generell kann gesagt werden, daß nicht die Anzahl der Lampen für das Bildergebnis entscheidend ist, sondern mit welchem Licht gearbeitet wird. In der Studiophotographie wird zwischen diffuser und direkter Beleuchtung unterschieden. Diffuses Lampenlicht entsteht, wenn vor eine Lampe eine dünne Scheibe, beispielsweise aus Glasfieber, gesetzt wird. Dadurch, daß sich diffuses Licht gleichmäßig über das Modell verteilt, flachen die Konturen ab, die Schatten werden auf ein Minimum reduziert und die Haut wirkt weich und glatt. Direktes Licht bewirkt genau das Gegenteil. Es betont die Konturen und die Hautoberfläche, indem es kräftige Schatten und Spitzlichter schafft. Zu interessanten Bildergebnissen mit gar malerischem Effekt führt das Ausspielen der beiden kontrastierenden Lichtmerkmale gegeneinander.

Die Anordnung der Lampen hat ebenfalls entscheidenden Einfluß auf das photographische Ergebnis. Je näher beispielsweise die direkte Lichtquelle an das Modell herangestellt wird, desto konzentrierter sind die Spitzlichter. Eine weiche und gleichmäßige Ausleuchtung des Köpers wird hingegen durch zwei diffuse Lichtquellen im gleichen Abstand zum Modell in einem Winkel von 45 Grad erzielt. Ein bildhauerischer Effekt liegt vor, wenn eine diffuse Lampe durch eine direkte ersetzt wird, man die Anordnung der Lampen aber beibehält. Das direkte Licht wirft Schatten und enthüllt Feinheiten. Eine Aufnahme mit starkem Helligkeitskontrast erhält man, wenn nur mit einer diffusen Lichtquelle in einem Winkel von 45 Grad gearbeitet wird. Details gehen bei diesem Aufbau verloren, das Bild erhält seine Wirkung von den Spitzlichtern und den angedeuteten Körperformen, die von den unregelmäßigen Schattenlinien hervorgerufen werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine einzelne direkte Lampe im Winkel von 45 Grad hinter dem Modell zu plazieren - man bekommt den sogenannten Randbeleuchtungseffekt. Je weiter weg die Lampe hinter das Modell gerückt wird, desto schärfer wird die Schattenkante. Wird die Lampe hingegen vom Modell gegen einen weißen Hintergrund gerichtet, so erscheint das Modell silhouettenhaft. Ist ein schwaches Spitzlicht erwünscht, so darf sich das Modell nicht zu weit vom angeleuchteten Hintergrund postieren. Je weiter sich das Modell vom weißen, angeleuchteten Hintergrund befindet, umso weniger reflektierendes Licht gelangt zu den Körperkonturen und man erhält eine reine Silhouette.

Der Gang mit seinem Modell in ein Studio, sofern man nicht über ein eigenes verfügt, lohnt sich in jedem Fall. Ausreichend Zeit sollte eingeplant werden, wenn ein Studio angemietet wird. Wer mit der Studiophotographie noch keine so großen Erfahrungen gesammelt hat, für den sind Workshops und Seminare empfehlenswert, denn schon die Ausführungen zum Spiel mit einer oder gar zwei Lampen zeigen, welch weites Feld die Studiophotographie ist.

Photopraxis - Aktbeleuchtung
Werden zwei diffuse Lichtquellen im gleichen Abstand zum Modell und einem Winkel von 45 Grad angebracht, wird der Akt weich und gleichmäßig ausgeleuchtet - kein Körperteil wird hervorgehoben.

Photopraxis - Aktbeleuchtung
Wird mit einer diffusen und einer direkten Lichtquelle gearbeitet, so wirft das direkte Licht Schatten und enthüllt Feinheiten. Durch die sogenannten Spitzlichter wird der Körper besser modelliert.

Photopraxis - Aktbeleuchtung
Wird nur mit einer direkten Lichtquelle gearbeitet, so erhält man starke Helligkeitskontraste, Details gehen verloren. Die Aufnahme wirkt durch Spitzlichter und die angedeutete Körperform.

Photopraxis - Aktbeleuchtung
Randbeleuchtung wird durch eine einzelne Lampe erzielt, die hinter dem Modell platziert ist. Je weiter die Lampe hinter das Modell rückt, desto schärfer wird die Schattenkante.

Photopraxis - Aktbeleuchtung
Eine silhouettenhafte Wirkung wird erzielt, wenn die Lampe weg vom Modell auf einen weißen Hintergrund gerichtet wird, der das Licht reflektiert. Je weiter sich das Modell vom angestrahlten Hintergrund entfernt, desto mehr erhält man eine reine Silhouette.


 

Fotografieren in der Praxis 10 / 2006

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