Aktfotografie: Sinnlich, einfühlsam, ästhetisch

Erste Gehversuche, Ablichten des Partners, Model finden

© Fotograf: Frank Willershäuser, Der Schaumgeborene!, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Frank Willershäuser, Der Schaumgeborene!, Blende-Fotowettbewerb
Viele bezeichnen die Aktfotografie als Königsdisziplin – daran ist sicherlich etwas Wahres, wobei es Tier-, Landschafts- oder Architekturfotografen möglicherweise anders sehen. Wir erachten die Aktfotografie als große Herausforderung – sowohl für den Fotografen hinter der Kamera als auch für den Akteur davor. Hier prallen zwei Welten aufeinander, die in den Aufnahmen zu einer verschmelzen. Dies setzt unendlich viel gegenseitiges Vertrauen, aber auch Einfühlungsvermögen voraus. Die eine Seite ist angezogen, im zusätzlichen Schutze des Blickes durch den Auslöser und die andere Seite entblößt, ja schutzlos und so verletzbar, überschreitet der Fotograf – ob nun allein oder im Team – die Grenzen. Welche Verantwortung man als Fotograf trägt sollte jedem bewusst sein, der sich der Aktfotografie stellt. Da spielt es auch keine Rolle, ob sich nun Männer oder Frauen nackt vor der Kamera in Szene setzen.

Aktfotografie – Erste Gehversuche

© Fotograf: Hermann Mohr, Streiflichter ..., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hermann Mohr, Streiflichter …, Blende-Fotowettbewerb
Wendet man sich erstmalig der Aktfotografie zu, so ist unsere Empfehlung, hierzu einen Fotoworkshop zu besuchen. Das kann eine Eintagesveranstaltung sein oder aber eine mehrtägige Fotoreise. Letzteres bietet den großen Vorteil, sich über einen längeren Zeitraum mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und stärker losgelöst vom Alltagsstress zu sein. Die Grundlagen, die man in diesen Workshops gerade in Bezug auf den Umgang mit den Models vermittelt bekommt, sind Gold wert und spiegeln sich natürlich auch in den Aufnahmen wider. Natürlich kann man sich diese Grundlagen auch über Literatur aneignen. Aus der Praxis für die Praxis erachten wir bei so einem sensiblen Feld wie der Aktfotografie jedoch als ratsamer. Jeder der sich dem Themengebiet der Aktfotografie zuwendet, sollte in unseren Augen zudem die Fotografie, also den Umgang mit der Kamera im Wesentlichen beherrschen. Für das Model vor der Kamera ist es alles andere als angenehm, wenn sich das Shooting extrem in die Länge zieht, nur weil man seine Kamera nicht im Griff hat. Was immer wieder gern in der Aktfotografie unterschätzt wird ist, welche Schwerstarbeit die Models verrichten.

Aktfotografie – Ablichten des Partners

© Fotograf: olaf koch, Gesteuerte Bewegung, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: olaf koch, Gesteuerte Bewegung, Blende-Fotowettbewerb
In vielen Partnerschaften kommt irgendwann das Thema Aktshooting auf. Theoretisch sind die Voraussetzungen bestens, denn wie kein anderer kennt man seinen Partner und weiß, ohne zu fragen, um die Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Aktfotografie bedeutet, sich in das Gegenüber zu verlieben und dies in den Aufnahmen zum Ausdruck zu bringen. Die größte Herausforderung sehen wir darin, im privaten Bereich nicht ins Pornografische abzugleiten – damit hat die Aktfotografie für uns nun wirklich nichts zu tun. Gute Aktfotografie ist in unseren Augen dadurch kennzeichnet, dass sie ästhetisch und erotisch zugleich ist, aber niemals anrüchig. Sie lebt vom weniger zeigen und mit der Fantasie des Betrachters zu spielen, der möglicherweise wesentlich mehr sieht, als abgelichtet wurde. Die große Frage, die man sich beim Ablichten des Partners stellen muss ist, ob die Vertrautheit und Intimität nicht eher hinderlich sind. Aktfotografie bedeutet auch ein Entdecken – ob es dieses nach einigen Jahren der Partnerschaft noch gibt, kann jeder nur für sich beantworten.

Aktfotografie – Model finden

© Fotograf: Petra Mößner, Badenixe, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Petra Mößner, Badenixe, Blende-Fotowettbewerb
Oftmals ist es in der Aktfotografie einfacher, mit einem Model zusammenzuarbeiten als mit dem Partner. Im ersten Schritt gilt es, ein Model – ob männlich oder weiblich – zu finden. Hier bietet das Internet sehr gute Möglichkeiten. Zahlreiche Models haben eigene Internetseiten. Eine weitere Option sind Modelplattformen wie beispielsweise die Modelkartei mit zigtausend weiblichen und männlichen Models, wobei die Letztgenannten immer in der Minderheit sind. Ist man Mitglied in der fotocommunity, so kann man hier nicht nur mit anderen Aktfotografen in Kontakt treten, sondern auch zu Models.

Für Neulinge ist es oftmals nicht ganz einfach, Models zu finden. Dafür muss man Verständnis haben, denn gerade im Aktbereich gibt es sehr viele unseriöse Fotografen und das ein oder andere Model hat schon dementsprechend schlechte Erfahrungen gemacht. Gerade Einsteigern ist zu empfehlen, Models auszuwählen, die auf dem Gebiet der Aktfotografie bereits Erfahrungen gesammelt haben. Ist man als Fotograf und als Model Einsteiger, so kann dies mitunter in einem Desaster enden, das beide Seiten nicht zufrieden stimmt.

Models haben natürlich ihren Preis. Unsere Recherche hat ergeben, dass man für die Stunde wenigstens mit € 50,— bis € 80,— rechnen darf. Die Buchung eines Models ist einfacher, wenn man bereits über einen Leistungsnachweis verfügt, den man beispielsweise in einem Fotoworkshop erworben hat. Es gibt natürlich auch Models, die das Shooting unentgeltlich machen. Bei diesen handelt es sich in der Regel um Einsteiger, die sich einen Namen in der Szene aufbauen möchten. Bucht man solche Models dann sollte man als Fotograf bereits über Erfahrungen in der Aktfotografie verfügen.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2015

2 Kommentare

Wunderschön und sehr ästhetisch!Man muß es wirklich sehen können und das in Demut vor der Schöpfung

Angelika Rezanek

von Angelika Rezanek
04. Dezember 2015, 13:09:58 Uhr

Meine Erfahrungen in der Aktfotografie sind, dass es leichter ist jemand Fremden zu fotografieren als den Partner. Einen Workshop würde auch ich immer empfehlen.

Hans

von Hans
03. Dezember 2015, 07:33:33 Uhr

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