Aktfotografie - Ästhetisch und erotisch zugleich

© Fotograf: Hermann Mohr, Streiflichter ..., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hermann Mohr, Streiflichter …, Blende-Fotowettbewerb
Die Aktfotografie begeistert Akteure vor und hinter der Kamera gleichermaßen, weshalb sie so viele Anhänger hat, die sich in ihr versuchen. Gern wird der Aktfotografie etwas „Schmuddeliges“ nachgesagt – damit tut man ihr vielfach unrecht. Gute Aktfotografie, und das sollte das Ziel sein, kennzeichnet, dass sie ästhetisch und erotisch zugleich ist, aber niemals anrüchig. Sie lebt vom weniger zeigen und mit der Fantasie des Betrachters zu spielen, der möglicherweise wesentlich mehr sieht, als abgelichtet wurde. Darin liegen die Herausforderung und der große Reiz für den Fotografen, dies mit einer brillanten Bildidee und entsprechendem Einfühlungsvermögen umzusetzen. Wichtig ist, die Grenzen nicht zu überschreiten. Dazu gehört, für das geeignete Umfeld zu sorgen und mögliche Posen gemeinsam mit dem Modell zu besprechen. Aktfotografie setzt Vertrauen voraus und dies muss geschaffen werden. Als Fotograf sollte man sich seiner Verantwortung bewusst sein und sich immer vor Augen führen, wie man sich selbst vor der Kamera so entkleidet fühlen würde – Nacktheit bedeutet, jeglichen Schutz zu verlieren.

Kameraequipment

© Fotograf: Heiko Zimmer, verdeckt, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Heiko Zimmer, verdeckt, Blende-Fotowettbewerb
Hochwertige Kompaktkameras mit einem entsprechenden Zoombereich sowie kompakte System- und Spiegelreflexkameras sind für die Aktfotografie bestens geeignet. Wichtig ist, dass man mit seinem Kameraequipment vertraut ist und es dementsprechend blind beherrscht – kein Modell ist begeistert, wenn der Fotograf erst einmal im Kamerahandbuch nachschlagen muss.

Für die Wahl der Objektive gibt es keine festen Regeln, wohl aber immer wieder gut gemeinte Ratschläge wie „Anstand erfordert Abstand“, das heißt mittlere Teleobjektive. Anstand ist jedoch nicht eine Frage der Brennweite, sondern der inneren Haltung. Natürlich sollte man dem Anfängermodell nicht bei der ersten Aufnahme mit einem extremen Weitwinkelobjektiv „zu Leibe rücken“, doch ansonsten gibt es keine Bedenken gegen den Einsatz kurzer Brennweiten in der Aktfotografie. Jeanloup Sieff, um nur ein Beispiel zu nennen, hat wunderbare Aktaufnahmen mit extremen Weitwinkelobjektiven gemacht, die Erotik und Würde ausstrahlen.

Prädestiniert für die Aktfotografie ist Schwarzweiß – sofern die Kamera über diesen Modus verfügt, sollte er in Betracht gezogen werden. Schwarzweiß steht von sich aus für ein hohes Maß an Ästhetik, und die ist bei der Aktfotografie gefragt. Natürlich kann den Aufnahmen mittels Bildbearbeitung auch im Nachhinein die Farbe entzogen werden.

Lichtführung

© Fotograf: Frank Borde, Akt2, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Frank Borde, Akt2, Blende-Fotowettbewerb
Entscheidend in der Aktfotografie ist die Wahl der richtigen Lichtführung, denn sie setzt die Akzente und steht dafür, was gezeigt wird. Es eignen sich Kompaktblitzanlagen mit oder ohne Generatoren. Sie sind relativ preiswert, lassen sich platzsparend in einem Koffer verstauen oder zu einer anderen Location transportieren. Ideal sind zwei oder drei Leuchten ab 600 Wattsekunden mit regelbarer Blitzleistung, proportionaler Einstellichtdosierung, optischer und akustischer Abblitzkontrolle, Auslösung über Synchronkabel und Fotozelle. Mit diversen Reflektoren und Vorsätzen kann die Lichtführung und die Art des Blitzlichts (weich, hart, diffus, spotartig) frei bestimmt werden. Nur dadurch ist eine gezielte Objektmodulation durch Licht und Schatten möglich.

Je mehr Lampen im Studio zum Einsatz kommen, umso schwieriger ist es, diese aufeinander abzustimmen. Jede weitere Lampe führt beispielsweise zu zusätzlichen überschneidenden Schatten oder Spitzlichtern meist an den falschen Stellen. Hinzu kommt, dass sich bei einem Positionswechsel von nur einer Lampe die Wirkung der anderen auch ändert. Generell kann gesagt werden, dass nicht die Anzahl der Lampen für das Bildergebnis entscheidend ist, sondern mit welchem Licht gearbeitet wird. In der Studiofotografie wird zwischen diffuser und direkter Beleuchtung unterschieden. Diffuses Lampenlicht entsteht, wenn vor eine Lampe eine dünne Scheibe, beispielsweise aus Glasfieber, gesetzt wird. Dadurch, dass sich diffuses Licht gleichmäßig über das Modell verteilt, flachen die Konturen ab, die Schatten werden auf ein Minimum reduziert und die Haut wirkt weich und glatt. Direktes Licht bewirkt genau das Gegenteil. Es betont die Konturen und die Hautoberfläche, indem es kräftige Schatten und Spitzlichter schafft. Zu interessanten Bildergebnissen mit gar malerischem Effekt führt das Ausspielen der beiden kontrastierenden Lichtmerkmale gegeneinander.

Das Frontalblitzen mit dem Kamerablitz oder einem Aufsteckblitzgerät führt zu einer recht harten Beleuchtung, die nicht immer erwünscht ist. Abhilfe kann das indirekte Blitzen schaffen. Mit Aufsteckblitzgeräten mit dreh- und schwenkbarem Reflektor wird das Blitzlicht nicht direkt zum Motiv, sondern gegen die Decke oder die Wand abgestrahlt und dann zum Motiv reflektiert. Das erzeugt eine relativ gleichmäßige, weiche und schattenarme Beleuchtung. Eine Art rudimentäre Lichtführung ist auch mit mehreren entfesselten Blitzgeräten möglich.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2015

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