Aktfotografie - Große Herausforderung an Fotografen und Modells

Michael Offen, Struktureller Akt Bildgalerie betrachten Michael Offen, Struktureller Akt

Die diesjährige thematische Vorgabe bei „Blende 2016“ mit „Beine aller Art“ ließ den Teilnehmern einen großen Spielraum der fotografischen Umsetzung. Dass da die Aktfotografie als Sujet nicht fehlen durfte, verwundert nicht. Wer meint, dass Amateurfotografen auf diesem Gebiet nicht ihr Handwerk verstehen, wird durch Blende-Wettbewerbsbeiträge wie die von Michael Offen eines besseren belehrt. Mit viel Geschick zeigt er viel und zugleich ganz wenig durch die geschickte Beleuchtung. Er wahrt die Intimität seines Modells, stellt ihre Schönheit heraus und lässt dem Betrachter Raum für Gedanken. Solch eine Aufnahme, wie sie Michael Offen gelungen ist, bedarf einen Sinn für Ästhetik, sehr viel Einfühlungsvermögen und eine Art Verliebtheit mit der Person vor der Kamera.

Das Sujet der Aktfotografie gilt als herausfordernd auf dem Weg zum fotografischen Erfolg. Von Vorbildern, und dies sind nicht nur namhafte Fotografen wie Michael Offen unter Beweis stellt, kann man gerade als Einsteiger in die Thematik der Aktfotografie eine Menge lernen – auch in Punkto Zurückhaltung, denn in Aktfotos muss man längst nicht alles zeigen was man sieht. Heikel wird es jedoch schnell, wenn man versucht, seine fotografischen Vorbilder zu kopieren. Das geht in den seltensten Fällen gut und schlägt eher in Slapstick um und das selbst dann, wenn man in Punkto Aktfotografie schon recht versiert ist. Der Grund dafür ist allein schon das Modell, das in seiner Anmutung oftmals nicht mit dem des Starfotografen mithalten kann. Hinzu kommt, dass es einem gerade als Einsteiger auch an entsprechendem Equipment und auch an Unterstützern mangelt, die beispielsweise Reflektoren zur besseren Ausleuchtung halten.

Herr über sein Fotoequipment

Grundvoraussetzung für gelungene Aufnahmen ist die Beherrschung des Fotoequipments. Kein Modell erfreut es, wenn der Fotograf erst einmal im Menü seiner Kamera nach entsprechenden Einstellungen suchen oder gar im Kamerahandbuch nachlesen muss. Von Vorteil sind auch umfangreiche Kenntnisse über Be- und Ausleuchtung, denn Fotografieren bedeutet nichts anderes als mit Licht zu malen.

Fotokurs – Wichtiger Schritt zum Erfolg

Gerade für Einsteiger in die Aktfotografie empfiehlt sich ein Fotokurs, der auch eine wertvolle Ideenschmiede sein kann. Zudem lernt man neben fotografischen Handgriffen auch den richtigen Umgang mit seinem Modell, wie man Bildideen gekonnt umsetzt, aber auch wie man gegebenenfalls seine eigene Scheu vor dem Modell ablegt.

Vor dem Shooting – Bildideen kreieren

Schon vor dem Shooting sollte man sich Gedanken machen, was man fotografieren möchte. Vollakt oder nur ein Teilakt? Vor einem neutralen Hintergrund oder irgendwo in einer passenden Umgebung? Fotoshootings nach dem Motto „Zieh Dich mal aus und dann schauen wir mal“ funktionieren in der Regel nicht und sind auch gegenüber dem Modell unfair. Die Modellauswahl erfolgt natürlich auch im Hinblick auf die Bildidee.

Modell – Die Chemie muss auf beiden Seiten stimmen

Es gibt diverse Agenturen über die man Modells buchen kann – immer mehr Personen vermarkten sich auch privat. Zahlreiche Fotobegeisterte greifen auch auf den Familien- und Freundeskreis zurück – das ist oftmals eine Gradwanderung auf beiden Seiten. Auch wenn man sich gut kennt, so liegt oftmals eine Hemmnis vor, die das Shooting erschweren kann. Bucht man ein fremdes Modell, so begegnet dieses dem Fotografen gegenüber zunächst mit Skepsis. Dies ist nachvollziehbar bei den schwarzen Schafen unserer Zeit. Vertrauen muss also aufgebaut werden und zwar im Vorfeld des Shootings. Dazu gehören entsprechende Unterlagen wie eine eigene Homepage, aber auch ein Treffen. Wenn die Chemie zueinander stimmt, dann ist dies schon einmal die halbe Miete zum Erfolg.

Wichtig sind auch schriftliche Vereinbarungen mit dem Fotomodell. Hier sollte beispielsweise geregelt sein, ob man die Aufnahmen öffentlich zeigen darf und was das Model für das Fotoshooting bekommt. Auch und gerade unter guten Bekannten sollte man sich möglichen Ärger ersparen, indem man solche Sachen schriftlich fixiert – dann wissen beide Seiten, worauf sie sich einlassen.

Respektvoller Umgang ist ein ungeschriebenes Gesetz. Auch, wenn er oder sie halbnackt vor der Kamera steht, ein Model ist kein Freiwild! Anmachsprüche sind ebenso wenig angesagt wie anzügliche Bemerkungen.

Weniger ist mehr – Aktfotografie heißt nicht unbedingt nackt

Weniger ist manchmal mehr, vor allem bei Aktfotos. Der Betrachter muss nicht einen voll ausgeleuchteten Körper auf dem Bild sehen. Manchmal ist es besser, etwas nur anzudeuten, eine nackte Brust beispielsweise im Schatten verschwinden zu lassen. Gute Aktfotos haben immer auch etwas Geheimnisvolles. Der Aktfotograf fotografiert keine Dokumentation für eine medizinische Fachzeitschrift.

Fotografisches Spiel mit den Möglichkeiten

Als Fotograf ist man Former der Situation. Dazu gehört das Spiel mit dem Licht. Viele Aktaufnahmen sind nicht ohne Grund Schwarzweiß. Diese haben oft mehr Ästhetik als Farbbilder, zumal dann nicht alle Hautunreinheiten sofort negativ auffallen. Schwarzweiß lebt aber vor allem von Hell und Dunkel. Das bedeutet darauf zu achten, wie das Licht fällt. Ein weiteres Gestaltungselement in der Fotografie ist das Spielen mit Schärfe und Unschärfe. Kommt es einem auch auf den Gesichtsausdruck an, dann gilt es auf die Augen scharfzustellen und nicht auf die Brust. Auch nicht, wenn der Autofokus unbedingt auf die Bildmitte scharf stellen will. Das menschliche Gehirn ist darauf trainiert, Gesichter anzuschauen, der Blick fällt meist auf Augen oder Mund. Die Perspektive entscheidet über die Wirkung von Aktfotografien ebenso wie der Hintergrund. Nichts ist störender, als ein Tischbein oder ein Baumstamm, der dem Fotomodell direkt aus dem Kopf wächst. Auch, wenn man mit Unschärfe und Belichtung den Blick des Betrachters lenkt, gilt es auf den Hintergrund zu achten und das dieser nicht vom Motiv ablenkt. Oft reicht es, den Aufnahmewinkel minimal zu ändern, um störende Elemente aus dem Bild zu haben.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

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