Analogfotografie - Kleiner Leitfaden auf dem Weg zur eigenen Dunkelkammer

Das Interesse an der eigenen Dunkelkammer wächst im gleichen Maße wie die Begeisterung für die Analogfotografie, also das Fotografieren auf Film. Die Hersteller berichten von einer deutlich ansteigenden Nachfrage nach Dunkelkammerequipment. Auch auf den Verkaufsportalen gehen die Preise nach oben, was ein weiteres Indiz für die steigende Nachfrage darstellt. Nachstehend ein kleiner Leitfaden zur Grundausstattung der eigenen Dunkelkammer.

Analogfotografie - Kleiner Leitfaden auf dem Weg zur eigenen Dunkelkammer

Was möchte man machen? – Filmentwicklung

Bevor man Investitionen tätigt sollte man für sich festlegen ob nur Filme entwickelt werden sollen die anschließend über einen Scanner digitalisiert werden. In diesem Fall braucht es lediglich:

  • Entwicklungsdose mit Spulen
  • Ein Thermometer
  • Chemie für die Filme, also Entwickler, Fixierer, Netzmittel
  • Vorratsflaschen für Chemie und Trichter
  • Ein Messbecher
  • Idealerweise auch noch eine Mensur für die Feinabstimmung
  • Eine Stoppuhr

Was möchte man machen? – Vergrößerungen

Ist es das Ziel, in der eigenen Dunkelkammer nach der Filmentwicklung seine eigenen Papiervergrößerungen zu erstellen, dann umfasst die Grundausstattung bei einem Schwarzweißlabor – ist am weitesten verbreitet – wenigstens:

  • Vergrößerer samt Vergrößerungsobjektiv und Timer
  • Satz Gradationsfilter (für Multigradationspapier)
  • Drei Schalen für Chemie
  • Drei Zangen, um die Papiere in die Chemie hinein zu legen und wieder heraus zu nehmen
  • Vergrößerungsrahmen – Macht das Leben einfacher
  • Dunkelkammerbeleuchtung
  • Entsprechende Chemie

Zum weiteren nützlichem Zubehör für die Dunkelkammer gehört: Belichtungsschaltuhr, Masken- und Kontaktrahmen, Kornscharfsteller, Leuchtpult, Negativlupe, Papiertresor, Papierschneidemaschine, Abwedler, Trichter, Wasserfilter, Labornotizbuch.

Herzstück der Dunkelkammer ist der Vergrößerer. Diese werden für Kleinbild, Mittel- und Großformat angeboten. Die beiden letztgenannten lassen sich mit entsprechendem Zubehör auch für kleinere Formate optimieren. Je nach Beleuchtungstechnik wird zwischen Kondensor- und Mischlichtvergrößerer unterschieden. Der klassische Vergrößerer für Schwarzweiß ist der Kondensorvergrößerer. Dieser, so ergab die Recherche, steht für schärfere und kontrastreichere Papiervergrößerungen. Möglicher Nachteil: Staub und Kratzer treten stärker hervor wenn nicht sauber gearbeitet wird.

Kleinbildnegative lassen sich in einem Gerät mit einem 50 mm-Objektiv problemlos vergrößern. Wer dagegen Mittelformatnegative zu Papier bringen möchte, sollte zu einem Objektiv mit mindestens 80 mm Brennweite greifen, da es sonst zu Abschattungen an den Rändern kommt. Alternativ kann auch ein spezielles Weitwinkelobjektiv eingesetzt werden, das allerdings ist vergleichsweise teuer. Gleichzeitig braucht deshalb eine Vergrößerung von einem Mittelformatnegativ viel mehr Platz – man möchte ja nicht nur Abzüge im Postkartenformat machen. Entsprechend sollte die Vergrößerung hier eine Nummer größer ausfallen. Auf jeden Fall sollte der Vergrößerer eine Filterhalterung oder -schublade haben. Beim Timer, also der Zeitschaltuhr für den Vergrößerer, sollte darauf geachtet werden, dass dieser einen separaten Schalter für den Fokus hat. Sonst muss zum Scharfstellen und Belichten immer an der Zeit gedreht werden. Digitale Geräte sind da sehr komfortabel zu bedienen.

Laborausrüstung – Kauf von Gebrauchtware

Bei der Hardware, und vor allem bei Gebrauchtwaren, sollte der Fokus in jedem Fall auf Markenware gelegt werden. Das ist nicht unbedingt nur eine Frage der Qualität, sondern auch eine Frage der Ersatzteilbeschaffung. Gut etablierte Marken sind in der Regel mit einer großen Anzahl von Produkten auch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Wer das beachtet, kann bei den Entwicklungsdosen beispielsweise kaum etwas falsch machen. Da bleibt dann nur noch die Frage, wie groß die Dosen eigentlich sein sollen. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen. Die Frage, welche die richtige ist, lässt sich mit einem Blick auf das verwendete Filmmaterial leichter beantworten. Wer üblicherweise Kleinbildfilme entwickelt, kommt mit einer mittelgroßen Dose gut zurecht. Denn auch, wenn die nur zu einem kleineren Teil gefüllt ist, bleibt der Chemie-Einsatz bei der Kipp-Entwicklungen gleich. Besonders kleine Dosen sind deshalb in der Regel nicht nötig. Wer Rollfilme entwickelt, also die Formate 110 und 220, und dies in großer Zahl, braucht eventuell von Anfang an eine größere Entwicklungsdose.

Beim Thermometer kann man kaum etwas falsch machen. Quecksilberthermometer sind nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu haben. Wir sicher gehen will, besorgt sich im Laborhandel ein Thermometer, das mit einer ungefährlichen Flüssigkeit gefüllt ist. Labormaterial bekommt man übrigens im Fachhandel, über das Internet – ein hilfsbereiter Apotheker kann dies ebenfalls bestellen.

Den Messbecher gibt es im Fachhandel oder in Küchengeschäften. Kam der Messbecher einmal im Fotolabor zum Einsatz, dann bitte dort belassen und nicht mehr zum Kochen benutzen. Die Stoppuhr muss nicht unbedingt das Tischmodell sein, wobei bei diesem eine gute Lesbarkeit garantiert ist. Gegebenenfalls geht auch ein Timer aus dem Discounter. Bleiben noch die Vorratsflaschen für die Filmchemie. Auch diese sind gebraucht erhältlich. Auf keinen Fall sollten dafür Getränkeflaschen verwendet werden, zu groß ist die Gefahr, dass ein Durstiger daraus mal einen großen Schluck nimmt.

Die Entwicklungsschalen kauft man idealerweise in drei verschiedenen Farben, um immer wieder die gleichen Schalen für Entwickler, Stoppbad und Fixierer verwenden zu können. Und auch bei den Zangen sollte man nicht sparen, sondern drei verschiedene einsetzen. Die werden dann immer nur in eine Richtung bewegt, vom Entwickler ins Stoppbad, vom Stoppbad in den Fixierer und vom Fixierer zur Schlusswässerung. Wer nämlich sein Stoppbad in den Entwickler verschleppt, kann ganz schnell sein blaues Wunder erleben, wenn der Entwickler umkippt.

Und wie ist das eigentlich mit dem Trocknen von Filmen? Auch dafür gibt es eine günstige Lösung. Entweder man kauft gebrauchte Filmklammern oder aber man greift zu Wäscheklammern. Allerdings rutschen nasse Filme gerne aus Plastikklammern heraus, deshalb hier der ultimative Tipp: Wäscheklammern aus Holz benutzen.

Ist der Gebrauchtkauf der Hardware im Prinzip problemlos möglich, sollte man beim Kauf von Chemie und Papier schon vorsichtiger sein. Denn Chemie hält nur eine gewisse Zeit lang, es sei denn, sie liegt als Pulver vor. Heikel ist auch Fotopapier, da es mit den Jahren an Qualität verliert, vor allem, wenn es nicht sachgerecht gelagert wird. Wenn dann ein unbedarfter Verkäufer sein Papier auch noch auf dem Küchentisch ausbreitet, um es für eine Auktion zu fotografieren, dann ist dieses Fotopapier ohnehin hinüber. Das hört sich absurd an, kommt aber immer wieder vor. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man ein paar Euro mehr investiert und neue Ware im Fachhandel kauft.

Verdunkeln des Lobors

Wer nur Filme entwickelt, kann diese in einem Wechselsack, der möglichst groß sein sollte, auch im hellen Zimmer machen. Denn dunkel muss es nur sein, wenn die Filme aus der Filmdose in die Entwicklungsdose kommen. Das Hantieren mit Chemie und alle weiteren Arbeitsschritte können im Hellen erfolgen.

Wer allerdings Abzüge auf Papier machen möchte, der braucht tatsächlich eine Dunkelkammer – denn schließlich darf das Fotopapier auf keinen Fall Tageslicht ausgesetzt werden. Aber auch da gibt es die günstige Variante. So lassen sich Fenster mit Teichfolie aus dem Baumarkt (doppelt legen) wirkungsvoll verdunkeln. Dann bleibt vielleicht nur noch das Licht, das unter der Türe durchscheint. Aber da kann ja ein kleiner Teppich oder ein Handtuch Abhilfe schaffen. Dunkel sollte es in jedem Fall sein aber auch staubfrei. Ein Fliesenboden ist also ratsamer als Teppichboden. Kaum etwas falsch machen kann man bei der Dunkelkammerbeleuchtung. Rote, rotbraune oder gelbbraune Beleuchtung ist für die meisten PE-Papiere in Ordnung. Wird Spezial- oder Barytpapier eingesetzt, sollte man die Empfehlungen des Papierherstellers beachten.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2018

1 Kommentare

Es muss 120 und 220 Rollfilm heißen, nicht 110!!!

Walter Scheufen

von Walter Scheufen
17. Januar 2018, 17:31:01 Uhr

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