Photographieren von Aktionen auf Bühnen

Photographieren von Aktionen auf Bühnen Bildgalerie betrachten

Andreas Gugau

Das Photographieren von Aktionen auf Bühnen, ob Theater, Chinesischer Staats Circus oder Varietee, stellt eine photographische Herausforderung für jedermann dar. Das Licht ist nicht optimal und das Blitzen oft untersagt. Selbst wenn das Blitzen gestattet sein sollte, ist es ratsam, darauf zu verzichten, denn die vom Regisseur inszenierte Lichtstimmung würde eventuell verloren gehen und die Bildwirkung deutlich herabsetzen.

Die Spiegelreflexkamera in Verbindung mit einer lichtstarken Optik oder eine Meßsucherkamera sind für die Bühnenphotographie optimal. Eine hohe Anfangslichtstärke wird zum Scharfstellen benötigt. Meist kommt in der Bühnenphotographie ein Normalobjektiv mit 50 mm Brennweite zum Einsatz, wobei ein leichtes Teleobjektiv um die 80 mm aber auch seine Vorteile bietet. Ob man mit der Analogen- oder Digitalen-Kameraausrüstung die besseren Ergebnisse erzielt, ist umstritten. Digitalkameras haben ihre Vorzüge, aber gerade in extremen Bereichen der Photographie sind die Analogkameras ihnen überlegen. Wer analog photographiert, darf nicht am Filmmaterial sparen. Ratsam sind Filme mit 400 oder 800 ASA. Diafilme bieten intensivere Farben als Negativfilme. Oftmals verursacht das Scheinwerferlicht einen schweren Gelbstich, den selbst ein Profilabor kaum neutral filtern kann. Dies ist übrigens der Grund, warum die Hausphotographen vieler Bühnen großformatige Schwarzweißaufnahmen in die Schaukästen hängen.

Die richtige Belichtung bei rasch wechselnder Beleuchtung erfordert Geschick und auch Erfahrung. Selbst bei gleich bleibender Beleuchtung können Belichtungsmesser unter Umständen nicht die optimale Belichtungszeit angeben. Einen Anhaltspunkt liefert der Belichtungsmesser in jedem Fall, und Belichtungsreihen sind gerade in der Bühnenphotographie Pflicht.

Hinsichtlich der Nutzung von Kameraautomatiken gehen die Meinungen auseinander. Manche verzichten auf die Blenden- oder Zeitautomatik und experimentieren mit manuellen Einstellungen. Andere hingegen schwören auf die Kameraautomatik, wählen die Blende vor, und die Kamera bestimmt die optimale Belichtung. Ist der Bühnenhintergrund schwarz, so ist die Spotmessung ratsam. Verfügt die Kamera nicht über diese Option, sollte man die Automatik um eine Blende ins Minus drehen, also unterbelichten.

Es stehen zwei Wege offen, die Bewegungen auf der Bühne festzuhalten: Das Einfrieren der Bewegung auf dem Höhepunkt des Geschehens oder die mehr oder weniger starke Bewegungsunschärfe durch eine relativ lange Verschlußzeit. Um Klarheit zu gewinnen, welche Variante optimaler ist, sollte man die Aufführung vorher besuchen oder zumindest das Programmheft studieren. Wer sich nicht entscheiden kann, der zieht sich aus der Affäre, indem er eine kurze Verschlußzeit zusammen mit einem Trickfilter zur Darstellung der Bewegung verwendet.

Gerade bei der Bühnenphotographie gilt es, den Auslöser so oft wie möglich zu betätigen. Die Praxis zeigt, daß von 36 Aufnahmen vier bis acht brauchbar sind - ein gutes Ergebnis, mit dem jeder zufrieden sein kann.
 

Fotografieren in der Praxis 12 / 2004

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