Architekturfotografie - Aktuelle Aufnahmegeräte machen sie für jeden möglich

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© Blende, Dennis Mohrmann, Postmodern

Die Architekturfotografie hat viele Gesichter und noch sehr viel mehr begeisterte Anhänger die ihr aktiv nachgehen. Täglich werden es mehr, die sich für dieses fotografische Sujet begeistern. Die Gründe sind Vielschichtig und mit Sicherheit einmal in den Bauwerken selbst aber auch in den heute zur Verfügung stehenden Aufnahmegeräten begründet. Zu früheren Zeiten war die Voraussetzung für brillante Architekturfotografien eine Großbildkamera. Diese hatte natürlich ihren Preis, den sich nicht jeder leisten konnte. Heutige Aufnahmegeräte, und erst recht die ganz aktuellen mit ihren hohem Auflösungsvermögen und ihren Features, bieten Qualitäten, mit denen sich jeder ohne Allzu tief in die Tasche greifen zu müssen, die Architekturfotografie erschließen kann. Den Möglichkeiten der Bildbearbeitungssoftware sei natürlich auch Dank – damit lassen sich beispielsweise architektonische Linien einfach entzerren.

Die Architekturfotografie unterliegt genauso wie die anderen Sujets in der Fotografie einem stetigen Wandel. Wie eingangs bereits ausgeführt, hat die aktuelle Architekturfotografie so viele Facetten – das macht sie so spannend und abwechslungsreich für den Fotografen, aber auch für den Betrachter. Heutige Architekturaufnahmen sind dementsprechend auch nicht mehr nur ein Spiegelbild architektonisch herausragender Schaffenskraft. Bei aller Faszination steigt ebenso die kritische Auseinandersetzung. Ein Beispiel hierfür sind die Betonwüsten mit all ihrer Uniformität. Da werden aber nicht nur einfach Abbilder geschaffen, sondern sehenswerte Kunstwerke. Das geschieht durch das fotografische Spiel mit den Möglichkeiten wie Über- und Langzeitbelichtungen oder beispielsweise der Einsatz von HDR. So entstehen Aufnahmen jenseits der eigentlichen visuellen Realität und das macht sie so faszinierend. Beliebt ist die Gegenüberstellung von Alt und Neu – dies kann ebenso der kritischen Betrachtung unterliegen wie der Intention, architektonische Zeitsprünge aufzuzeigen. Ebenso spannend ist das Formen- und Farbenspiel, das viele Architekturfotografen eingehen wodurch der Betrachter eine ganz andere Sicht auf die Bauwerke erhält. Eine weitere Option ist in Architekturaufnahmen das aktuelle Lebensgefühl zu verankern – also das Spiegelbild von Dynamik und Fortschritt, aber auch Lebendigkeit. Letzteres ist herausfordernd – durch die Einbeziehung des Menschen gelingt dies. Aktuelle Architekturfotografie, so der Eindruck, befreit sich zunehmend ihrer Sterilität. Dazu werden alle nur denkbaren Register der Fotografie gezogen. Es werden in einer Aufnahme verschiedene ineinanderwebende Ebenen geschaffen, die sich zu durchdringen scheinen. Abstraktheit ist das fotografische Mittel mit der Architekturaufnahmen geschaffen werden, die ihnen ihre Kraft verleihen. Der Mensch als Schatten, beziehungsweise Scherenschnitt, ist inmitten einer modernen Architekturkulisse aktuell sehr angesagt. Hier wird gespielt mit den Größenverhältnissen zwischen übermächtig wirkenden Bauwerken und den kleinen Lebewesen, die diese geschaffen haben.

Mit Weitwinkelobjektiven lässt sich in der Architekturfotografie sehenswerte Dynamik herstellen – der Einsatz von Teleobjektiven sorgt für das Gegenteil. Mit letztgenannten steht die Verdichtung des Motivs im Zentrum. Bei einer Brennweite ab zirka 100 mm sind Teleobjektive eine Alternative zu Shiftobjektiven, die für gerade stehende Gebäude sorgen. Natürlich hängt beim Einsatz von Teleobjektiven der Grad der Verzerrung auch vom Winkel ab, mit dem die Kamera zum Gebäude ausgerichtet ist. Augenmerk in der Architekturfotografie ist auf die Komposition zu legen und mit Licht sowie Schatten zu spielen. Bauwerke, die immer für ihre Zeitepoche stehen, lenken auch die Richtung, in die sich ihr Abbild bewegt. Glasarchitektur hat Hochkonjunktur und inspiriert zum Experiment mit Spiegelungen. Das können gegenüberliegende Gebäude ebenso sein, wie der Himmel mit seinem Wolkenspiel.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2016

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