Fototipp: Architekturfotografie - Hochhäuser

Die Architekturfotografie ist nahezu so vielseitig wie die Gebäude, die in den Fokus gerückt werden. Der große Vorteil der Architekturfotografie gegenüber beispielsweise der Tierfotografie ist, dass die Gebäude standfest sind und man für die Bildgestaltung nahezu alle Zeit der Welt hat. Sind die Lichtbedingungen mal nicht gut, so verschiebt man sein Vorhaben einfach auf den nächsten Tag. Sieht man in der Architekturfotografie seinen Schwerpunkt in dem bildlichen Festhalten von Hochhäusern, so ist auf Deutschland bezogen Frankfurt am Main mit den in die Höhe schnellenden Bauwerken immer eine Reise wert. Auch wenn diese Gebäude in der hessischen Metropole sehr sehenswert sind, so können sie mit jenen in Dubai oder beispielsweise Singapur nur ein stückweit mithalten. Kommen wir zurück nach Frankfurt am Main, so ist die EZB (Europäische Zentralbank) noch recht neu – ein Gebäude von gigantischer Dimension, das man mit auf seinem Zettel bei den möglichen Fotoobjekten haben sollte. Zu diesen gehört der Messeturm ebenso wie das Hochhaus „Die Krawatte“ und die zwei Türme der Deutschen Bank, die auch den „Blende 2016-Teilnehmer“ Jürgen Spitzer inspirierten. Er lichtete das Hochhaus nicht einfach nur ab, sondern verfolgte mit der Spiegelung in der Fassade eine Bildidee, die seinen „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „Hoch hinaus das Hochhaus“ so sehenswert macht. Seine Aufnahme von der Deutschen Bank hebt sich so von der Masse ab, zählt das Bauwerk zu den beliebtesten Fotomotiven der Mainmetropole. Und dies ist schon der erste Tipp: Nicht nur einfach ein Abbild schaffen sondern eine Bildidee verfolgen und diese umsetzen.

© Fotograf: Jürgen Spitzer, Hoch hinaus das Hochhaus, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jürgen Spitzer, Hoch hinaus das Hochhaus, Blende-Fotowettbewerb

Aufnahmeequipment – Was ist ratsam?

Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras sind für die Architekturfotografie durch die Option des Objektivwechsels prädestiniert. Sehr beliebt in der Architekturfotografie und gerade bei Hochhäusern ist der Einsatz sogenannter Shift-Objektive mit denen sich stürzende Linien vermeiden lassen. Hierbei handelt es sich um Spezialobjektive. Die Shift-Funktion verschiebt das gesamte Linsenpaket parallel zur Film- beziehungsweise Sensorebene. Dabei rückt die Mitte der optischen Achse vom Film- beziehungsweise Sensorfenster weg, das den Bildausschnitt definiert. Die klassische Anwendung findet das Shift-Verfahren in der Architekturfotografie. Wird das Objektiv nach oben verschoben, lässt sich eine Hausfassade vom Boden aus ohne stürzende Linien fotografieren, weil die Objektivebene parallel zum Motiv steht. Möglich wird das durch einen größeren Bildkreis als bei den sonst üblichen Linsen. Innerhalb dieses Bildkreises kann durch das Verschieben des optischen Apparats der für die Aufnahme genutzte Bildausschnitt frei gewählt werden.

Mit der Anschaffung eines Shift-Objektivs sollte man dann liebäugeln, wenn die Architekturfotografie der Schwerpunkt ist. Diese Objektive sind recht kostspielig und stürzende Linien lassen sich auch dadurch minimieren, dass man so weit wie möglich zurücktritt und heranzoomt. Die stürzenden Linien sind umso geringer ausgeprägt, je länger die Brennweite gewählt wird. Eine weitere Option ist es, einen erhöhten Standpunkt einzunehmen – zum Beispiel vom gegenüberliegenden Gebäude aus. Verfügt die Kamera über einen Panoramaassistenten, so hat man die Option, das Gebäude mit drei oder mehr Einzelbildern einzufangen die – je nach Fotoapparat – automatisch zu einer Aufnahme vereint werden. Bietet die Kamera diese Möglichkeit nicht, so muss auf ein Bildverarbeitungsprogramm zurückgegriffen werden. Zahlreiche Kameras sind mit Shift-Features ausgestattet. Diese leisten wie entsprechende Apps ganz gute Dienste und stellen preiswerte Ersatzlösungen dar. Für echte Fans kommt jedoch nur ein echtes Tilt-Shift-Objektiv in Frage.

Als Optik bieten sich in der Architekturfotografie Ultraweitwinkelobjektive aber auch Fisheye-Objektive an. Im Gegensatz zu konventionellen Nicht-Fischaugen-Objektiven ist seine Projektionsweise nicht gnomonisch. Gerade Linien, die nicht durch die Bildmitte laufen, werden gekrümmt abgebildet; die Abbildung ist stark tonnenförmig. Es bildet Flächenverhältnisse meist getreuer ab als ein gewöhnliches, gnomonisch projizierendes Weitwinkelobjektiv und besitzt einen sehr großen Bildwinkel (meist 180° in der Bilddiagonalen, im Extremfall sogar bis zu 220°), der mit einer kurzen Brennweite und der speziellen Projektionsweise erreicht wird; Bildwinkel von 180° oder mehr sind mit der konventionellen gnomonischen Projektionsweise nicht erreichbar. Trotz der außergewöhnlich großen Bildwinkel ist der Helligkeitsabfall zum Bildrand hin relativ leicht korrigierbar, weil der Abbildungsmaßstab zum Bildrand immer kleiner wird und sich das Licht somit auf eine kleinere Fläche konzentriert. Beim Einsatz von Fisheye-Objektiven gilt es darauf zu achten, dass der Horizont durch die Bildmitte läuft.

Aufnahmetipps:

  1. Benutzen Sie ein Stativ, am besten immer
  2. Vermeiden Sie stürzende Linien oder setzen Sie sie gezielt als Gestaltungsmitteln ein
  3. Drehen Sie auch mal die Kamera
  4. Wählen Sie den Ausschnitt ihres Bildes sorgsam
  5. Achten Sie darauf, was noch im Bild ist
  6. Achten Sie auf ausreichend Schärfentiefe
  7. Achten Sie auf das Licht
  8. Gehen Sie für Nachtaufnahmen rechtzeitig los
  9. Setzen Sie dem starren Gebäude etwas Bewegung gegenüber
  10. Setzen Sie, falls erforderlich, Filter ein

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie dem „Blende“-Teilnehmer Jürgen Spitzer gelungen ist, notwendig ist. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2017

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