Architekturfotografie - Städteplaner sorgen für visuelle Visitenkarten

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Die Architekturfotografie ist ein überaus spannendes und facettenreiches Thema, denn zum einen mangelt es an Bauwerken nicht und zum anderen laufen sie nicht weg. Interessant im Zusammenhang mit der Architekturfotografie ist, dass es längst zur Planungsphase von neuen Gebäuden in den Städten gehört, visuelle Visitenkarten mit neu entstehenden Gebäuden zu schaffen. Dabei ist der fotografische Blick der dominante in der Stadtwahrnehmung geworden – dies ist in Bezug auf Investoren und Touristen von bedeutungsvoller Relevanz. Anders als früher, das haben Untersuchungen ergeben, bereisen Besucher von Städten sie nicht mehr ausschließlich, um Attraktionen im Original zu bestaunen, sondern um sich das fotografisch und filmisch bestaunte vor Ort und im Original bestätigen zu lassen und aus der eigenen Perspektive bildlich zu fixieren.

Vielsagende Architekturaufnahmen gelingen mit hochwertigen Kompaktkameras und entsprechender Optik ebenso wie mit Spiegelreflex- und kompakten Systemkameras, die durch die Option des Objektivwechsels für die Architekturfotografie prädestiniert sind. Als Optik bieten sich Ultraweitwinkelobjektive, aber auch Fisheye-Objektive an. Im Gegensatz zu konventionellen Nicht-Fischaugen-Objektiven ist ihre Projektionsweise nicht gnomonisch. Gerade Linien, die nicht durch die Bildmitte laufen, werden gekrümmt abgebildet; die Abbildung ist stark tonnenförmig. Es bildet Flächenverhältnisse meist getreuer ab als ein gewöhnliches, gnomonisch projizierendes Weitwinkelobjektiv und besitzt einen sehr großen Bildwinkel (meist 180 Grad in der Bilddiagonalen, im Extremfall sogar bis zu 220 Grad), der mit einer kurzen Brennweite und der speziellen Projektionsweise erreicht wird; Bildwinkel von 180 Grad oder mehr sind mit der konventionellen gnomonischen Projektionsweise nicht erreichbar. Trotz der außergewöhnlich großen Bildwinkel ist der Helligkeitsabfall zum Bildrand hin relativ leicht korrigierbar, weil der Abbildungsmaßstab zum Bildrand immer kleiner wird und sich das Licht somit auf eine kleinere Fläche konzentriert. Beim Einsatz von Fisheye-Objektiven gilt es darauf zu achten, dass der Horizont durch die Bildmitte läuft. Sehr beliebt in der Architekturfotografie ist auch der Einsatz sogenannter Shift-Objektive, mit denen sich stürzende Linien vermeiden lassen. Hierbei handelt es sich um Spezialobjektive. Die Shift-Funktion verschiebt das gesamte Linsenpaket parallel zur Film- beziehungsweise Sensorebene. Dabei rückt die Mitte der optischen Achse vom Film- beziehungsweise Sensorfenster weg, das den Bildausschnitt definiert. Die klassische Anwendung findet das Shift-Verfahren in der Architekturfotografie. Wird das Objektiv nach oben verschoben, lässt sich eine Hausfassade vom Boden aus ohne stürzende Linien fotografieren, weil die Objektivebene parallel zum Motiv steht. Möglich wird das durch einen größeren Bildkreis als bei den sonst üblichen Linsen. Innerhalb dieses Bildkreises kann durch das Verschieben des optischen Apparats der für die Aufnahme genutzte Bildausschnitt frei gewählt werden. Mit der Anschaffung eines Shift-Objektivs sollte man dann liebäugeln, wenn die Architekturfotografie der Schwerpunkt ist. Diese Objektive sind recht kostspielig und stürzende Linien lassen sich auch dadurch minimieren, dass man so weit wie möglich zurücktritt und heranzoomt. Die stürzenden Linien sind umso geringer ausgeprägt, je länger die Brennweite gewählt wird. Eine weitere Option ist es, einen erhöhten Standpunkt einzunehmen – zum Beispiel vom gegenüberliegenden Gebäude aus. Verfügt die Kamera über einen Panoramaassistenten, so hat man die Option, das Gebäude mit drei oder mehr Einzelbildern einzufangen die – je nach Fotoapparat – automatisch zu einer Aufnahme vereint werden. Bietet die Kamera diese Möglichkeit nicht, so muss auf ein Bildverarbeitungsprogramm zurückgegriffen werden.

Ein Stativ ist in der Architekturfotografie ebenso Pflicht wie ein hochwertiger Kopf mit einer Wasserwaage. Betrachtet man die unzähligen Architekturaufnahmen auf diversen Portalen, so ist immer wieder festzustellen, dass sie an Brillanz gewinnen würden, wenn sie gerade ausgerichtet worden wären. Das beste Licht für Architekturaufnahmen ist am Morgen und am Abend, weil dann die Strukturen an den Fassaden besser herausgearbeitet werden können.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2014

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