Wie man in der Architekturfotografie visuelle Volltreffer landet

Viele fotografische Stellschrauben stehen zur Verfügung

© Fotograf: Lorenza Cancian, Linienführung, Blende-Fotowettbewerb
Lorenza Cancian, Linienführung, Blende-Fotowettbewerb

Imposante Gebäude, wobei jeder darunter etwas anderes versteht, lassen einen die Kamera und das Smartphone zücken, um sie in sehenswerten Bildern zu verewigen und auch andere daran teilhaben zu lassen. Insbesondere wenn Architekturaufnahmen über Netzwerke wie Instagram oder Facebook um die Welt gehen oder als Wettbewerbsbeiträge zu Fotowettbewerben wie „Blende“, mit seiner großen Öffentlichkeit, eingereicht werden, so ist jede Fotografie für sich ein wichtiger Werbebotschafter. Städte wie Frankfurt am Main, Hamburg, New York, Barcelona, London etc. profitieren von diesen Aufnahmen, locken diese nicht nur die Touristen an, sondern auch gezielt Hobbyfotografen. Oftmals, so scheint es, prägen die veröffentlichten Aufnahmen Fotopoints, die als solche nicht unbedingt ausgewiesen sind. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn Architekturaufnahmen wahre Eyecatcher sind. Die nachstehenden Tipps geben Anregungen, wie man in der Architekturfotografie visuelle Volltreffer landet.

Nicht abkupfern, also keine Kopien

Die sogenannten Fotopoints – ob kenntlich oder unausgesprochen – liefern wertvolle Anhaltpunkte, von welchem Kamerastandpunkt aus sehenswerte Aufnahmen gelingen können. Möchte man sich jedoch mit seinen Architekturaufnahmen von bereits vorhandenen abheben und keine Kopien schaffen, so ist es notwendig, eigene Fotopoints, zu finden, die eine neuerliche Sicht auf Gebäude zulassen.

Erobern und nicht nur ablichten

Eigene Fotopoints setzen die sogenannte Eroberung von Gebäuden voraus. Das bedingt, sich intensiv mit dem Objekt auseinanderzusetzen. Dazu gehören das Umlaufen des Gebäudes ebenso wie es auch der Entfernung und der Nähe visuell für sich zu erschließen. Die Zeit hat man, da Bauwerke bekanntermaßen nicht weglaufen.

Aufnahmeideen während der Eroberung kreieren

© Fotograf: Klaus Lenzen, stiefmütterlich, Blende-Fotowettbewerb
Klaus Lenzen, stiefmütterlich, Blende-Fotowettbewerb

Während das Bauwerk in Augenschein genommen wird ist es ratsam, gleichzeitig seiner fotografischen Kreativität freien Lauf zu lassen, und sich Gedanken darüber machen, auf was man sich fokussieren möchte und mit welchen Aufnahmefeatures die gewünschte Bildaussage gesteigert werden könnte. So kann beispielsweise der fotografische Schwerpunkt in Ecken und Kanten – eins der thematischen Vorgaben für „Blende 2018“ – liegen oder zum Beispiel in Spiegelungen. In diesem Zusammenhang ist auch die Entscheidung zu treffen, ob man nur einen Gebäudeausschnitt zeigen möchte oder das Bauwerk in seiner Gesamtheit. Ein Notizbuch ist ein sehr nützlicher Helfer – Ideen kommen und gehen.

Mit der Perspektive spielen

Der Kamerastandpunkt entscheidet über die Bildwirkung. Als Fotograf sollte man seine Komfortzone gegebenenfalls auch einmal verlassen und nicht nur in die Hocke gehen, sondern sich beispielsweise auf den Boden legen und die Froschperspektive wählen.

Abwarten und sich in fotografischer Geduld üben bis das Licht stimmt

Aus der Tierfotografie kennt man, dass Ausdauer und Geduld Voraussetzung für den Bilderfolg sind. Nicht anders verhält es sich in der Architekturfotografie, die jedoch besser vorhersehbar ist. Entscheidend ist das Licht, ist doch die Fotografie nichts anderes als mit Licht zu malen. Licht ist der entscheidende Former. Eine noch so gute Bildidee kommt nicht zum Tragen, wenn die Lichtbedingungen nicht darauf abgestimmt sind. Das bedeutet für die Architekturfotografie Bauwerke nicht nur einmal, sondern gegebenenfalls mehrere Male aufzusuchen.

In der Mittagszeit kann man als Architekturfotograf eine Pause einlegen. Da die Sonne senkrecht steht fehlt die räumliche Modellierung – Fassaden erscheinen „platt“ und dadurch langweilig.

Die Blaue Stunde, sie umfasst das Zeitintervall kurz vor dem Sonnenauf- und kurz nach Sonnenuntergang, ist zum Beispiel perfekt für die Architekturfotografie geeignet. Die Bezeichnung für die blaue Stunde resultiert aus der charakteristischen Blaufärbung des Himmels. Die Farbe des Lichtes ist wärmer als am Tag, denn die Strahlen legen einen größeren Weg zurück. Da die kälteren blauen Anteile von der Atmosphäre herausgefiltert werden, enthält das Licht einen größeren Anteil an roten und gelben Strahlen. Schatten erscheinen dagegen blau, weil ihnen goldenes Sonnenlicht fehlt und sie das Blau des Himmels reflektieren.

Wolken mit einbeziehen

© Fotograf: Thorsten Laudien, Tower, Blende-Fotowettbewerb
Thorsten Laudien, Tower, Blende-Fotowettbewerb

Wird der Himmel in der Architekturfotografie mit einbezogen, so ist das Augenmerk auch auf ihn zu richten. Ein bewölkter Himmel sorgt für indirektes und diffuses Licht – es bilden sich keine Schlagschatten. Die Farben, sofern nicht in Schwarzweiß fotografiert wird, sind nicht so kräftig ausgeprägt. Die Bildspannung kann gegebenenfalls durch den Wechsel in den Schwarzweißmodus oder durch Eliminierung der Farbe mittels Bildbearbeitung erhöht werden. Eine weitere Option ist HDR – oftmals wirken die Architekturaufnahmen dann dramatischer.

Aus fotografischer Sicht ist ein mit weißen Wolken durchzogener Himmel wesentlich interessanter als wenn er nur rein blau ist. Jetzt kommen wieder Geduld und Ausdauer zum Tragen, denn es gilt die bestmögliche Wolkenformation abzuwarten. Da Wolken sich oftmals schneller bewegen als man denkt, ist die Aktivierung der Serienbildfunktion ratsam.

Mit Regeln brechen

In der Fotografie gibt es unzählige Regeln wie beispielsweise den goldenen Schnitt. Doch es ist kein Muss, sich an die fotografischen Regeln zu halten. Wird mit diesen gebrochen, so ist es wichtig, Kenntnisse über sie zu haben. Man sieht es Aufnahmen in der Regel an, ob bewusst mit fotografischen Regeln gebrochen wurde.

Im Detail die fotografische Chance sehen

Hausfassaden sind ohne Frage fotografisch lohnenswerte Objekte. Doch auch dem Detail sollte man Beachtung schenken ist es mit ein Schlüssel dafür, sich mit seinen Fotografien aus der Bildermasse abzuheben. Sofern möglich gilt es mit Formen und Strukturen fotografisch zu spielen.

Das Stativ, die dritte Hand des Fotografen, nutzen

Das Stativ zählt mit zum wichtigsten Fotozubehör und es sollte insbesondere in der Architekturfotografie bestmöglich immer zum Einsatz kommen. Denn ein Architekturfoto sollte schon gerade stehen. Das gilt selbstverständlich auch für Gebäude, die selbst schief in der Landschaft stehen. Der schiefe Turm von Pisa ist so ein Beispiel. Wie schief der wirklich ist, sieht man nur, wenn das Bild an sich gerade aufgenommen wurde. Bei den meisten Kameras ist es heute möglich, ein Gitter einzublenden. Das ist ein wichtiges Kamerafeatures denn es hilft, die Kamera gerade auszurichten. Sollte die Kamera darüber nicht verfügen, so sollte man über die Anschaffung einer Gittermattscheibe nachdenken.

Scharf ist schärfer

Auf die Schärfentiefe ist zu achten. Gerade bei Architekturaufnahmen sollten alle wichtigen Teile des Bildes auch wirklich scharf sein. Das bedeutet Abzublenden jedoch nicht bis zur kleinsten Blende. Denn dann kann es zu Unschärfe durch Beugung kommen. Wenn das Objektiv als kleinste Blende 22 hat, dann ist 16 der kleinste Wert, den man verwenden sollte.

Bildformat – Welches ist das passende?

© Fotograf: Dietmar van der Linden, Lichtbogen, Blende-Fotowettbewerb
Dietmar van der Linden, Lichtbogen, Blende-Fotowettbewerb

Als Bildformate stehen das Hoch-, Quer-, Panorama- und das quadratische Bildformat zur Verfügung. Derzeit absolut angesagt ist das Quadratische. Für welches Bildformat man sich entscheidet hängt in erster Linie vom Motiv ab. Für Aufnahmen von Hochhäusern kommt bevorzugt das Hochformat zum Einsatz während das Querformat bei Detailaufnahmen hoch im Kurs steht. Das quadratische Bildformat ist für Detailaufnahmen ebenso bestens geeignet und wenn es beispielsweise bei einer nachträglichen Ausschnittbestimmung um die Fokussierung auf das Wesentliche geht.

Welche ist die perfekte Kamera für die Architekturfotografie?

Durch die Option des Objektivwechsels sind kompakte System- und Spiegelreflexkameras perfekt für die Architekturfotografie geeignet. Als Objektive bieten sich in jedem Fall ein Weitwinkel- und ein leichtes Teleobjektiv an. Welche Optik zum Einsatz kommt hängt schlichtweg von der Intention ab, die man als Fotograf verfolgt. So sind in der Architekturfotografie Tilt-Shift Objektive angesagt, weil sich mit ihnen stürzende Linien verhindern lassen. Immer mehr Kameramodelle haben die Tilt-Shift-Funktion inzwischen übrigens softwareseitig integriert. Mit einer hochwertigen Kompaktkamera mit einem größeren Zoombereich gelingen natürlich auch überzeugende Architekturaufnahmen. Von Vorteil ist, wenn die Kamera die Option der manuellen Einflussnahme zulässt. Das Smartphone, auch wenn sie in Punkto Foto und Video immer besser werden, ist aufgrund der zu Kameras begrenzen Möglichkeiten, nur bedingt für die Architekturfotografie geeignet. Hinzu kommt, dass Smartphone den Kameras klar unterlegen sind, wenn die Lichtbedingungen nicht optimal sind. Und auch in Punkto Energieversorgung sind Smartphones den Kameras klar unterlegen.

Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 04 / 2018

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