Architekturfotografie - Zehn Tipps für bessere Fotos

Die Architektur von Gebäuden bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Profanität und Faszinierendem. Und wer Fotos von Gebäuden macht, muss sich oft entscheiden, ob er nur dokumentieren möchte oder mehr will – wie zum Beispiel eine Geschichte im Bild erzählen. Dabei müssen Architekturfotos nicht unbedingt „entweder oder“ sein: Man kann Gebäude auch spannend in Szene setzen und dem Bild trotzdem einen dokumentarischen Anstrich geben. Wie Sie bessere Architekturfotos machen, erfahren Sie in den nachstehenden 10 Tipps.

  1. © Fotograf: Roland Unger, Centerlines, Blende-Fotowettbewerb
    Benutzen Sie ein Stativ, am besten immer. Denn ein Architekturfoto sollte schon gerade stehen. Das gilt selbstverständlich auch für Gebäude, die selbst schief in der Landschaft stehen. Der schiefe Turm von Pisa ist so ein Beispiel. Wie schief der wirklich ist, sieht man nur, wenn das Bild an sich gerade aufgenommen wurde. Wenn für Ihre Kamera eine Gittermattscheibe erhältlich ist, sollten Sie über eine solche Anschaffung nachdenken. Denn das Gitter erleichtert das Ausrichten der Kamera. Wenn die Digitalkamera es erlaubt, kann auch ein eingeblendetes Gitter im Live-View sehr hilfreich sein.
  2. Vermeiden Sie stürzende Linien oder setzen Sie sie gezielt als Gestaltungsmitteln ein. Stürzende Linien entstehen, wenn die Kamera schräg nach oben gerichtet wird. Sie können verhindert werden, wenn der Fotograf entweder eine höhere Position einnimmt, so dass die Kamera gerade ausgerichtet werden kann. Oder es gibt die Möglichkeit, ein spezielles Objektiv, ein so genanntes Shiftobjektiv, zu verwenden. Dieses ermöglicht es, den Bildausschnitt nach oben zu verschieben, ohne dass es zu stürzenden Linien kommt. Ein Notbehelf ist bei der Bildbearbeitung die Perspektivenkorrektur. Allerdings gehen dabei nicht nur Pixel verloren, das Bild verliert insgesamt an Qualität. Nachträgliche Korrektur der Perspektive sollte deshalb, wenn möglich, von vornherein vermieden werden.
  3. © Fotograf: Axel Richter, Einsamkeit, Blende-Fotowettbewerb
    Drehen Sie auch mal die Kamera. Die meisten Fotos werden im Querformat aufgenommen. Aber gerade bei Architekturbildern kann auch ein hochformatiges Foto reizvoll sein. Denken Sie bei der Anschaffung eines Stativs beziehungsweise des Stativkopfs daran. Vor allem besonders günstige Modelle erlauben es oft nicht, die Kamera ins Hochformat zu schwenken. Was bei Architekturaufnahmen die Arbeit erleichtert, ist übrigens ein Getriebeneiger. Mit ihm können Sie die Kamera auch in sehr kleinen Schritten ausrichten. Mit einem Kugelkopf kann das schon zu einer sportlichen Herausforderung werden.
  4. Wählen Sie den Ausschnitt ihres Bildes sorgsam. Es muss nicht immer das gesamte Gebäude im Bild sein, manchmal kann auch der Teil eines Gebäudes sehr reizvoll sein. Vor allem bei spektakulärer Architektur entdeckt der Betrachter in Ausschnitten sehenswerte Konstruktionen. Gehen Sie um das Gebäude herum, wenn möglich auch hinein und lassen Sie das Gebäude ein wenig auf sich wirken, bevor Sie zur Kamera greifen. Wenn sie nur hinlaufen, abdrücken und dann weitergehen, haben Sie vielleicht ein Bild gemacht, aber das Gebäude möglicherweise gar nicht verstanden.
  5. Die meisten Fotografien haben nicht nur das Hauptmotiv im Bild, sondern auch einen Vordergrund und einen Hintergrund. Achten Sie darauf, was noch im Bild ist. Ein Baum am Bildrand kann durchaus reizvoll sein, steht er aber genau im goldenen Schnitt, dann kann er dem Hauptmotiv die Show stehlen. Ein Weg, der zum Gebäude führt, kann dagegen den Blick des Betrachters führen. Wollen Sie ein Gebäude so aufnehmen, dass es alleine wirkt, sollten Sie vor allem auf die Ränder achten. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass ein Gebäude in einer Innenstadt eben nicht ganz alleine stehen sollte. Lassen Sie die Häuserecken der umliegenden Bauten noch ein wenig ins Bild ragen, um den Charakter der städtischen Bebauung zu betonen.
  6. © Fotograf: Petra Rückel, und sie dreht sich doch, Blende-Fotowettbewerb
    Achten Sie auf ausreichend Schärfentiefe. Gerade bei Architekturaufnahmen sollten alle wichtigen Teile des Bildes auch wirklich scharf sein. Blenden Sie dazu an ihrem Objektiv ab, allerdings nicht bis zur kleinsten Blende. Denn dann kann es zu Unschärfe durch Beugung kommen. Wenn das Objektiv als kleinste Blende 22 hat, dann ist 16 der kleinste Wert, den Sie verwenden sollten.
  7. Achten Sie auf das Licht. Wird das Gebäude frontal von hoch stehender Sonne angestrahlt, dann kann es platt wirken. Besser ist es, früher oder später zum Fotografieren zu gehen, um einen flacheren Einfallswinkel des Sonnenlichts zu erhalten. Dadurch werden Fassaden besser dargestellt, Simse, Verzierungen und Fenster wirken plastischer. Wenn möglich, dann schauen Sie sich das Gebäude zu verschiedenen Tageszeiten an, um den besten Zeitpunkt für ein Foto zu finden. Unproblematischer ist es, bei Bewölkung zu fotografieren.
  8. Gehen Sie für Nachtaufnahmen rechtzeitig los. Vor allem dann, wenn ein Gebäude angestrahlt wird, sollten Sie nicht warten, bis es stockfinster ist. Die besten Ergebnisse erhält man während der sogenannten blauen Stunde. Das ist die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit, somit ist gewährleistet, dass das Gebäude zum einen nicht in einem schwarzen Loch steht, zum anderen wird die oft unregelmäßige Beleuchtung durch das restliche Tageslicht ausgeglichen.
  9. © Fotograf: Timo Stark, Alter Elbtunnel, Blende-Fotowettbewerb
    Setzen Sie dem starren Gebäude etwas Bewegung gegenüber. Das kann ein Fußgänger sein, der durch eine lange Belichtungszeit verwischt, oder ein Radfahrer oder vielleicht auch eine viel befahrenen Straße, die vor allem in der Dämmerung lebendig wirkt. Dann nämlich zeichnen sich die Lichter der Autos als Streifen im Bild ab. Auch ein See oder ein Fluss am unteren Bildrand kann eine solche Aufnahme lebendiger wirken lassen.
  10. Setzen Sie, falls erforderlich, Filter ein. Der klassische Filter für Schwarzweißaufnahmen ist der Rotfilter. Er lässt einen blauen Himmel dunkel erscheinen und hellt im Gegenzug weiße Fassaden deutlich auf. Mit einem roten Filter aufgenommene Bilder wirken dramatisch. Etwas weniger Dramaturgie liefert ein orangefarbener Filter. Ein Polarisationsfilter sorgt dagegen für brillantere Farben und bessere Kontraste. Dadurch werden auch Details bei Architekturaufnahmen besser abgebildet. Polarisationsfilter gibt es in einer zirkularen und linearen Version. Lineare Polarisationsfilter können bei der Belichtungsmessung allerdings Probleme machen.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2014

14 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
3 Kommentare

Tipp 11 ist m.E. nicht richtig. Es gilt die Panoramafreiheit.

von Hans Jörg Klemenz
03. Februar 2014, 10:28:39 Uhr

Es ist ein Wunschtraum eines jeden Häuslebesitzers oder Architekten, dass er gefragt werden muss, wenn sein Gebäude fotografiert und veröffentlicht wird. Die einschlägige Fachliteratur kommt aber ausnahmslos zu dem Schluss, dass das ein Wunschtraum ist. Einschränkungen gibt es nur, wenn die Bilder rchtswidrig aufgenommen wurden, also wenn dazu erstmal ein Hausfriedensbruch notwendig war. Und es muss auch kein Architekt genannt werden. Auch das ist Wunschdenken der Architektenkammern hierzulande.

von Andreas
30. Januar 2014, 14:31:31 Uhr

Aus zehn werden 11 Tipps - wir sind darauf hingewiesen worden: Der rechtliche Aspekte muss beachtet werden. Sind die Fotos ausschließlich für private Zwecke, darf fotografiert werden je nach gusto. Andernfalls ist der Architekt des Gebäudes zu fragen, in jedem Fall muss der Architekt deutlich sichtbar beim Foto angegeben werden.

von Prophoto
29. Januar 2014, 13:16:40 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden