Ein Licht am Horizont - Lichter der Küsten

Leuchtturm Bildgalerie betrachten

“Leuchtturm”
Paula Faust

Leuchttürme haben ihren ganz eigenen Charme. Für Seefahrer sind sie ein wichtiger Wegweiser. Für alle anderen sind sie Symbol der Hoffnung, Romantik und nicht zuletzt ein überaus beliebtes Photomotiv: Leuchttürme übermitteln auf jeder maritimen Urlaubskarte Grüße von der See - umso schwerer für den Hobbyphotographen, einen Blick auf die Wächter an den Küsten zu entdecken, der nicht schon x-mal abgelichtet wurde und der den Betrachter noch zum Staunen statt zum Gähnen bringen kann.

Leuchttürme scheinen auf den ersten Blick ein einfaches Photomotiv zu sein. Dem ist aber nicht so. Zunächst gilt es, sich zwischen Architektur- und Landschaftsphotographie zu entscheiden. Wird der Architekturphotographie der Vorzug gegeben, so macht sich schnell ein Problem bemerkbar, das - ist es nicht als Gestaltungselement etwa zur Steigerung der Dramatik gewollt - jeder Photograph zu bewältigen hat, nämlich die stürzenden Linien. Die Seiten des Leuchtturms scheinen sich zu krümmen und lassen die Aufnahme „wind“schief erscheinen - diese sind bei Weitwinkelaufnahmen stärker ausgeprägt, als beim Einsatz von Teleobjektiven, Abhilfe schafft bei Spiegelkameras ein Shift-Objektiv. Umgehen kann man die stürzenden Linien auch, indem einfache bildgestalterische Regeln beachtet und die Umgebung mit einbezogen wird.

Möchte der Photograph nicht auf das Weitwinkelobjektiv verzichten, verringert ein größerer Abstand sowie ein erhöhter Standpunkt die stürzenden Linien. Am effektivsten ist es, einen Ort aufzusuchen, der auf der Hälfte der Höhe des Leuchtturms liegt. Dies führt natürlich dazu, daß mehr von der umgebenden Landschaft auf das Bild gelangt. Das muß nicht von Nachteil sein, ist der Leuchtturm nicht so verschwindend klein, daß der Betrachter ihn förmlich suchen muß. Die Einbeziehung eines zusätzlichen Bezugspunktes kann die Bildspannung erhöhen. Das Gleiche gilt für das Spiel mit Vorder- und Hintergrund. So ruft das Schaf hier in der Beispielaufnahme räumliche Tiefe hervor. Insbesondere in den frühen Morgenstunden, kurz vor und nach dem Sonnenaufgang und zum Sonnenuntergang sowie zur „Blauen Stunde“ - wenn die letzten Sonnenstrahlen noch mit dem nächtlichen Blau konkurrieren - ist die optimale Zeit, um den Leuchtturm ins rechte Licht zu rücken. Die seitlich einfallenden Strahlen zaubern Plastizität ins Bild und verleihen dem Leuchtturm einen harmonischen warmen Schimmer. Der Vorteil der frühen oder späteren Tageszeit ist auch, daß sich mögliche Touristenströme in Grenzen halten. Mit abnehmendem Umgebungslicht erscheinen Leuchttürme als Silhouette, das kann durchaus reizvoll sein, auch wenn dann die typischen rotweißen oder beispielsweise schwarzweißen Streifen nicht mehr erkennbar sind.
 

Fotografieren in der Praxis 02 / 2005

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