Astrofotografie - Himmlische Leuchtspuren

Die Faszination für Himmelskörper – Sterne und Mond – aber auch Wetterphänomene mit Gewitterblitzen ist groß. War die Astrofotografie früher insbesondere Profi- und sehr engagierten Amateurfotografen vorbehalten, so kann sich heute jeder diese Motivpalette erschließen, die in der fotografischen Interpretation nahezu grenzenlos ist. Von Vorteil sind Grundkenntnisse in der Sternenkunde. So variieren die Leuchtkräfte von Sternen ebenso wie ihr Gewicht und ihre Farben, was sie fotografisch auch so interessant macht. Die Leuchtkräfte von Sternen sind übrigens umso imposanter, je dunkler die Umgebung ist, was bei Halbmond gewährleistet ist. Fotografen sollten in der Regel aber nicht nur den Vollmond meiden, sondern sozusagen auch das Weite suchen und Städte – auch wegen ihrer Dunstglocken – sowie andere beleuchtete Orte wie Flughäfen meiden, wenn sie Sterne überzeugend ablichten wollen.

Pascal Kamm, Riffelsee, Blende-Fotowettbewerb
Pascal Kamm, Riffelsee, Blende-Fotowettbewerb

Fotografische Regeln sind dazu da, auch gebrochen zu werden, wie es der „Blende“-Teilnehmer Pascal Kamm in seinem Wettbewerbsbeitrag „Riffelsee“ getan hat, der such bewusst für das Vollmondlicht entschieden hat. Er führt zu seiner Aufnahme aus: „Ich war vor einem Jahr schon mal an diesem wunderschönen Ort und wusste von da an, dass ich hier hin zurückkehren möchte. Jedoch hat es ziemlich genau ein Jahr gedauert, da dieses Bild von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Zum einen wollte ich den Himmel so wolkenlos wie möglich haben, um die Sternspuren möglichst optimal einzufangen. Zum anderen sollte es eine möglichst windstille Nacht sein, da sonst die Oberfläche des Sees geriffelt ist (daher auch der Name) und dies den spiegelnden Effekt sehr reduziert, wenn nicht sogar total zerstört. Des Weiteren spielt auch das Licht eine große Rolle. Obwohl viele Fotografen für die Astrofotografie eine Neumondnacht bevorzugen, mag ich es sehr, dass Mondlicht mit einzubeziehen in meine Bilder. In dieser Nacht ging der Mond ziemlich genau hinter der Kamera auf und hat die Szene in ein wunderschönes Licht getaucht. Ich habe versucht, eine Balance zu finden zwischen nächtlicher Stimmung und doch ein wenig Licht, um die Berge sowie die Spiegelung zu betonen.“

Steffen Sennewald, Lullus hält Wacht, Blende-Fotowettbewerb
Steffen Sennewald, Lullus hält Wacht, Blende-Fotowettbewerb
Vor dem Rathaus in Bad Hersfeld wacht tagaus und tagein Lullus über die Geschicke der Herschfeller. Da sich in Bad Hersfeld fast alles auch um unseren Bruder Lolls dreht, habe ich ihn so nah wie möglich in den Mittelpunkt unseres Universums platziert. Dem ersten Abt des ehemaligen Klosters Hersfeld ist das alljährliche Lullusfest um den 16. Oktober gewidmet – es ist nicht das größte, aber dafür das älteste Volksfest in Deutschland.

Einen wahrer Trend ist es, Sternenbahnen – also himmlische Leuchtspuren – zu fotografieren. Diese sind mit bloßem Auge nicht sichtbar und eine Folge der Erdrotation. Spätestens nach 20 Sekunden Belichtungszeit wird diese in Fotos sichtbar. Notwendig ist hierfür eine automatische Nachführeinrichtung, die die Erdrotation kompensiert. Je nach Positionierung der Kamera können die Sternenbahnen gerade oder gekrümmt sein. Letzteres nimmt umso mehr zu, je mehr man seine Kamera auf den Himmelspol ausrichtet – dieser ist ungefähr markiert durch den Polarstern.

Wichtig für die Astrofotografie und somit für das Fotografieren von himmlischen Leuchtkörpern sind ein stabiles Stativ und ein Fernauslöser. Prädestiniert für die Sternenfotografie sind mit einem Weitwinkelobjektiv bestückte Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras. Kommen Spiegelreflexkameras zum Einsatz, so sollte man die Spiegelvorauslösung einschalten. Damit werden Erschütterungen durch den Spiegelschlag vermieden. Selbstredend muss die Bildgestaltung vorher erfolgen, denn durch den hochgeklappten Spiegel ist das Sucherbild dunkel.

Aktuelle Kameramodelle neigen zu geringerem Bildrauschen als ältere Vertreter. Im Vorfeld sollte man Kenntnisse über das Rauschverhalten der zum Einsatz kommenden Kamera in Erfahrung bringen. Durch Testreihen nähert man sich dem noch vertretbaren höchstmöglichen ISO-Wert (Sensorempfindlichkeit) an.

Thorsten Wege, Startrails, Blende-Fotowettbewerb
Thorsten Wege, Startrails, Blende-Fotowettbewerb
Aufgenommen in der Nacht des 12. August, dem Ativitätsmaximum des Sternschnuppenschwarms der Perseiden 2015. Leider konnte ich nur in der ersten Nachthälfte fotografieren, hier war die Aktivität nicht so groß wie in den frühen Morgenstunden. Aber auch auf diesem aus weit über hundert Einzelbildern zusammengerechneten Sternenspurenbild kann man sehr gut auf der rechten Seite eine Sternschnuppe erkennen.

Auf die Speicherkarte sollten wenigstens 100 Aufnahmen passen. Auch, wenn RAW-Aufnahmen deutlich mehr Speicherplatz benötigen, so sollte in diesem Format fotografiert werden, da es die bestmöglichste Qualität und das geringste Bildrauschen garantiert. Entscheidet man sich für das JPEG-Format, so ist die bestmöglichste Qualität zu wählen. Der Weißabgleich sollte auf Tageslicht eingestellt sein. Empfehlenswert ist, bei ISO 800 und einer Blende von f/5,6, eine Belichtungszeit von 30 Sekunden zu wählen.

Ohne Energie nichts los! Optimal ist ein Batteriegriff mit Extra Power, denn davon wird eine Menge benötigt, fängt man in so einer Nacht mehrere hundert Aufnahmen ein. Eine Alternative zum Batteriegriff sind Ersatzakkus, die jedoch nicht ganz so praktikabel sind. Je nach Kameramodell muss die Kamera beispielsweise beim Akkuwechsel vom Stativ genommen werden. Auch wenn das dank Schnellwechsler recht flott geht so braucht dies seine Zeit. Hinzu kommt, dass man anschließend wieder den Bildausschnitt und die Kameraeinstellungen festlegen muss.

Als Fotograf hat man zwei Optionen des Bildaufbaus. So können Sternenbahnen für sich isoliert stehen oder aber in Kombination mit einem Vordergrundmotiv, wodurch dieses sehr mystisch erscheinen kann. Damit der Autofokus nicht immer nach seinem Schärfenpunkt sucht, sollte die Einstellung „MF“ gewählt werden. Der LiveView-Modus unterstützt den Fotografen bei der richtigen Fokussierung. Empfehlenswert sind zwei, drei optimal ausgeleuchtete Aufnahmen vom Vordergrund, die dann mittels Software mit den Einzelaufnahmen der Sterne kombiniert ein tolles Gesamtkunstwerk ergeben.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2017

1 Kommentare

"Notwendig ist hierfür eine automatische Nachführeinrichtung, die die Erdrotation kompensiert." Aber nur, wenn man KEINE Sternspuren haben will. Für Sternspuren sind nur eine lange Belichtungszeit und ein fester Kamerastand, z.B. ein Staiv, nötig.

So

von So
17. August 2017, 20:47:54 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden