Aus der Fotopraxis für die Fotopraxis - Langzeitbelichtung

© Fotograf: Christian Großmann, Hinter dem Horizont, Blende-Fotowettbewerb
Christian Großmann, Hinter dem Horizont, Blende-Fotowettbewerb
Sehenswerte Fotografien, wie sie alljährlich zu „Blende“ – dem generationsübergreifenden Fotowettbewerb für alle Fotobegeisterten – eingereicht werden und die aus dem Bildermeer herausstechen, sind keine Selbstläufer. Hinter den Wettbewerbsbeiträgen steckt die intensive Auseinandersetzung mit den thematischen Vorgaben ebenso wie das kreative fotografische Spiel hinsichtlich des optimalen Fotostandpunktes, dem gekonnten Bildaufbau und dem Einsatz der fototechnischen Möglichkeiten. Die nachstehenden Ausführungen des „Blende“-Teilnehmers Christian Großmann führen vor Augen, dass neben einer vorhandenen Bildidee in der Fotografie auch Geduld sowie Ausdauer und Glück eine Rolle spielen.

„Während meines 14-tägigen Aufenthaltes auf der Insel Hiddensee hatte ich nur an einem Abend die Möglichkeit, einen Sonnenuntergang wie gewünscht zu fotografieren. An allen anderen Tagen bildeten die Wolken am Horizont eine geschlossene Wolkendecke, so dass die Sonne nicht tief genug stehen konnte. Daher hatte ich im Vorfeld Zeit, mich nach einem geeigneten Vordergrund umzusehen. Nach meiner Einschätzung sollte eine als Wellenbrecher angelegte Gesteinsformation direkt in Richtung Sonne zeigen, wenn diese den Horizont streift. Hier sollte ich zum Glück richtig liegen. Durch den etwas rauhen Seegang fehlen zudem die für Sonnenuntergangsbilder typischen Spiegelungen auf dem Wasser. Das war gut so, denn damit konnte sich das Bild von den vielen 90er-Jahre-Postern abheben, an denen ich mich inzwischen satt gesehen hatte. Der niedrige Sonnenstand sollte helfen, das Gegenlicht im Zaum zu halten und eine ausgewogene Belichtung zu schaffen. Ein zusätzlicher Grau-Verlaufsfilter mit einer Blendenstufe Minderung und weicher Kante half mir darüber hinaus. Ein Polfilter sollte in diese Richtung keine Wirkung am Himmel zeigen. Ein Versuch ergab jedoch, dass er in der Lage war, den Kontrast des Wassers geringfügig zu regulieren. Weiterhin hielt er das ab und an hochspritzende Salzwasser vom Objektiv fern. Zuerst versuchte ich eine Langzeitaufnahme mit 6-fach Graufilter. Damit fehlte dem Bild jedoch die Dynamik und die entstehende Ruhe passte nicht so recht zur Stimmung der Wolken. Ich entschied daher, darauf zu verzichten. Nach ein paar Versuchen hatte ich die passende Belichtungszeit gefunden. Nun galt es nur noch abzuwarten, dass die Sonne den Horizont berührt. Dann entstand diese Aufnahme bei Blende 8, ISO 100 und 0,5s Belichtungszeit.“

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“ ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2017

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