Aus der Fotopraxis für die Fotopraxis: Lichtspur

© Fotograf: Paul Stachowiak, Weite Ferne, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten Paul Stachowiak, Weite Ferne, Blende-Fotowettbewerb

Fotografien wie „Weite Ferne“, eingereicht von Paul Stachowiak zur thematischen „Blende 2017“-Vorgabe „Planet Erde – Schützenswertes“ haben oftmals ihren Ursprung in Aufnahmen, wie man sie beispielsweise in der „Blende 2017“-Galerie mit einer Auswahl an veröffentlichten Einsendungen sieht. Aber auch Fotobücher, Ausstellungen etc. sind wertvolle Ideengeber auf dem Weg zum eigenen Bilderfolg. Diese fotografische Inspiration durch dritte bedeutet aber nicht, sie zu kopieren sondern wie der „Blende“-Teilnehmer Paul Stachowiak, eigene Bildideen daraus zu entwickeln. Damit verbunden ist vielfach, sich neue fotografische Gebiete zu erschließen. Und auch das ist ein wesentlicher Baustein für die Entfaltung der eigenen fotografische Schaffenskraft – es erweitert die eigenen fotografischen Kenntnisse und die Glücksmomente, wenn die Aufnahmen dann wie gewünscht im Kasten sind.

„Weite Ferne“ ist eine Fotografie, die man nicht mal so nebenbei auf die Schnelle macht. Und man braucht Mitstreiter, die einem bei der Umsetzung der Bildidee helfen. Diese sollten – wie man übrigens selbst auch – über Geduld verfügen, denn wenn man den Ausführungen von Paul Stachowiak folgt, dann geht es ohne Geduld und Ausdauer nicht. Die Wetterbedingungen müssen auch stimmen – es sollte eine klare Nacht sein. Voraussetzung an Equipment war für die Aufnahme „Weite Ferne“ neben einer Kamera eine starke Taschenlampe – deren Lichtstrahl zu sehen ist , eine „normale“ Taschenlampe zum Ablaufen der Lichtspur, Stativ sowie ein Fernauslöser.

Paul Stachowiak ist gemeinsam mit einem Kumpel losgezogen. Die Fotolocation wählte er so aus, dass der Horizont flach erscheint. Kameraequipment wurde in Stellung gebracht und dann ging es ans ausprobieren, so Stachowiak. Wie hoch muss der ISO-Wert sein? Wie lange brauche ich, um den Weg abzulaufen? Wie klein oder groß muss die Blende sein? Schlussendlich ist Paul Stachowiak bei folgenden Einstellungen gelandet: 20s | f1,8 | ISO 1.000.

„Als schwierig erwies sich die gleichmäßige Ausleuchtung des Bodens neben des Lichtverlaufs. Eine Hilfsperson löste die Kamera aus und ich fing in den ersten Sekunden nur damit an, den Boden einmal komplett auszuleuchten. Sofern dies erledigt war, fing ich im leichten Laufschritt an, die Lichtspur abzulaufen. Durch kleine Steine habe ich mir Orientierungspunkte auf dem Boden gesetzt, um die Spur schrittweise zu optimieren. Beim Laufen selber habe ich die Taschenlampe vor meinen Körper orthogonal zum Boden gehalten und habe dabei nie die Richtung, in der mein Körper zeigte, geändert, sondern bin vor-, rück- bzw. seitwärts gelaufen. Des Weitern musste man darauf achten, dass die Taschenlampe beim Laufen immer durch einen Ärmel o.ä. verdeckt ist, damit man nicht noch eine Lichtspur in der Luft hat. Am Ende des Ablaufens habe ich noch die im Bild zu sehende Person, die während des ganzes Vorgangs still stehen musste, kurz angeleuchtet, damit auch diese nicht zu dunkel ist. Nach knapp einer halben Stunde war ich dann mit meinen Ausgangsmaterial zufrieden.“, so Paul Stachowiak.

Doch ohne Bearbeitung war die Qualität von „Weite Ferne“ nicht realisierbar. Paul Stachowiak: „Nun folgte die Bearbeitung der Datei. Über Lightroom gab ich den grundlegenden Farblook und öffnete die Bilddatei dann in Photoshop. Dort ging es dann an das Finetuning: Selektive Farbkorrektur, Dodge & Burn, Farbverlaufopimierung etc. Um der Aufnahme noch den gewissen WOW-Effekt zu verleihen, fügte ich noch eine an diesem Abend separat aufgenommene Milchstraße ein. Um diese noch zu betonen, ließ ich sie in Blau, um einen Komplimentärkontrast zum rotorangen Horizont zu schaffen. Und somit war das Bild fertig.“

Die sehr detailreichen Ausführungen zeigen den Aufwand, den Paul Stachowiak betreiben musste, bis er „Weite Ferne“ so hatte, wie er es vorgesehen hatte. Und sein Einsatz hat sich nicht nur für seine persönlichen Glücksgefühle gelohnt sondern, auch für Außenstehende, die eine tolle Aufnahme sehen und dadurch eventuell selbst Inspiriert werden, sich dieses Motivgebiet zu erschließen.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“ ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2017

2 Kommentare

Spätestens wenn man mehrere komplett getrennt aufgenommene Bilder zusammenkopiert muss man sich Gedanken machen, ob es sich bei BLENDE um einen Fotowettbewerb oder um einen Photoshopwettbewerb handelt.

Frank Lutz

von Frank Lutz
08. Oktober 2017, 23:02:58 Uhr

Sehr sehr cooles Foto! Schon Kunst! Gefällt mir. Mehr davon bitte!

Mirko Stödter

von Mirko Stödter
26. September 2017, 14:37:50 Uhr

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