Fototipp: Bäume das bildgebende Element

Der Winter hat Deutschland wie Jahre nicht mehr voll im Griff. Ein Eldorado an winterlichen Motiven für alle Fotoenthusiasten, die in diesem Jahr ein längeres Zeitfenster von der Natur eingeräumt bekommen. Allein aus fotografischer Sicht sind schneebedeckte Landschaften im Winter durch ihre Reduktion besonders reizvoll. Bäume stehen bei Landschaftsfotografen als bildgebendes Element gern im Fokus. Das verwundert nicht, sind Bäume nicht nur ausgesprochen fotogen und äußerst symbolträchtig. Hinzu kommt, dass sich im Winter wunderbar mit den Kontrasten hell (schneebedeckte Landschaft) und dunkel (Baumstamm etc.) spielen lässt. Wird der dunkle Kontrast durch Raureif auf dem feinen Geäst weiter reduziert, so ist das nicht weniger interessant und imposant wie der Blende-Wettbewerbsbeitrag „filigran“, eingereicht von Marianne Bendix zur thematischen Vorgabe „Ob’s stürmt, ob’s schneit, ob Sonnenschein – Wetterimpressionen“ eindrucksvoll zeigt. Diese Aufnahme lässt einen als Betrachter die Kälte förmlich spüren.

Marianne Bendix, filigran, Blende-Fotowettbewerb
Marianne Bendix, filigran, Blende-Fotowettbewerb

Bäume haben die Eigenschaft, dass sie bis zur Fällung, unbeweglich ihren festen Platz haben. Dies räumt Fotografen die nötige Zeit ein, den idealen Aufnahmewinkel und -standort zu finden. Zudem kann man abwarten, bis sich das richtige Licht eingestellt hat. Wie heißt es doch so treffend: „Der Baum bleibt stehen, die Sonne wandert.” – Eine Binsenwahrheit, die sich der versierte Fotoenthusiast zu Nutze macht.

Wer die Liebe zur „Baumfotografie“ für sich entdeckt hat, der beobachtet, wenn möglich, sein Motiv zu verschiedenen Tageszeiten. Denn von der Morgendämmerung mit dem leichten Bodennebel bis zum dramatisch farbigen Sonnenuntergang, wird sich der Baum beziehungsweise die Baumgruppe in völlig anderen Stimmungen zeigen. In welchem Winkel das Sonnenlicht auf den Baum fällt, ist entscheidend für das spätere Bildergebnis. Licht im Rücken, beleuchtet den Baum zwar schön, stellt ihn aber auf dem Foto flach und ohne Tiefe dar. Licht, das in einem 90 Grad Winkel seitlich einfällt, ist eher geeignet, um für Plastizität zu sorgen, denn es schafft attraktive Licht- und Schattenspiele. Bei Gegenlicht, ohne Aufhellung, die ohnehin nur mit einem starken Blitz möglich wäre, wird der Baum beziehungsweise die Baumgruppe zum dekorativen Scherenschnitt. Bei Gegenlicht gelingen Bilder aber nur dann, wenn der Baumstamm oder ein dicker Ast die Sonne verdeckt, so dass kein grelles Licht die Aufnahme zu Nichte macht. Die Belichtungsmessung ist dabei natürlich exakt einzustellen, um Fehlbelichtungen zu vermeiden. Am besten gelingt dies mit der Spotmessung auf den Baumstamm. Wenn die Kamera keine Spotmessung ermöglicht, können die Aufnahmen auch mit 1 bis 2 Blenden Überbelichtung gelingen.

Möchte man im Winter den Raureif mit einfangen, so sollte man rechtzeitig losziehen, verflüchtigt sich dieser gern mit Aufkommen der Sonnenstrahlen. Auf die Belichtung ist zu achten. Durch den glitzernden Schnee und erst recht wenn die grelle Sonne in großer Höhe steht, kann der Belichtungsmesser der Kamera auch mal in die Irre geführt werden. Das Mittel der Wahl ist in jedem Fall die Spot-Belichtungsmessung. Und zwar gemessen auf das Hauptmotiv, das nicht unbedingt in der Bildmitte stehen muss. Wer sein Hauptmotiv außerhalb der Mitte hat, der kann sich die Funktion der Belichtungsspeicherung zu Nutze machen, die viele kompakte System- und Spiegelreflexkameras sowie höherwertige Kompaktkameras haben. Dabei wird einfach die Belichtung für das gewünschte Motiv ermittelt und dann per Tastendruck gespeichert. Wenn die Kamera keinen solchen Modus besitzt, dann wird es in der Regel besser sein, die Fotos etwas üppiger zu belichten, als das beispielsweise von einer mittenbetonten Messung ermittelt wird. Der Unterschied kann je nach Situation bis zu zwei Blendenstufen betragen. Und wenn dann noch die Sonne von hinten knallt, ist der Belichtungsunterschied noch größer.

Gerade bei schwierigen Lichtsituationen ist es ratsam, Bilder in RAW-Format aufzunehmen. Denn wenn die Kamera den Kontrast und die Belichtung regelt, kann es schon einmal vorkommen, dass in den hellen Bildbereichen keine Zeichnung mehr vorhanden ist. Bei einem RAW-Bild hat der Fotograf immer noch die Möglichkeit besonders helle Bereiche wieder einzufangen. Das setzt natürlich gleichzeitig voraus, dass man die eine oder andere Speicherkarte mehr mitnimmt. Schließlich brauchen Bilder im Rohformat deutlich mehr Speicherplatz als komprimierte JPEGs. Aber wer ohnehin einen zweiten oder dritten Satz Akkus mit sich herum trägt, der kann die eine oder andere zusätzliche Speicherkarte locker verkraften.

Speicherplatz kostet heute nahezu nichts und eine Belichtungsreihe ist gerade bei herausfordernden Lichtbedingungen ratsam. Die erste Aufnahme wird fotografiert, wie es die Programmautomatik der Kamera vorschlägt, eine zweite mit einer Belichtung von minus 1/3 Blende und eine dritte mit minus 2/3 Blende.

Im Winter bei eisigen Temperaturen ist an einen Ersatzakku zu denken. Durch die niedrigen Temperaturen kann sich die Akkulaufzeit um die Hälfte reduzieren.

Bäume im Wandel der Jahreszeiten

Bäume verändern ihr Aussehen mit dem Licht, morgens, mittags oder abends. Bäume wandeln sich mit der Jahreszeit. Bäume gelten als Motivklassiker und da liegt es doch quasi auf der Hand, immer den gleichen Baum im Wandel der Jahreszeiten zu fotografieren. Man sucht sich seinen leicht erreichbaren Lieblingsbaum und fotografiert ihn zwölf Monate lang mindestens einmal im Monat, immer vom selben Standort aus mit der gleichen Brennweite. Eine beeindruckende Serie ist garantiert.

Für besonders intensive Farben und ein dunkles Himmelsblau ist übrigens ein Polarisationsfilter, vor das Objektiv geschraubt, zu empfehlen. Fällt das Sonnenlicht seitlich ein, lässt sich die Wirkung durch Drehen von neutral bis intensiv verändern – alles ist im Sucher sichtbar.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie Marianne Bendix gelungen ist, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2017

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