Was ist beim Fotografieren auf Bahnhöfen zu beachten

Große Motivbandbreite – sich fokussieren

Kein Risiko eingehen

© Fotograf: Thomas Schanbacher, Bahnhof Böblingen, Blende-Fotowettbewerb
Thomas Schanbacher, Bahnhof Böblingen, Blende-Fotowettbewerb

Bahnhöfe sind ein Eldorado für Fotografen und allein schon deshalb immer eine Reise wert. Die Motivpalette ist gigantisch ob am Tag, in der Dämmerung oder in der Nacht. Architektur kann ebenso ein fotografischer Schwerpunkt des Aufgenommenen sein, wie Züge und natürlich Menschen. Auch, wenn es an Bahnhöfen ein Überfluss an Fotomotiven gibt, so ist der fotografische Volltreffer kein Selbstläufer. Je nach fotografischem Schwerpunkt ist das zum Einsatz kommende Fotoequipment ebenso entscheidend wie das vorherrschende Licht und das Wesentliche, durch geschickte Bildgestaltung, in den Fokus zu rücken. Insbesondere wenn Motive im Überfluss vorliegen, ist es oftmals herausfordernd, sich zu fokussieren. Nachstehend zehn Tipps, was beim Fotografieren an Bahnhöfen beachtet werden sollte. Den größten fotografischen Gestaltungsspielraum bieten mit ihrem Funktionsumfang hochwertige Kompaktkameras mit einem weiten Zoombereich sowie kompakte System- und Spiegelreflexkameras mit entsprechender Optik vom Weitwinkel- bis hin zum Teleobjektiv.

1. Nicht überall an Bahnhöfen ist das Fotografieren erlaubt

© Fotograf: Ernst Ryll, U-Bahnhof, Blende-Fotowettbewerb
Ernst Ryll, U-Bahnhof, Blende-Fotowettbewerb

Ein Bahnhof gehört in den meisten Fällen dem Steuerzahler. Das heißt aber nicht, dass dieser dort auch alles machen darf. Das Hausrecht liegt nämlich in der Regel beim Betreiber – in Deutschland ist das, abgesehen von kleineren Privatbahnen, die Deutsche Bahn. Wenn man eine größere Fotoaktion plant, sollte man im Vorfeld eine Genehmigung einholen.

2. Kein Risiko eingehen und weder andere noch sich gefährden

Bahnhöfe sind gefährlich, zumindest dann, wenn man fahrlässig ist oder nicht aufpasst. So sollte immer genügend Abstand zur Bahnsteigkante gehalten werden. Die Sogwirkung, insbesondere von durchfahrenden Zügen, kann einen schnell aus dem Gleichgewicht bringen und sogar so groß sein, dass die auf dem Stativ montierte Kamera ins Wanken gerät. Unfälle auf Bahnhöfen enden meistens tödlich – für tolle Fotos sollte man niemals ein Risiko eingehen. Auf dem Gleiskörper hat man ebenso nichts zu suchen wie auf Wagons. Verbotsschilder sollten beachtet und nicht ignoriert werden.

3. Im Ausland gelten oftmals andere Regeln

© Fotograf: Detlev Wischerhoff, It´s Time now, Blende-Fotowettbewerb
Detlev Wischerhoff, It´s Time now, Blende-Fotowettbewerb

Im Ausland gelten andere Bestimmungen als hierzulande. In Deutschland wird man im schlimmsten Fall des Bahnhofs verwiesen, in anderen Ländern kann man Fotografen auch mal inhaftieren. Viele Länder sehen Bahnhöfe als strategisch wichtige Infrastruktur an, entsprechend ist das Fotografieren solcher Anlagen verboten. Man sollte sich also informieren, ob man fotografieren darf. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man einen Uniformierten fragt, ob es in Ordnung ist, im Bahnhof Bilder zu machen. Gleiches gilt übrigens auch für Eisenbahnbrücken.

4. Beobachten und sich Zeit nehmen

© Fotograf: Paul Fellhölter, Reisen, Blende-Fotowettbewerb
Paul Fellhölter, Reisen, Blende-Fotowettbewerb

Bahnhöfe mit ihrer grenzenlosen Motivpalette verleiten dazu, möglichst alles mit der Kamera einfangen zu wollen, um ja keinen Moment zu verpassen. In der Fotografie geht es jedoch nicht darum, möglichst oft und mit ganz vielen Aufnahmen heimzukehren. Sind ausdrucksstarke Aufnahmen das Ziel, dann gilt es, zu beobachten, sich Zeit zu nehmen und für den Bilderfolg auch das fotografische Experiment einzugehen. Beispielsweise sind Bewegungen von ein- und durchfahrenden Zügen, hetzenden Menschen, Fahrstühlen, Gepäckwagen etc. ein sehr beliebtes Sujet. Wirkungsvoll eingefangen gilt es, die Belichtungszeiten zu verlängern und ggf. mitzuziehen. Das erfordert etwas Übung, aber die macht ja bekanntlich den Meister. Sofern die Kamera darüber verfügt, sollte man auch die Zeitraffer-Funktion nutzen.

5. Menschen vor der Kamera

© Fotograf: Stefanie Schultz, New york Bahnhof , Blende-Fotowettbewerb
Stefanie Schultz, New york Bahnhof, Blende-Fotowettbewerb

Stehen Menschen im Fokus des aufgenommenen so sind die Persönlichkeitsrechte zu wahren. Sobald Personen bildbestimmend sind, muss man sich von ihnen eine Genehmigung einholen, bevor man ein Bild veröffentlicht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man an Fotowettbewerben wie „Blende“ teilnimmt. Was bildbestimmend ist und was nicht, hängt stark vom Bild ab. Sicher ist, dass es keine Regel gibt, dass man Gruppen ab einer bestimmten Größe grundsätzlich fotografieren darf. Unbedenklich sind dagegen Übersichtsaufnahmen. Seit geraumer Zeit sehr beliebt, sicher auch um die Persönlichkeitsrechte zu wahren, sind Langzeitbelichtungen von Menschen, die in Unschärfe verschwimmen und dadurch nicht mehr identifizierbar sind.

6. Reizvolle Architektur

Ein Bahnhof ist meist ein imposantes Gebäude – wenn man nicht gerade an einem Haltepunkt an einer Nebenstrecke steht. Es gibt viele Ansatzpunkte, die Architektur von Bahnhöfen in Szene zu setzen. Eine Option ist die Panoramaaufnahme. Voraussetzung für diese ist ein stabiles Stativ, ein Panoramakopf und natürlich ausreichend Speicherkarten und Akkus.

7. Warum ein Einbeinstativ sehr nützlich ist

© Fotograf: Andreas Kling, Srom voller Hoffnung, Blende-Fotowettbewerb
Andreas Kling, Srom voller Hoffnung, Blende-Fotowettbewerb

Möchte man kein Dreibeinstativ mitnehmen, dann sollte man wenigstens an ein Einbeinstativ – auch als Monopod bezeichnet – denken. Auch dieses entlastet die Hände und ein mitziehen der Kamera lässt sich mit ihm wesentlich leichter umsetzen, als aus der freien Hand. Auch, wenn man hektische Menschen mit einer langen Belichtungszeit im Foto in Bewegung versetzen möchte, ist ein Einbeinstativ sehr nützlich. Verwacklungsunschärfe lässt sich nämlich nur durch den Einsatz eines Stativs vermeiden.

8. Mit Kontrasten spielen

Dächer über Bahnsteigen halten Regen ab – und die Sonne. Über abgeschattete Bereiche sollte man sich nicht ärgern, sondern den Kontrast zwischen Hell und Dunkel gezielt einsetzen. Vor allem Schwarzweißaufnahmen leben vom Kontrast zwischen Hell und Dunkel, weshalb man auch in den Schwarzweiß-Modus der Kamera wechseln sollte. Wichtig ist, die richtige Belichtung zu wählen – mit einer Belichtungsreihe ist man stets auf der sicheren Seite.

9. Reizvolles kann auch in Details liegen

© Fotograf: Carolin Eickmann, Der letzte Bus..., Blende-Fotowettbewerb
Carolin Eickmann, Der letzte Bus…, Blende-Fotowettbewerb

Der Klassiker ist sicherlich das Typenschild der Lokomotive – irgendwie auch langweilig, weil schon 1.000 Fach fotografiert. Reizvolles liegt im Detail – das kann eine Schraube sein, der überquellende Mülleimer, ein Fundstück auf dem Boden, ein Käfer und noch so Vieles mehr. Kommt eine Kamera für Wechseloptik zum Einsatz, so ist an das passende Objektiv zu denken.

10. Zu welcher Tageszeit

© Fotograf: Horus Müller, Ranggirbahnhof Vorhalle, Blende-Fotowettbewerb
Horus Müller, Ranggirbahnhof Vorhalle, Blende-Fotowettbewerb

Grundlegend sollte man für sich klären, wann man Bilder machen möchte – natürlich hängt dies auch vom bevorzugten Sujet ab. Nachts sind Bahnhöfe oft beleuchtet, aber menschenleer. Tagsüber fehlt die Stimmung durch das künstliche Licht, dafür hat man viele Menschen.

Blende – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist Blende ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Blende schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

Blende-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu Blende.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2018

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