Tausend Mal photographiert - und immer wieder schön

Eilan Donan Castle Bildgalerie betrachten

“Eilan Donan Castle”
Moritz Maler

Es gibt Motive auf dieser Welt, die erkennt fast jeder sofort: den Eiffelturm, die Freiheitsstatue, das Brandenburger Tor, das Colosseum, die Pyramiden von Gizeh, Schloß Neuschwanstein oder das Eilean Donan Castle, in dem der "Highlander" des gleichnamigen Films zu Hause ist. Unzählige Male wurden diese Motive schon photographiert, aus allen Richtungen haben Photographen ihre Kameras auf diese Sehenswürdigkeiten gerichtet - und dennoch verspürt jeder von uns den Wunsch, diese auch auf Film oder Sensor bannen zu wollen.

Es wäre eigentlich ein Leichtes, zum nächsten Postkartenstand zu gehen, einige Münzen auf den Tresen zu legen und die Postkarte einer Sehenswürdigkeit in die Tasche zu stecken - morgens, nachts, sommers oder winters, im Nebel oder bei Sonnenschein - für jeden Geschmack gibt es welche. Doch keine dieser Postkarten schafft annähernd eine so emotionale Bindung zu einem Motiv herzustellen wie die eigene Aufnahme. Unzählige Erinnerungen sind mit diesen ganz persönlichen Photos von Sehenswürdigkeiten verbunden, die keine Postkarte wiedergeben kann.

Wenn wir vor einer Sehenswürdigkeit mit unserer Kamera stehen, weckt das unseren Ehrgeiz, das Gesehene in einer noch besseren Aufnahme zu verankern, als wir es auf Postkarten vorfinden. Schließlich gilt es, Verwandten, Freunden und Bekannten das "Oh", "Ah" oder eine andere Form der Anerkennung zu entlocken.

Die Erlebnisse einer Urlaubsreise lassen sich oft auch nach Jahren noch anhand der eigenen Photos rekapitulieren. Egal, ob es sich um Klassiker wie den Strafzettel wegen Falschparkens vor dem Colosseum, das größte Schnitzel in Wien handelt oder ganz persönliche Empfindungen wie das ungläubige Staunen bei der Fahrt durch den New Yorker Hafen, wenn Lady Liberty aus dem Nebel auftaucht - es sind diese Momente, die unsere eigenen Aufnahmen so wertvoll machen. Dabei ist es egal, wie oft diese Motive zuvor schon von anderen Photographen, beispielsweise für Postkarten, abgelichtet worden sind.

Die berühmten Bauwerke dieser Welt sind immer leicht zu erkennen. Umso schwieriger ist es, eine ungewöhnliche Perspektive zu finden. Manchmal ist es aber auch ganz einfach - man muß nur die Augen offen halten. Wer sagt denn, daß der Eiffelturm immer in voller Pracht auf dem Bild zu sehen sein muß. Wer sich vor den Turm stellt, ein Weitwinkelobjektiv nutzt und den Blick schräg nach oben richtet, sieht den Eiffelturm mit anderen Augen als die meisten Postkartenphotographen. Das "Highlander-Schloß" im schottischen Hochland beispielsweise gehört sicherlich zu den meist photographierten Motiven Europas. Dabei sind wohl der Besucherparkplatz oder der Parkplatz der kleinen Dorfhalle die beliebtesten Standpunkte für das Auslösen. Wer sich dem Schloß jedoch abends nähert, der spürt die Mystik des Ortes, der weiß um das Problem, daß die beiden Schloßhälften bei Dunkelheit unterschiedlich beleuchtet werden: eine Herausforderung für jeden Photographen. Wer sich im Regen zur Mobilfunksendeanlage auf den nächsten Berg aufmacht, um dort - wie in unserem Fall - eine Wolkenlücke abzuwarten, hat die Chance auf eine einmalige Aufnahme, von einem Motiv, das schon tausend Mal photographiert wurde.

Mobile Photodrucker machen es übrigens möglich - sofern digital photographiert wird, daß man den Postkartenständern getrost den Rücken zukehren kann. Klein und handlich passen sie in jedes Reisegepäck. Ist die Digitalkamera PictBridge kompatibel, dann ist kein Rechner notwendig, der für den Ausdruck zwischengeschaltet werden muß. Im Handel sind spezielle Postkartenphotopapiere erhältlich, die den Anforderungen des Postkartenversandes entsprechen.
 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2005

62 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden