Scharfe Sache - Bewegung im Bild

Tour de France Bildgalerie betrachten "Tour de France"
Moritz Maler

Unscharfe Bilder sind in der Regel ein Fall für die Löschtaste oder den Papierkorb. Meist handelt es sich dabei um fehlerhaft fokussierte oder um verwackelte Photos, die so nicht beabsichtigt waren. Es gibt aber auch Formen der Unschärfe, die durchaus gewollt sind - hier spricht man von Bewegungsunschärfe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unscharfe Bewegungen aufs Bild zu bekommen.

Meistens bewegt sich das zu photographierende Objekt selbst. Wie dies aber in Bildern einfangen? Der einfachste Weg ist, die Kamera festzuhalten und die Verschlusszeit so hoch zu setzen, dass dadurch die Bewegung im Bild sichtbar wird. Dieses Verfahren kann beispielsweise angewandt werden, wenn es darum geht, fließendes Wasser abzubilden. Eine Verschlusszeit von etwa 1/15 Sekunde oder länger liefert bereits entsprechende Ergebnisse, das Wasser fließt auch im Photo.

In den meisten Fällen wird dafür ein Stativ nötig sein, damit die Aufnahme nicht auch noch verwackelt wird. Es empfiehlt sich außerdem, einen Film mit niedriger Empfindlichkeit einzusetzen beziehungsweise eine niedere Empfindlichkeitseinstellung an der Digitalkamera zu wählen. Jede Stufe in der Empfindlichkeit nach oben halbiert die mögliche Verschlusszeit. Eine entsprechende Verlängerung der Verschlusszeit lässt sich ansonsten nur noch über die Blende steuern. Je weiter die Blende geschlossen wird (also je höher die Blendenzahl), umso länger wird die Zeit, die für eine korrekte Belichtung benötigt wird. Und richtig belichtet werden sollen ja auch die Aufnahmen, die mit langer Zeit aufgenommen werden. Die große Schärfentiefe, die eine weit geschlossene Blende mit sich bringt, ist dabei eher zu vernachlässigen, der Hintergrund wird ja durch die Bewegung eh unscharf.

Wenn allerdings im gleißenden Mittagslicht photographiert wird, dann kann es auch für wenig Empfindlichkeit und weit geschlossene Blende noch zu hell sein. Abhilfe schafft in so einem Fall ein neutrales Graufilter. Diese gibt es in verschiedenen Abstufungen für nahezu alle Objektivdurchmesser.

Etwas schwieriger wird es, wenn der Photograph die Kamera mit dem bewegten Objekt mitzieht. Dann wird das Hauptmotiv scharf abgebildet, der Hintergrund verwischt. Glück hat derjenige, der ein Stativ aufbauen und den zu photographierenden Fahrradfahrer oder Autofahrer zig Mal an der gewünschten Stelle vorbeifahren lassen kann. Ist das Stativ gerade aufgebaut, kann die Kamera einfach in Bewegungsrichtung des Objekts gedreht werden. Wesentlich flexibler ist der Photograph allerdings, wenn er freihändig oder beispielsweise auch mit einem Einbeinstativ arbeitet. Für alle gilt: Die Geschwindigkeit und deren Bildwirkung muss geschätzt werden, um die optimale Verschlusszeit wählen zu können. Dafür bedarf es einiger Übung.

Eine andere Möglichkeit, den Hintergrund zu verwischen ist, die gleiche Geschwindigkeit wie das Hauptobjekt einzunehmen. Der Photograph könnte quasi nebenherlaufen. Da dies aber unpraktikabel bis unmöglich ist, wird er wohl auf einen fahrenden Untersatz umsteigen müssen. Und da der Photograph sich auf die Aufnahme konzentriert, braucht er dazu gleich noch eine zweite Person, die das Fahrzeug steuert. Zu beobachten ist so etwas beispielsweise bei Radrennen, wo Photographen und Kameraleute oft als Sozius auf Motorrädern sitzen. Ansonsten gelten auch bei dieser Methode die gleichen Anforderungen wie beim einfachen Mitziehen: Eine entsprechend lange Verschlusszeit muss gewährleistet werden.
 

Fotografieren in der Praxis 07 / 2007

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