Bewegungsunschärfe

Bewegungsunschärfe Bildgalerie betrachten

“Rennboote”
Heinrich Hüwel

Als Bewegungsunschärfe bezeichnet man in der Photographie zonal begrenzte Unschärfe in Bildern bewegter Objekte. Die Bewegungsunschärfe kann vom Photographen bewußt als photographischer Effekt eingesetzt oder auch ungewollt, also als Bildfehler auftreten. Je nach Kameraführung kann dabei das bewegte Objekt oder der Hintergrund unscharf dargestellt sein. Bewegungsunschärfe entsteht durch die Bewegung der photographierten Objekte während der Belichtung. Größten Einfluß auf die Bewegungsunschärfe hat dabei die relative Geschwindigkeit des bewegten Objekts im Zusammenspiel mit der Belichtungszeit. Wird eine kürzere Verschlußzeit gewählt, kann die Bewegungsunschärfe reduziert oder gegebenenfalls auch ganz vermieden werden. Die Hintergrundunschärfe entsteht durch das zusätzliche Nachführen der Kamera mit dem bewegten Objekt.

Die Bewegungsunschärfe kommt dann zum Einsatz, wenn es darum geht, Dynamik und Geschwindigkeit zum Ausdruck gebracht werden sollen. Wie lang die Verschlußzeit gewählt werden muß, um die Dynamik zu vermitteln, hängt von der Geschwindigkeit des Objekts im Bildausschnitt ab. Wer die Bewegungsunschärfe als Stilmittel einsetzt, der sollte darauf achten, daß immer statische Objekte mit im Bild sind, damit nicht der Eindruck einer verwackelten Aufnahme entsteht.

Eine besondere Art der Bewegungsunschärfe sind durch Langzeitaufnahmen hervorgerufene Effekte. Denken wir hier nur an die Leuchtspuren vorbeifahrender Autos in der Nacht oder an die Visualisierung der Erdrotation bei der Aufnahme eines Sternenhimmels. Aber auch am Tag, wenn die Lichtbedingungen eigentlich keine lange Verschlußzeit zulassen, kann man - ohne daß die Aufnahme überbelichtet ist - lange Belichtungszeiten wählen, indem ein Graufilter eingesetzt wird. Dieser ist in verschiedenen Dichten erhältlich und verlängert die Verschlußzeit um einen durch die Dichte definierten Faktor.

Bewegungsunschärfe sollte nicht Selbstzweck sondern Mittel zum Zweck sein.
 

Fotografieren in der Praxis 02 / 2006

54 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden