Bildaufbau - Das Spiel mit den Möglichkeiten

© Blende, Ronny Wesche, Die Treppe Bildgalerie betrachten © Fotograf: Ronny Wesche, Die Treppe, Blende-Fotowettbewerb

In der Fotografie gilt es, die Möglichkeiten auszuschöpfen und zwar nicht nur die technischen Features, die die Kameras einem bieten, sondern mit der Perspektive zu spielen, um den Fokus des Betrachters entsprechend zu lenken. Viele Optionen stehen einem als Fotograf dafür offen – welchen Weg man einschlägt, hängt vom Motiv ebenso ab wie von der Bildaussage, die man treffen möchte. Oftmals sind es Nuancen, die entscheiden. Also ein Schritt nach rechts oder links, etwas nach oben oder unten können Wunder bewirken.

Von Vorteil ist es natürlich, wenn man Kenntnisse darüber hat, wie Bilder gelesen werden. Dies geschieht von links oben nach rechts unten – betrachten Sie daraufhin einmal eine Illustrierte und wie die Werbung platziert ist, dies erfolgt nach diesem Prinzip. Wenn man als Fotograf die Gewohnheit des Betrachters nicht stören möchte, so legt man den Bildeingang nach links oben und den Bildausgang nach rechts unten.

Den weiteren Sehgewohnheiten entspricht, das Bildwichtige Motiv im Zentrum einer Aufnahme zu positionieren. Dies hängt übrigens damit zusammen, dass die Sehschärfe des Menschen im zentralen Bereich des Auges am höchsten ist. Der Betrachter erwartet dementsprechend, dass sich der Kern der Bildaussage in der Mitte der Aufnahme befindet und sehr viele Einsteiger in die Fotografie wählen intuitiv die Bildmitte. Wir raten von dieser ab, denn das Ausbrechen aus dem Gewohnten erzeugt Neugierde und erhöht damit die gewünschte Spannung. Also raus mit dem Hauptmotiv aus der Mitte und beispielsweise die Drittelregel, auch als Rule of Thirds bezeichnet, anwenden. Hier wird der Sucher gedanklich in zwei waagrechte und zwei senkrechte Linien unterteilt – es ergeben sich neun Felder. Platziert man den Schwerpunkt des Motivs auf einem der Schnittpunkte, so wird eine Spannung aufgebaut, die eine Aufnahme um ein vielfaches interessanter machen kann. Die Drittelregel wird übrigens sehr gerne in der Landschaftsfotografie eingesetzt.

Eine weitere Option, die man als Fotograf hat, ist der Bildaufbau nach der Regel des Goldenen Schnitts – wird sehr gerne mit der Drittelregel verwechselt, da die Raster ähnlich aussehen. Er gilt für Ästhetik und Harmonie. Sehr viele Kameras verfügen über die Option, den Goldenen Schnitt im Sucher oder Display einblenden zu können. Der beste Punkt für das Hauptmotiv ist für viele Fotografen der Goldene Schnitt. Dabei reicht eine ungefähre Platzierung völlig aus, denn um den exakten Goldenen Schnitt zu berechnen, braucht es mehr als nur einen Taschenrechner. Denn die Zahl Phi, die das Verhältnis des Goldenen Schnitts angibt (und deshalb auch „Goldene Zahl“ genannt wird), ist – ebenso wie ihre viel bekanntere Schwester Pi – eine irrationale Zahl, die sich nur näherungsweise bestimmen lässt. In etwa kommt man auf das Seitenverhältnis 1,618033988. Das heißt, der Goldene Schnitt ist genau dort, wo der eine Bildrand 1,61803 Mal so weit entfernt ist wie der andere Bildrand. Der „magische Punkt“ liegt also irgendwo zwischen der Mitte und dem äußeren Bilddrittel. Nun aber zur Praxis: Die Motivschwerpunkte werden unter- oder oberhalb der Linien gelegt. Nehmen wir beispielsweise ein Porträt. Die Augen werden nicht auf den Schnittpunkt gelegt sondern Mund oder Nase.

Weitere Optionen der Bildgestaltung sind beispielsweise den Vordergrund mit einzubinden, natürliche Rahmen ebenso zu nutzen wie Linien, die das Auge lenken und das Spiel mit Schärfe und Unschärfe.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2014

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