Bilderberge - Welche Aufnahmen bleiben im Gedächtnis

© Fotograf: Sophia Handwerk, Schulstraße, Blende-Fotowettbewerb
„Schulstraße“ von Sophia Handwerk, Blende 2015 (Fuldaer Zeitung)
Liest man die Statistiken, wie viele Bilder allein auf Instagram und Facebook täglich gepostet werden, so wird einem bei diesen Dimensionen schon leicht schwindelig. Auf der anderen Seite aber faszinieren diese Ausmaße, sind sie doch ein Beleg dafür, wie groß die Begeisterung für die Fotografie ist und dass sie das Kommunikationsmedium unserer Zeit ist, das Worte immer mehr verdrängt. Nun das verwundert nicht wirklich, denn Fotografien sind die universelle Sprache die jeder grenzüberschreitend versteht. Möchte man mit seinen Fotografien aus den Bilderbergen herausstechen, dann kann der Tipp nur lauten, dem Motto von Henri Cartier-Bresson mit „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ zu folgen.

Aufnahmen die keine Geschichte erzählen und denen es an Emotionalität fehlt sind in der Regel für den Betrachter enorm flüchtig. Er nimmt diese Aufnahmen zwar wahr – mehr aber eben auch nicht. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass er sich an diese Fotografien nicht erinnern wird obwohl er sie gesehen hat. Machen Sie die Probe aufs Exempel: Wie viele Fotos haben Sie heute gesehen und welche sind noch in ihrem Gedächtnis. Es wird nur ein Bruchteil sein und dass obwohl im Zusammenhang mit der Fotografie immer von der Macht und der Kraft der Bilder die Rede ist.

Als Fotograf hat man es in der Hand, dass die eigenen Aufnahmen die Blicke auf sich ziehen. Eine Option ist jene, die die „Blende“-Fotografin Sophia Handwerk mit ihrer Aufnahme „Schulstraße“ für sich gewählt hat. Es ist eine inszenierte Fotografie hinter der eine Bildidee steht. Eine junge Frau sitzt an einem Tisch und hält eine kleine Rauchgranate in der Hand, deren lilaweiße Schwaden den Hintergrund vernebeln. Neben der modischen Handtasche liegen Bücher und Hefte auf dem Tisch. Dieser hat eine von Wasser aufgequollene und ausgefranste Deckplatte und ist von der Bauart her eindeutig als Schultisch zu identifizieren. Die Szenerie ist auf einer Nebenstraße eines dörflichen Wohngebietes neben einer gepflasterten Hofeinfahrt angesiedelt. Die Kombination von Schultisch und Nebenstraße ergibt den Titel: „Schulstraße“. Dieses Foto schaut man sich länger an, denn es erzählt eine Geschichte und es gibt zudem viele spannende Details zu entdecken. Henri Cartier-Bresson hätte sicherlich seine Freude an der Aufnahme von Sophia Handwerk gehabt und würde sein Zitat bestätigt sehen.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2016

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