Warum die Bildkomposition über die Bildwirkung entscheidet
Von Vorbildern Sehen lernen und sich Zeit nehmen
Hinterfragen warum manche Fotografien besonders gut gefallen

Andreas Behnke, Ausgang Ecke
© Fotograf: Andreas Behnke, Ausgang Ecke, Blende-Fotowettbewerb
Während eines Ausstellungsbesuches im Willy Brandt Haus Berlin aufgenommen. 07.2018

In der Fotografie ist es ähnlich wie mit der Kochkunst. Eine kleine Prise davon sowie hiervon und schon kann aus einem Allerweltgericht ein besonderer Gaumengenuss werden. Es ist wahrlich nichts Abwegiges, die Fotografie der Kochkunst gegenüberzustellen – beides hochkreative Schaffensprozesse und vielfach sind es sowohl in der Fotografie als auch beim Kochen Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen. Der Bildkomposition kommt in der Fotografie eine große Rolle zu. Die Kamera ist grundsätzlich erst einmal das Mittel zum Zweck – entscheidend sind für die Bildwirkung zunächst die Augen, ein Gespür für bildgebende Komponenten und natürlich die Gabe, im richtigen Augenblick den Auslöser zu betätigen. Hier spielt dann doch wieder die Kameratechnik eine Rolle, denn aktuelle Kameras erhöhen schlichtweg die Wahrscheinlichkeit, den Moment der Momente bestmöglich einzufangen und das in bestechenden Qualitäten.

Warum Vorbilder wichtig für den eigenen fotografischen Schaffungsprozess sind

Matthias Janz, Landarchitektur - eine Präzession auf dem Feld
© Fotograf: Matthias Janz, Landarchitektur – eine Präzession auf dem Feld, Blende-Fotowettbewerb
Bevor die Chips in die Tüten gelangen werden mit Meisterhand Kartoffeln gepflanzt. An exakten Linien wachsen die Erdäpfel bis zur Ernte. Dann geht es sehr schnell, bevor die Kartoffelscheiben in eine luftdichte Tüte gelangen.

Von Vorbildern können wir lernen und hier von Malern ebenso wie von Fotografen. Es ist also durchaus lohnenswert, immer wieder Fotoausstellungen zu besuchen, Bildbände in die Hand zu nehmen oder sich Fotogalerien, wie diese mit aktuellen Einsendung zum laufenden Blende 2018 Wettbewerb, anzuschauen. Natürlich werden einem nicht alle Aufnahmen in Ausstellungen, Bildbänden und Fotogalerien auf die gleiche Art und Weise ansprechen – wir lernen aber durch sie sehen und erfahren sehr viel über Bildkompositionen. Dafür ist es natürlich hilfreich, zu hinterfragen, warum einen manche Fotografien besonders ansprechen – es hängt nicht immer nur mit dem Motiv zusammen.

Voraussetzung für Bildkomposition ist Sehen

Petra Jeisel, Eine Ameise will hoch hinaus!
© Fotograf: Petra Jeisel, Eine Ameise will hoch hinaus!, Blende-Fotowettbewerb
Storchenschnabel himmelwärts fotografiert am 20. Mai 2017.

Bildkomposition setzt die Gabe für Sehen voraus – sicherlich eine Herausforderung in unserer schnellen Welt, mit ihrem hohen Maß an Informationen und Eindrücken. Der größte Feind der Fotografie ist möglicherweise hier die Zeit. Hier geht es einmal um die Zeit, die man sich für die Fotografie nimmt und dann um die Zeit, die einem das Motiv einräumt. Auf ersteres hat man Einfluss. Für die Fotografie sollte man sich Zeit nehmen, auch deshalb, weil man diese zur geistigen Erfassung der Begebenheiten schlichtweg braucht. Insbesondere als fotografischer Einsteiger oder wenn man sich ein neues Fotosujet erschließt, dann sollte man mehr Zeit einplanen. Fotografieren bedeutet Entschleunigung mit der Konzentration auf einen Augenblick, der durchaus auch eine größere Zeitspanne einnehmen kann.

Warum die Fotografie ein Spiel sein sollte

Peter Reinhardt, five minutes past twelve
© Fotograf: Peter Reinhardt, five minutes past twelve, Blende-Fotowettbewerb
Eine alte verlassene Schaltzentrale in Berlin

Bildkomposition bedeutet, mit den vorhandenen Motiven im Bild zu spielen und sie zu Gewichten. Feste Regeln gibt es hier nicht – das ist auch gut so, denn sonst wären Fotografien mitunter uniform. Auch, wenn es für uns naheliegt, gehört das bildwichtige Motiv raus aus der Bildmitte – es können Nuancen sein – wie eingangs erwähnt die Prise beim Kochen. Sehr beliebt sind in der Fotografie der Goldene Schnitt oder die Drittel-Regel – beides steht für eine ausgewogene Bildkomposition. Fotografien müssen aber nicht unbedingt ausgewogen sein – ein extremer Bildaufbau gegen alle Regeln der Kunst kann das gewisse Etwas ausmachen. Hier gilt es aber, wie beim Kochen, mit Bedacht vorzugehen, denn der Grat zwischen gelungen und missglückt ist schmal.

Und dann kommt die Kamera ins Spiel

Claus Müller, der Geisterwald
© Fotograf: Claus Müller, der Geisterwald…, Blende-Fotowettbewerb
Warum der Wald an der Ostsee Nähe Nienhagen wohl Geister- oder Gespensterwald heißt ist mir nicht ganz klar. Gruselig war es eher nicht, Gespenster gab es auch keine. Fotografisch interessant auf alle Fälle. Auch wenn man mal aus der Froschperspektive aufnimmt.

Wichtig ist das Spiel mit den kameratechnischen Möglichkeiten, also mit dem Zoom, der Blende und Belichtung, Blitz etc. Ein Bewegungsmuffel sollte man als Fotograf auch nicht sein. Ein Schritt weiter nach rechts kann ebenso Wunder bewirken wie einer nach links. Und wer sagt denn, dass man immer nur in aufrechter Haltung fotografieren sollte. Ab in die Knie oder auf den Bauch oder auch einmal einen erhöhten Standpunkt einnehmen – das lässt Szenerien in einem ganz anderen Licht erscheinen. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Fotografien – Es kommt nicht darauf an, mit wie vielen Bildern Sie heimkehren.

Blende – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Ralf Richtsteiger, San Giovanni am Abend
© Fotograf: Ralf Richtsteiger, San Giovanni am Abend, Blende-Fotowettbewerb
Auf den gegenüberliegenden Hügel gestiegen und mit dem Tele ins Tal geblickt. Zu sehen ist eine kleine Kirche in Vilnöss, einem Tal in den Dolomiten.

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist Blende ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Blende schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.
Blende-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu Blende.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2018

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