Bildkomposition - Der Fotograf ist der Dirigent

© Fotograf: Hermann Mohr, Haus am Meer ..., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hermann Mohr, Haus am Meer …, Blende-Fotowettbewerb
Fotografen können durchaus mit Musikern verglichen werden – der Unterschied zwischen beiden liegt darin, dass der eine in einem Musikstück die Töne zu einander in Beziehung setzt und der andere die gesehenen Motive. Eine gute Aufnahme setzt weit mehr voraus, als nur scharf zu sein. Wichtig für die Bildwirkung ist die Beziehung der einzelnen Bildelemente zu einander, denn der Betrachter achtet meist nur auf den Bildinhalt. Ob dieser kraftvoll oder spannungslos, chaotisch oder geordnet erscheint, das entscheidet der Fotograf mit seiner Bildkomposition.

Jeder Fotograf hat es also in der Hand, den Betrachter durch seine Bilder zu führen. Vieles geschieht instinktiv, denn von klein auf werden wir in unserem bildnerischen Denken geprägt, sei es durch Kinderbücher mit ihren Illustrationen, durch den Kunstunterricht und vorgestellte bekannte Maler sowie Fotografen, bis hin zur Werbung, die uns beispielsweise in Illustrierten begegnet. Bei letzteren ist jedoch in jüngster Zeit auch immer wieder auch festzustellen, dass sie durch Unstimmigkeiten negativen Einfluss auf unser Sehen nehmen kann.

© Fotograf: Tobias Schneider, Calm, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Tobias Schneider, Calm, Blende-Fotowettbewerb
Durch die Wahl der Optik nehmen wir Einfluss auf die Bildkomposition, indem der Rahmen festgesetzt wird. Dabei steht das Weitwinkelobjektiv für einen großen Rahmen, das Normalobjektiv für einen mittleren Rahmen und das Teleobjektiv für einen kleinen Rahmen. Durch die Wahl der Optik können Bildelemente dementsprechend verdichtet abgebildet werden. Bei statischen Motiven, wie beispielsweise Landschaften und Bauwerken, haben Fotografen auf den ersten Blick alle Zeit der Welt für die Gestaltung, während in der Straßenfotografie auch der Zufall Regie führt. Dies lässt den Schluss zu, dass Landschaften sich einfacher in die Bildkomposition fassen lassen als quirlige Großstadtimpressionen. In der Praxis zeigt sich, dass dem nicht so ist. Gerade bei Landschaften liegt die Aufgabe des Fotografen, der beeindruckt ist von der dreidimensionalen Weite, darin, diese auf eine nur zweidimensionale Fläche zu bannen. Dazu ist die Gestaltung der Fläche notwendig, denn, mit einem Weitwinkelobjektiv eingefangen, ergibt sich eine große Vordergrundfläche und eine nicht geringere Himmelsfläche. Beide müssen interessante Formen aufweisen, wenn Landschaftsaufnahmen überzeugen sollen.

© Fotograf: Tobias Neubert, Thin Red Line, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Tobias Neubert, Thin Red Line, Blende-Fotowettbewerb
Die Bildkomposition hat ihre Gesetze. Der Goldene Schnitt garantiert Harmonie. Rein mathematisch betrachtet geht es um die Teilung einer Strecke in zwei Teile. Dabei verhält sich der größere Teil zum kleineren genauso, wie die gesamte Strecke zum größeren. Die Aufteilung wird als sehr angenehm empfunden, weil das Auge zwischen unterschiedlichen Größenverhältnissen hin und her pendelt.

Einen klaren und gut strukturierten Bildeindruck erhält der Fotograf mit dem „Elementargerüst“ – doch Achtung, denn die Aufnahmen können schnell als starr wirken. Das Bildformat wird hier in die beiden Symmetrieachsen geteilt. Zu den beiden senkrechten und waagrechten harmonischen Teilungslinien werden noch die beiden Bilddiagonalen hinzugenommen.

© Fotograf: Holger Glaab, Vasco Da Gama, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Holger Glaab, Vasco Da Gama, Blende-Fotowettbewerb
Zu den bekanntesten Kompositionsmöglichkeiten zählt die Dreieckskomposition, nach der beispielsweise der Maler Casper David Friedrich seine Gemälde mit Zirkel und Geodreieck schuf. Gleichschenklige oder gleichseitige Dreiecke stehen für Harmonie. Dabei liegen die Bildmotive in diesem Dreieck oder ein einzelnes Bildelement, wie beispielsweise ein großer Stein, ergibt das Dreieck.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2015

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1 Kommentare

"Eine Spiegelreflex mit nur einem Objektiv ist wie ein Klavier mit nur einer Taste" schrieb Pentax schon Ende der 1970er-Jahre.

von Hans Wurst
14. Januar 2015, 13:03:51 Uhr

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