Fototipp - Blick nach oben

Unsere Blickrichtung ist in der Regel geradeaus gerichtet – dies hat natürlich seinen Grund, können wir nur so dem Gegenüber in die Augen blicken oder haben wir alles vor uns stattfindende, wie den Autoverkehr, im Sichtfeld. Aus Gewohnheit heraus überträgt sich diese Blickrichtung auch darauf, wie und welche Motive wir sehen und wie wir sie bevorzugt fotografisch in Szene setzen. Selten richten wir unseren Blick nach oben außer es passiert dort etwas beeindruckendes wie beispielsweise eine noch nie dagewesene Wolkenformation. Wie lohnenswert es allein aus fotografischer Sicht ist, dem Oben mehr Bedeutung zu schenken, stellt der Bildautor Norbert Pasch mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Im Glashaus“, den er zu „Blende 2016“ und der thematischen Vorgabe „Schätze der Region“ eingereicht hat, unter Beweis. Seine Aufnahme vom Aachener Dom eröffnet uns eine nicht alltägliche Sicht und schon allein deshalb wird die Aufnahme zum Blickfang. Anziehend ist die Aufnahme aber auch wegen ihrer nahezu perfekten Symmetrie. Der Zufall führt bei solchen Aufnahmen keine Regie, sondern der „Blende“-Teilnehmer Norbert Pasch hat sie bis ins kleinste geplant. Wegen solcher Aufnahme, wie sie Norbert Pasch zu „Blende 2016“ eingereicht hat, wurde vor über 40 Jahren der bundesweite Fotowettbewerb für alle Fotobegeisterten ins Leben gerufen. „Blende“ ist das Forum in dem Fotobegeisterte mit ihren Einsendungen nicht nur ihre Schaffenskraft zum Besten geben sondern ebenso ihre Freude an der Fotografie. Ihre Aufnahmen sind es aber auch, die zum eigenen fotografischen Spiel inspirieren.

© Fotograf: Norbert Pasch, Im Glashaus, Blende-Fotowettbewerb
Norbert Pasch, Im Glashaus, Blende-Fotowettbewerb

Gerade in Gebäuden und insbesondere in jenen mit geometrischen Decken lohnt sich der Blick nach oben. Wichtig ist es, den besten fotografischen Standort für sich zu ermitteln. Das braucht Zeit – die sollte man sich nehmen, denn das ist schon mehr als die halbe Miete für eine beeindruckende, symmetrisch aufgebaute Fotografie. Man muss quasi die Mitte des Objektes ermitteln – in einem Dom mit seiner Bestuhlung etc. ist dies mitunter einfacher als in einem runden Gebäude. Je symmetrischer man bereits während der Aufnahme das Motiv einfängt, desto weniger intensiv muss man nachträglich mittels Bildbearbeitung eingreifen. Im nächsten Schritt sollte man für sich festlegen, was noch außerhalb der Decke – also von den Wänden – in die Aufnahme einbezogen werden soll. Norbert Pasch entschied sich für eine großzügige Einbeziehung der Wände mit ihrem Kirchenglas. Dies verleiht der Aufnahme nicht nur Tiefe, sondern auch Leuchtkraft. Voraussetzung dafür war der Einsatz eines Weitwinkelobjektivs, das ein weites Sehfeld garantiert. Norbert Pasch entschied sich für eine Belichtungszeit bei ISO 200 von 1,2 Sekunden. Ratsam ist in jedem Fall eine Belichtungsreihe. Symmetrische Aufnahmen und die empfohlene Belichtungsreihe schreien förmlich nach einem Stativ, denn aus der Hand fotografiert wird es immer – wenn auch minimale – Abweichungen geben. Dass Stativ sollte natürlich so beschaffen sein, dass man die Kamera damit nach oben senkrecht ausrichten kann. Hilfreich für die perfekte symmetrische Ausrichtung sind auch Gitternetzlinien.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2017

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