Blickpunkt Wasser - Spiegelungen

Traumlandschaft Bildgalerie betrachten

Blende ,“Traumlandschaft”
Heinz Assmann

Wasser ist eine höchst vielseitige Verbindung. Für die alten Griechen war es schlicht eines der vier Elemente, der exakte Chemiker von heute sieht darin ein aus Wasserstoff- und Sauerstoffatomen zusammengesetztes Molekül. Der Schmutzfink aber möchte damit möglichst nicht in Berührung kommen. Doch Wasser in seinen mannigfachen Erscheinungsformen ist auch geeignet, die Aufmerksamkeit der Photographen auf sich zu ziehen. Ob als klarer Bergsee, plätschernder Bach, tosende Meeresbrandung oder als Wolken den Himmel über einer Landschaft verzierend, verdanken wir dem Wasser reizvolle Motive. Sogar in seinem festen Aggregatzustand, als Eis oder Schnee, verhilft Wasser manch einer Aufnahme erst zu ihrer vollen Wirkung.

Photographisch ergiebig sind die unterschiedlichen Reflexionen auf der Wasseroberfläche. Ein ruhiger See wirkt wie ein glatter Spiegel, in dem sich die umliegenden Berge, Bäume und Bauwerke auf dem Kopfe stehend wiederfinden. Macht sich eine leichte Brise bemerkbar, so geraten diese Abbilder in Bewegung, werden mehr oder weniger verzerrt und bei stärkerem Wind zunehmend in abstrakte Formen verwandelt. Die Reflexe der Sonne tanzen über die Wasseroberfläche und machen sich als markante Spitzlichter oder außerhalb des Schärfebereichs des Objektivs als verwaschene Flecken bemerkbar. Auch die abendliche Stimmung am Meer, in dem sich die tiefrote, untergehende Sonne spiegelt, ist ein gefragtes Motiv, das vor allem dann gut im Photo wirkt, wenn eine lange Brennweite für eine größere Abbildung des Glutballs sorgt.

Wer solche Spiegelungen bewußt in seine Aufnahmen einbeziehen will, muß auf den richtigen Bildausschnitt achten, denn Hauptmotiv und Konterfei gehören zusammen. Die Reflexionen sollten nicht an den unteren Rand des Bildes rücken und teilweise abgeschnitten werden.

Auch bei Nachtaufnahmen in einer mit Lichtern überfluteten Großstadt trägt Wasser zu einer wesentlichen Verbesserung der Aufnahmen bei. Nach einem Regenguß spiegeln sich Autoscheinwerfer und Leuchtreklamen auf den nassen Straßen, was die Bildwirkung enorm steigert. Um die Belichtung braucht man sich bei solchen Nachtaufnahmen nicht besonders zu kümmern, selbst wenn das Meßsystem der Kamera zu große Dunkelheit signalisiert. Die Lichter sind praktisch immer hell genug und dank der Nässe zeichnen sie sich noch einmal am Boden ab. Um die reflektierten Sonnenstrahlen auf einem See oder dem Meer mit der Kamera einfangen zu können, muß immer in Richtung der Lichtquelle photographiert werden. Es handelt sich also um Gegenlichtaufnahmen, die leicht zu dunkel ausfallen können, besonders dann, wenn sich ein starker Reflex im Bild breit macht und der Automatik eine viel zu große Allgemeinhelligkeit vorgaukelt. Man sollte dann die Gegenlichtkorrektur einschalten oder die Blende manuell um eine Stufe öffnen. Wer ganz sicher gehen will, der macht mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Blendenwerten. Dann ist ganz bestimmt eine Aufnahme mit Idealbelichtung dabei.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2005

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