Fototipp – Bühnenauftritte in der Vorweihnachtszeit

Jetzt in der Vorweihnachtszeit jagt eine Vorführung die nächste und wenn dann auch noch eigene Kinder oder Freunde auf der Bühne stehen, dann gehört das natürlich in Form von Fotografien und Videos festgehalten. Das sind wichtige Zeitdokumente, die von großer Einzigartigkeit geprägt sind. Das Fotografieren und Filmen stellt an Fotografen und ihre Ausrüstung höchste Ansprüche. So nebenbei gelingen keine überzeugenden, stimmungsvollen Aufnahmen. Zudem sollte man sich als Fotograf und Filmer darüber bewusst sein, dass in der Regel nur eine Sache geht: entweder fotografieren beziehungsweise filmen oder die Aufführung genießen. Beides lässt sich nur schwer unter einen Hut bringen.

Bühnenauftritt in der Vorweihnachtszeit

Klar im Vorteil ist man, wenn die Vorstellung nicht eine einmalige Angelegenheit ist. Dann hat man die Gelegenheit, sie wenigstens zweimal zu besuchen und zwar das erste Mal ohne Kamera. Hier sollte man die Aufführung einfach auf sich wirken lassen und zum Beispiel ein Gefühl für die wechselnden Farb- und Lichtverhältnisse bekommen, aber auch für Szenen, die man unbedingt einfangen möchte. Aber gerade Schulaufführungen in der Vorweihnachtszeit sind oftmals einzigartig und dementsprechend hilft nur gute Vorbereitung.

Für überzeugende Bühnenfotos ist ein guter Standpunkt oberstes Gebot. Bei Schulaufführungen ist es meist kein Problem, einen Platz in der ersten Reihe zu erhalten. Eine Loge gibt es hier vielfach nicht, denn die Aufführungen finden bevorzugt in Aulen statt. Rücksicht sollte der Fotograf natürlich bei all seinem Engagement walten lassen und darauf achten, dass sich die übrigen Besucher durch ihn nicht gestört fühlen.

In Kirchen, auf Weihnachtsmärkten, in Opern, Schauspielhäusern oder Varietés hat man ganz andere örtliche Begebenheiten. Zunächst sollte hier im Vorfeld abgeklärt werden, ob man fotografieren/filmen darf und wo man sich mit seiner Kamera positionieren kann. Ist der Standpunkt direkt vor der Bühne, so ist man dem Geschehen sehr nahe, darf aber während der Aufführung seine Position oftmals nicht wechseln, um die anderen Besucher nicht zu stören. Die Kamera wird auf einem Stativ montiert und ist man im Besitz eines neueren Modells, das man auch über ein Tablet fernsteuern kann, so bietet das natürlich grenzenlose Vorteile. Wichtig ist, die Kamera mit einer ausreichend großen Speicherkarte zu bestücken – nichts ist ärgerlicher, als wenn man während der Vorführung die Speicherkarte wechseln muss. Der Akku gehört natürlich geladen.

Eine Loge – sofern die Örtlichkeit so etwas bietet – gegenüber der Bühne garantiert freie Sicht auf das Geschehen, aber auch, dass Entfernungen überbrückt werden müssen, was nur mit entsprechender Optik gelingt. Prädestiniert für die Bühnenfotografie sind Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras – mit einem Smartphone oder einer Kompaktkamera mit beispielsweise einem Dreifachzoom kommt man in der Bühnenfotografie nicht weiter. Mit einem 80- bis 200mm-Zoomobjektiv ist man gut beraten. Sind größere Distanzen zu überbrücken, ist ein 300- oder 400mm-Teleobjektiv angesagt. Lichtstark sollten die zum Einsatz kommenden Objektive in jedem Fall sein, denn Blitzen ist ein No-Go, möchte man die Lichtstimmungen auf der Bühne wirkungsvoll einfangen. Festbrennweiten wie 35 oder 50 mm mit Blende 1,8 oder Standardzoomobjektive mit 27 bis 70 mm bei Blende 2,8 bieten sich für Fotos und Videos von der Bühnentotalen an.

Bis auf den Autofokus sollte bei der Bühnenfotografie auf alle Automatiken verzichtet werden – wie führte ein Theaterfotograf so treffend aus: „Ob mittenbetonte Integralmessung oder Matrixmessung, ob Blendenautomatik oder Zeitautomatik – die Kamera kann nicht denken und kann nicht wissen, was ich will.“ Gegen die Automatik spricht auch, dass diese zufällige Ergebnisse liefert und jeder höhere Schwarzanteil im Bühnenbild zu Fehlbelichtungen führt. Belichtungszeit und Blende gilt es, entsprechend des gewählten ISO-Wertes, manuell einzustellen. Man sollte sich nicht scheuen, auch eine höhere Empfindlichkeit (höheren ISO-Wert) zu wählen, auch, wenn dies möglicherweise Bildrauschen nach sich zieht. Sind die Bildresultate überzeugend, wird das Bildrauschen von den Betrachtern als nicht störend wahrgenommen. Sofern man über RAW-fähige Software verfügt, sollte in diesem Format fotografiert werden. Es bietet umfangreiche Korrekturmöglichkeiten, die den Aufnahmen nur zugutekommen.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden