Abdunklungen in den Bildecken - Vignettierung

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Paula Faust

Der einzigartige Moment, das große Erlebnis ist photographisch festgehalten. Erwartungsvoll wird auf das Ergebnis geschaut. Hat man im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt, wurde der Augenblick auch so festgehalten, wie man ihn erlebt hat? Eventuell kommt Unmut auf, weil man alles richtig eingestellt hatte, die Aufnahmen jedoch zu den Bildecken hin immer dunkler werden. Ist die Kamera defekt, werden sich all diejenigen aufgeregt fragen, die solche Aufnahmen erstmalig in den Händen halten. Hier können wir Entwarnung geben.

Auftretende Abdunklungen der Bildecken, das heißt bei korrekter Belichtung in der Bildmitte wird die Aufnahme mit zunehmender Entfernung vom Bildmittelpunkt immer stärker unterbelichtet, wird als Vignettierung bezeichnet. Insbesondere beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven kann es zur Vignettierung kommen, bei Teleobjektiven eher selten. Unterschieden wird zwischen optischer und mechanischer Vignettierung.

Die optische Vignettierung führt zu einer stetigen Verdunklung des Bildes zu den Bildecken hin. Die größte wirksame Blende eines Objektivs verringert sich, je weiter das abzubildende Objekt von der optischen Achse entfernt ist. Daher ist die optische Vignettierung bei weit geöffneter Blende am stärksten ausgeprägt und kann durch Abblenden eliminiert werden. Konstruktionsbedingt tritt Vignettierung sowohl auf der Bild- als auch auf der Objektseite eines Objektivs auf. Diese Art der Vignettierung ist am auffälligsten bei der Abbildung von Flächen gleichmäßiger Helligkeit.

Die mechanische Vignettierung führt ebenfalls zu einer Verdunklung der Bildecken, ist jedoch im Vergleich zur optischen Vignettierung stärker sichtbar. Sie wird hervorgerufen durch die Blockade des Strahlengangs, durch falsch gewählte Gegenlichtblenden oder zu viele Vorsatzlinsen, deren Fassungen den Strahlengang beschneiden.

Inwieweit die Vignettierung als störend empfunden wird, hängt vom Motiv ab. Bei Portraitaufnahmen fällt die Vignettierung nicht so ins Gewicht und wird dementsprechend auch nicht als unangenehm empfunden. Anders verhält es sich da in der Architektur- und Landschaftsphotographie. Hier werden häufig sogenannte Center-Filter eingesetzt, die (in der Mitte dunkler und nach außen heller werdend) die Vignettierung ausgleichen. Da die Vignettierung jedoch blendenabhängig ist, muß dementsprechend für jede Blendenstufe der passende Center-Filter gewählt werden.

Mit Hilfe von digitaler Bildbearbeitung kann die Vignettierung auch nachträglich herbeigeführt werden, wie in unserem Bildbeispiel. Zunächst wurde der Bereich definiert, der gleich bleiben soll. Danach wurde eine weiche Auswahlkante festgelegt, damit der helle Bereich in den dunklen nicht abrupt übergeht. Anschließend wurde die Auswahl umgekehrt und eine neue Ebene durch Kopieren der unteren Ebene erzeugt. Auf die neu erstellte Ebene wurde der Helligkeitsfaktor geregelt, in diesem Fall dunkler.
 

Fotografieren in der Praxis 04 / 2005

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