Der Blick nach oben

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“Magische Anziehungskraft”
Stefanie Wandt

Wir Menschen haben unseren Blick stets - bis auf wenige Ausnahmen - nach vorne gerichtet. Sind wir Botaniker, Gesteinskundler oder suchen wir beispielsweise am Strand nach Muscheln, so senkt sich unser Kopf, damit unseren wachsamen Augen nichts entgeht. In der Photographie ist es nicht anders. Meist halten wir die Dinge im Bild fest, die vor uns liegen oder die wir beim Blick nach unten wahrnehmen. Damit berauben wir uns einer großen photographischen Motivpalette, die so unendlich viele Sujets zu bieten hat.

Einer besondern Kameraausrüstung bedarf es nicht, um den Blick nach oben im Bild festzuhalten. Eine Kompaktkamera mit oder ohne Zoom ist genauso geeignet, wie eine Spiegelreflex- oder Messsucherkamera. Sollen Details hervorgehoben werden, so ist ein Zoom oder ein Teleobjektiv sicherlich von Vorteil. Wichtig ist es, den richtigen Bildausschnitt einzufangen, mit der Perspektive zu spielen und lieber einmal mehr den Auslöser zu betätigen.

Die Zimmerdecke in den eigenen vier Wänden stellt sicherlich kein photographisches High Light dar. Wie sieht es aber mit dem Kronleuchter oder der Lampe aus den 70igern Jahren aus. Formatfüllend in Szene gesetzt und dann noch mit Licht und Schatten gespielt, entstehen außergewöhnliche Aufnahmen, die sich zum Beispiel hervorragend für einen selbstgestalteten „Lampen“-Kalender eignen. Weit bekannter als photographisches Motiv sind Kirchengewölbe. Hier wagen wir den Blick nach oben und sind fasziniert von der Bauarchitektur. Schnell kommt die Frage auf, wie es die Menschen früher ohne die moderne Technik fertig gebracht haben, solche Bauten hervorzubringen. Da in Kirchen die Lichtbedingungen meist nicht optimal sind und nicht geblitzt werden darf, empfiehlt es sich - sofern analog photographiert wird - einen hochempfindlichen Film in die Kamera einzulegen. Ein Stativ verhindert bei längeren Belichtungszeiten das Verwackeln der Aufnahmen. In Wintergärten und anderen lichtdurchfluteten Gebäuden lohnt sich der Blick mit der Kamera nach oben ebenfalls. Gerade ältere Bauten aus der Jugendstilzeit oder moderne Hochhäuser bieten eine Fülle an Photomotiven - hier ist das Spiel mit der Perspektive einfach ein Muss. Aber nicht nur in Gebäuden sondern auch im Freien lohnt sich der Blick nach oben. Baumkronen, Wolkenspiele, Ballons, Flugzeuge, Hausfassaden, Zugvögel aber auch die Straßenlaterne, das Brückengitter oder der Mond sind mögliche Beispiele für das photographische Spiel mit Zeit und Blende. Das Thema lässt viel Platz zum experimentieren, man muss es nur für sich erkennen.

 

Fotografieren in der Praxis 09 / 2006

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