Der Weg zum geraden Photo

Sonnenuntergang Bildgalerie betrachten “Sonnenuntergang” Moritz Maler

Die Landschaft ist perfekt in Szene gesetzt, Nebelschwaden ziehen über das Meer, einzelne Sonnenstrahlen brechen durch und verbreiten eine traumhafte Morgenstimmung. Der Photograph ist um halb fünf aufgestanden, das dritte Mal hintereinander, um genau diesen Moment auf Film oder Chip zu bannen. Und zu Hause dann das böse Erwachen: Alle Bilder sind schief, das Meer läuft aus! Ein gekonnter Schnitt mit einem scharfen Messer kann helfen, das Bild wieder ins Lot zu bringen. Aber schon bei der Diaphotographie hat diese nachträgliche Korrekturmöglichkeit ihre Grenzen erreicht. Wie so oft gilt: Vorbeugen ist besser. Der Weg zum geraden Photo ist gar nicht so schwer.

Es gibt eine ganze Reihe von Hilfsmitteln für gerade Bilder auf dem Markt und solche, die dem heimischen Bastelkeller entspringen. Kernstück ist dabei meistens eine Wasserwaage. Oft im Stativ eingebaut, haben die Libellen jedoch bescheidene Ausmaße. Sie genügen meist gerade noch dazu, das Stativ einigermaßen gerade auszurichten. Es gibt allerdings auch hochwertige Stativköpfe, die exakte Wasserwaagen eingebaut haben.

Vor allem unter ambitionierten Hobbyphotographen beliebt sind eigene Konstruktionen, um die Kamera waagerecht auszurichten. Dabei muß aber beachtet werden, daß überprüft werden sollte, wie die Kamera auf dem Stativ sitzt und wie exakt die Konstruktion der Wasserwaage ist. Keinen Sinn macht es, eine kleine Wasserwaage mitzunehmen und dann irgendwo an die Kamera zu halten, um so deren Ausrichtung zu überprüfen. Meist haben Kameragehäuse keine waagerechten Kanten, so daß eine Wasserwaage gar nicht richtig angelegt werden kann.

Etwas eleganter als eine Wasserwaage ist eine Gittermattscheibe - ideal in der Kombination mit einer kleinen Libelle im Stativkopf. Die Mattscheibe einer Kamera dient dazu, das Bild im Sucher sichtbar zu machen. Auf ihr sind oft Hilfsmittel wie Schnittbildindikator zum Scharfstellen oder Markierungen beispielsweise für Autofokus-Meßfelder abgebildet. Auf einer Gittermattscheibe ist zudem ein Gitter abgebildet. Dies ermöglicht es dem Photographen, das Bildmotiv exakt waagerecht auszurichten. Das Gittermuster erscheint zwar im Sucher, jedoch nicht auf dem späteren Photo.

Gittermattscheiben werden für fast alle Kameramodelle von den jeweiligen Herstellern angeboten. Je nach Kameramodell kann die Mattscheibe vom Photographen selbst ausgetauscht werden, bei einigen Modellen ist es nötig, die Kamera an den Hersteller oder eine von ihm lizenzierte Servicewerkstatt einzuschicken, damit dort die Mattscheibe ausgetauscht wird. Dies bietet sich an, wenn beispielsweise die Kamera zu einer - je nach Gebrauch - jährlichen Grundreinigung und Justierung zum Service gegeben wird. Bei Kameras, bei denen die Mattscheibe vom Anwender selbst gewechselt werden kann, ist dies meist ohne Vorkenntnisse und allzu große Probleme möglich. Wie immer beim Arbeiten in Kameras sollte allerdings vorsichtig vorgegangen werden, um nicht versehentlich Teile des empfindlichen Innenlebens zu beschädigen oder zu dejustieren.

Krumme Horizonte sind, wie zu Anfang beschrieben, überaus lästig. Vor allem dann, wenn sie nur einige wenige Grad zur Seite geneigt sind und somit dem Betrachter schnell klar wird, daß der Photograph eigentlich einen geraden Horizont photographieren wollte. Ärgerlich sind krumme Linien, wenn Gebäude mittels Shift-Objektiv oder Balgen nahezu perfekt ausgerichtet wurden, nur die Kamera nicht waagerecht stand.
 

Fotografieren in der Praxis 07 / 2005

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