Die fünfte Jahreszeit

Die fünfte Jahreszeit Bildgalerie betrachten Moritz Maler

Jubel, Trubel, Heiterkeit - und manchmal auch der schiere Wahnsinn. Wer sich mit seiner Kamera ins Faschings- beziehungsweise Karnevalsgetümmel stürzt (je nach regionaler Bezeichnung), der kann sich auf was gefasst machen. Zum Beispiel auf jede Menge fröhliche Leute, die bereitwillig vor die Kamera drängen. Auf solche, die am liebsten hundertmal photographiert werden wollen, und solche, die schon ein paar Schnäpse zuviel intus haben. Alles kein Problem, wenn der Photograph Nerven wie Drahtseile hat oder aber das alles so hinnimmt wie es kommt, weil es eben so ist in der fünften Jahreszeit.

Wenn also die Motivation stimmt und sich die richtige Grundeinstellung beim Photographen verinnerlicht hat, dann kann’s schon losgehen. Am besten gleich dahin, wo die meisten Menschen sind: mitten rein ins Getümmel. Das richtige Belichten ist außerhalb von Sälen und Hallen am einfachsten - bei einem Umzug beispielsweise. Das Teleobjektiv kann da getrost zu Hause bleiben. Ein Zoomobjektiv hat zwar gegenüber Festbrennweiten geringe Nachteile in der Lichtstärke und der Bildqualität, ist jedoch bei einem solchen närrischen Ereignis das Mittel der ersten Wahl. Seine Brennweite sollte im Idealfall den Weitwinkelbereich bis hin zum Normalbereich abdecken. Die Normbrennweite beträgt 50 mm (Kleinbild). Bei Digitalkameras muss gegebenenfalls der Crop-Faktor berücksichtigt werden. Wer kein Zoomobjektiv hat, muss mit Festbrennweiten jonglieren. Ein 35-Millimeter-Objektiv sollte gute Dienste leisten. Wer geübt ist, kann natürlich auch schnell die Objektive wechseln.

Ein zusätzlicher Blitz zum Aufhellen kann wertvolle Dienste leisten. Allerdings sollte das Aufhellblitzen vorher zumindest einmal getestet werden. Um die richtige Dosis zu finden, bedarf es einiger Erfahrung. Zwar kann bei Digitalkameras das Ergebnis gleich am Monitor überprüft werden, das Motiv ist dann aber weg. Auf Karnevalsveranstaltungen sind die Besucher zumeist rast- und ruhelos.

Für den Analogphotographen gilt, das Filmmaterial ausreichend empfindlich zu wählen. Im Februar können schon wenige Wolken viel Licht der noch tief stehenden Sonne schlucken. Vor allem, wenn ohne Blitz photographiert wird, sind ISO 400 nicht die schlechteste Wahl. Mit ein wenig Übung sollte auch ein ISO 200 Film ausreichen, die Bilder nicht zu verwackeln. Wer digital photographiert, kann da bequem an der Empfindlichkeitseinstellung des Sensors drehen, sollte aber nicht vergessen, dass mit jeder Stufe auch das Bildrauschen zunimmt.

Kurzen Brennweiten erfordern, dass der Photograph nah rangeht, also sich das Getümmel nicht von weitem ansieht. Solche Photos wirken wesentlich lebendiger und spannender als beispielsweise Teleaufnahmen. Ein Weitwinkelobjektiv verzeichnet zum Rand hin mitunter stark. Werden damit einzelne Personen formatfüllend photographiert, dann gibt’s auch hinterher was zu Lachen. Die Gesichter werden auf solchen Bildern stark verzerrt. Aber für kleine Gruppen, wenn es eng ist, da ist ein Weitwinkelobjektiv ideal. Sollen einzelne Personen herausgegriffen werden, dann ist etwas mehr Brennweite gefragt.

Was aber tun, wenn alle schupsen, Konfetti fliegt und womöglich eine Sektdusche droht? Beim Geschiebe helfen manchmal die eigenen Ellenbogen ein wenig aus der Klemme. Gelassenheit ist das oberste Gebot, denn wer beim Karneval meckert, wird ohnehin nicht erhört. Etwas mehr Aufmerksamkeit sollte der Photograph Leuten mit Spritzpistolen oder gar Getränkebechern schenken - vor allem dann, wenn sie über dem Photographen stehen, auf einem Umzugswagen beispielsweise. Dann kann schnell mal eine klebrige Dusche von oben kommen und die gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Zwar sind die meisten Kameras gegen leichtes Spritzwasser geschützt, aber klebrige Flüssigkeiten sind äußerst unangenehm und können Kamera und Objektiv ernsten Schaden zufügen. Hin und wieder schnell den Blick vom Sucher nehmen und ein wenig die Umgebung im Auge behalten hilft - neben einem Filterschutz für das Objektiv oder dem Unterwassergehäuse für die Kamera.

Auf Faschingsumzügen flattert noch alles Mögliche durch die Luft, wie Bonbons, Luftschlangen, Papierschnipsel und Konfetti. Kamera und Objektive sind gegen Konfetti gefeit. Allerdings - beim Wechseln von Objektiven, Speicherkarten und Filmen droht Ungemach. Hängt Konfetti erst einmal im Verschluss fest, ist es da mitunter nicht so leicht es wieder wegzubekommen. Schließlich ist pusten nicht immer sinnvoll - wer weiß, wo das Papierungeheuer im Kamerainneren noch hinfliegt? Wie so oft hilft ein wenig Prophylaxe. Die Narren, die schon einmal Konfetti geworfen haben, werden vielleicht wieder werfen. Dem möglichen Werfer den Rücken zukehren, leicht vornüberbeugen und schnell sein - dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
 

Fotografieren in der Praxis 01 / 2007

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